ZDF Fernsehfilm: "Sein gutes Recht"

Schauspielerin Thekla Carola Wied und Rechtsexperte Peter Winterstein im CareTRIALOG-Interview

alternovum by CareTRIALOG

26.03.2015

ZDF Fernsehfilm: "Sein gutes Recht"

Von Dr. Kerstin Lötzerich-Bernhard


Frau Wied, haben Sie selbst schon in Ihrem persönlichen Umfeld Erfahrungen mit Demenz gemacht, und wie haben Sie sich dabei gefühlt?

Thekla Carola Wied: In meinem persönlichen, nahen Umfeld nicht. Viele Dinge habe ich aber im weiteren Umfeld gehört und mitbekommen, und sie waren teilweise sehr erschreckend. Aber ich habe mich mit dem Thema schon seit einiger Zeit, in erster Linie literarisch, intensiv beschäftigt und möchte gerne ein Buch empfehlen und allen ans Herz legen: Es handelt sich um das Buch „Der König in seinem Exil“ des österreichischen Schriftstellers und Autors Arno Geiger. Ein tief berührendes Buch, in dem Arno Geiger über die Demenzerkrankung seines Vaters schreibt, und wie er dem Phänomen erst sehr fremd gegenüber steht und doch nach und nach, trotz der über Jahre fortschreitenden Erkrankung des Vater und des Abhandenkommens der Erinnerungen und der Orientierung in der Gegenwart, dessen Charme, Witz, Klugheit und Würde in seiner ganz eigenen (auch oft glücklichen) Welt erkennt. Es erwächst zwischen Vater und Sohn wieder eine sehr große Nähe. Es ist eine wahre Geschichte, die von einem lebens- und liebenswerten Dasein erzählt.

Herr Winterstein, doch schon kurz nach der Szene vor Max‘ Haus setzt sich Leni kämpferisch und energisch in allen Belangen für Max ein. Denn man hat Max einen Anwalt als Teilbetreuer und Vormund zugeteilt. Später wird dem Anwalt zusätzlich das vollständige Aufenthaltsbestimmungsrecht zugesprochen. Max darf, entgegen seiner Wünsche, keinerlei eigene Entscheidungen mehr treffen und wird aus seiner vertrauten Umgebung herausgerissen, kommt in ein Pflegeheim. Max ist dem Teilbetreuer und Anwalt, der sich dann zudem noch als skrupellos und betrügerisch entpuppt, ausgeliefert. Kennen Sie solche Fälle aus der Realität? Stehen die Rahmenbedingungen des Betreuungswesens und die Betreuungsrealität im Einklang?

Peter Winterstein: Es gibt ganz sicher solche Einzelfälle. Konkret habe ich selbst nicht damit zu tun gehabt. Aber es gibt zweifelsohne Schilderungen solcher unvertretbar abgelaufenen Verfahren. Von daher kann ich überhaupt nicht abstreiten, dass es auch in der Realität vorkommt. Der Inhalt des Gesetzes sieht natürlich etwas anderes vor. Selbst wenn das Aufenthaltsbestimmungsrecht übertragen worden ist, gilt trotz allem das Selbstbestimmungsrecht des Betreuten nach wie vor weiter. Ich muss aber zugeben, dass dies in der Realität sehr häufig nicht so gelebt und nicht danach gehandelt wird, weil wir in unserer ganzen Gesellschaft noch eine Vorstellung von „Vormundschaft“ im Kopf haben. An und für sich ist die Entmündigung abgeschafft, aber das Verhalten der Menschen ist ein anderes, als es die Rechtslage vorsieht. Und zwar auf beiden Seiten.

Im Film wird ein Missbrauch aufgedeckt. Wie kann man einem Missbrauch entgegenwirken?

Peter Winterstein: Ich möchte nochmal klarstellen: Nach meinem Eindruck ist Missbrauch die absolute Ausnahme. Wir haben über 1,3 Millionen Betreuungsverfahren im Bundesgebiet, das weist zumindest die Justizstatistik aus. Und wie oft hören wir von Missbrauchsfällen? Natürlich gibt es eine Dunkelziffer an Fällen, die nicht an die Öffentlichkeit gelangt und die der Justiz nicht bekannt werden. Aber es gibt einzelne Missbrauchsfälle, die aber glücklicherweise die absolute Ausnahme sind. Die meisten Betreuungen finden (immer noch) im Nahbereich statt. Gemeint sind Familienangehörige und andere nahestehende Personen, die sich in aller Regel gut, wohlmeinend und ehrlich um Krankheitsbetroffene sorgen. Aber auch hier, im Familienbereich – wie auch bei der professionellen Betreuung – kann es zu Probleme kommen. Das gibt es! Wie wirken wir entgegen? Mehr Kontrollen sind schnell gefordert, kosten aber ganz sicher mehr qualifiziertes Personal. Was wiederum einen langwierigen Weg darstellt, um wirksam werden zu können. Ich denke, dass in diesem Bereich eine andere Art mit Beschwerden umzugehen, ein Ansatzpunkt ist und viel bewirken könnte. Das zeigt auch der Film sehr treffend. Wenn sich eine nahestehende Person über den Betreuer beschwert, neigen wir als Justiz dazu, das sehr formal abzuhandeln, ohne tatsächlich den Menschen und die Emotionen dahinter zu sehen. Damit sollte man offener umgehen. Vielleicht sollten wir diese Frage an uns selbst stellen, als Justiz anders auszubilden, anders vorzugehen und vor allem sensibler mit den Menschen umzugehen. Mir persönlich gefällt das jetzige Beschwerdemanagement in diesem Bereich nicht, weil wir immer gleich nur an Rechtsfragen denken. Und in Wirklichkeit geht es um menschliche Fragen und Kommunikation.

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Sein gutes Recht: Leni (Thekla Carola Wied) kämpft mit allen Mitteln gegen einen betrügerischen Anwalt und wird von ihm in die Psychiatrie eingewiesen - völlig zu Unrecht! Bildrechte: ZDF; Autor: Willi Weber
Sein gutes Recht: Richterin Burkhardt (Ulrike Krumbiegel) ist empört: Der von ihr zur Betreuung alter Menschen bestellte Anwalt betrügt offensichtlich seine Klienten. Bildrechte: ZDF; Autor: Willi Weber

 

 

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