ZDF Fernsehfilm: "Sein gutes Recht"

Schauspielerin Thekla Carola Wied und Rechtsexperte Peter Winterstein im CareTRIALOG-Interview

alternovum CareTRIALOG

26.03.2015

ZDF Fernsehfilm: "Sein gutes Recht"

Von Dr. Kerstin Lötzerich-Bernhard


Am 30. März 2015 um 20.15 Uhr strahlt das ZDF den Fernsehfilm der Woche aus: „Sein gutes Recht“.

Die Hauptrollen spielen Thekla Carola Wied und Matthias Habich. Der 90-Minüter beschäftigt sich mit einem gesellschaftlich relevanten Thema: dem Umgang mit Demenz und der oft daraus resultierenden Bevormundung durch eine richterlich verfügte Betreuung.

An die Ausstrahlung schließt sich um 21.45 Uhr eine 30-minütige Dokumentation „Sein gutes Recht – Ein Leben mit Betreuung“ an.

Zum Inhalt des Films: Mehr als ein halbes Jahrhundert, nachdem sie in der Tanzstunde frisch verliebt waren, treffen sich Max und Leni zufällig im Park wieder. Beide sind einsam. Leni ist verwitwet, Max zweimal  geschieden. Mit seinem homosexuellen einzigen Sohn hat Max sich überworfen. Leni und Max knüpfen dort an, wo sie damals aufhörten – sie gehen tanzen, lachen und reden. Doch schon der  zweiten Tanzstunde bleibt Max fern. In seiner großen, ein wenig verwahrlosten und unbeheizten Villa trifft Leni auf einen seltsam abwesenden, manchmal verstörten Max. So erfährt sie, dass sich bei ihrem Jugendfreund erste Anzeichen von Altersdemenz zeigen. Und schlimmer noch: Auf Veranlassung von Nachbarn wurde Max per Gerichtsbeschluss unter Betreuung gestellt. Selbst den Heizungsmonteur kann nur der mit der Betreuung beauftragte Anwalt bestellen. Doch der Jurist ist im Urlaub. Max braucht dringend einen Arztbesuch. Die Anwaltskanzlei ist völlig überlastet und hilft nicht weiter.

Die energische Leni nimmt den Kampf gegen die ignorante Kanzlei des Betreuers auf. Es gelingt ihr auch, die zunächst wenig zuvorkommende zuständige Richterin dazu zu bringen, die Notwendigkeit der Betreuung von Max erneut zu prüfen. Denn Max hat lange Phasen, in denen er fit ist. Doch bei dem Prüfungstermin steht Max leider völlig neben sich. Als er eine Panikattacke bekommt und eine Haushaltshilfe versehentlich leicht verletzt, wird er auf Veranlassung seines Betreuers in ein Heim gebracht. Leni erhält dort wegen ihrer kämpferischen Aufmüpfigkeit Hausverbot. Als Leni beobachtet, wie der betreuende Anwalt Max‘ Villa leerräumt, rastet sie aus. Schon besteht die Gefahr, dass die „lästige“ Seniorin nun auch unter Betreuung gestellt wird. Der betrügerische Anwalt lässt Leni jedenfalls erst einmal in die Psychiatrie einweisen. Doch Leni bleibt geistesgegenwärtig. Als pensionierte Lehrerin kann sie der zuständigen Richterin vorrechnen, welche Rendite die Kanzlei mit ihren zahlreichen Betreuungsklienten einfährt. Da kommen atemberaubend viele abgerechnete Arbeitsstunden zusammen – da kommt auch die Richterin ins Grübeln.

Der careTRIALOG traf Thekla Carola Wied und den Rechtsexperten Peter Winterstein (Vizepräsident des OLG Rostock und Vorsitzender des Betreuungsgerichtstages) im Hotel Opéra in München zum Pressegespräch und anschließendem Interview.

Frau Wied, in Ihrem neuen Film „Sein gutes Recht“ spielen Sie Leni, die tatkräftige Begleiterin von Max (gespielt von Matthias Habich). Nach über 50 Jahren, nachdem Sie gemeinsam mit Max auf dem Abschlussball getanzt haben, treffen sich Leni und Max unverhofft wieder. Sofort sind die vertrauten Gefühle von damals wieder da. Schnell wird aber deutlich, dass Max an einer beginnenden Demenz erkrankt ist, die in ihrer Symptomatik stark schwankt. Und als Leni und Max vom ersten gemeinsamen Arztbesuch zurückkehren, nimmt Leni seine Einladung, nochmal mit ins Haus zu kommen, nicht an, sondern geht sichtlich berührt. Demenz ist in unserer Gesellschaft oft noch ein Tabuthema. Empfinden Sie Lenis Verhalten als nachvollziehbar? Welche Gefühle gehen Leni wohl durch den Kopf, als sie feststellen muss, dass sich ein vertrauter Mensch verändert?

Thekla Carola Wied: Lenis Verhalten empfinde ich als absolut nachvollziehbar. Es ist für mich als Leni einer der stärksten Momente des Films. Dieses erste, leichte Angstgefühl ist mehr als verständlich, und man kann Leni auch keinen moralischen Vorwurf daraus machen. Leni hat ihren krebskranken Mann jahrelang bis zum Tode gepflegt. Und nun fragt sie sich zu Recht, ob sie das, was offensichtlich auf sie zukommt, bewältigen kann. Hat sie die Kraft dazu? Sie geht in diesem Augenblick wortlos, und ihre Emotionen und Gedanken spiegeln sich nur in ihren Augen und ihrem Gesicht wider. Sie geht, aber kommt später zurück. Das hat mit ihrem Charakter, ihrem eigenen moralischen System und vor allen Dingen mit ihrer neuerwachten Liebe zu tun. Das darf man nicht vergessen. Es hat zu tun mit den starken Gefühlen für Max, die so plötzlich wieder erblühen, und die natürlich auch Hoffnungen in ihr geweckt haben. Deswegen steht sie ihm bei und hilft ihm in der schweren Phase, in der er sich befindet. Sie merkt, er ist allein! Denn das ist, neben der Demenz, das zweite große Thema des Films – die Einsamkeit, die Einsamkeit vieler Menschen in unserer heutigen Gesellschaft.

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Sein gutes Recht: Leni (Thekla Carola Wied, li) liebt ihren kranken Jugendfreund Max (Matthias Habich, re) über alles und kämpft gegen seinen kriminellen Betreuer der an das Vermögen von Max will. Bildrechte: ZDF; Autor: Willi Weber
Sein gutes Recht: Leni (Thekla Carola Wied) kämpft mit allen Mitteln um das gute Recht ihres kranken Freundes Max, auf ein würdevolles Leben im Alter, das ihm ein betrügerischer Anwalt kaputtzumachen droht. Bildrechte: ZDF; Autor: Willi Weber

 

 

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