Alice & Ellen Kessler: Fit ohne Robotik

KWA EXKLUSIV-INTERVIEW

alternovum 1/2015

München, 20.03.2015.

Alice und Ellen Kessler:
Fit ohne Robotik

Von Sieglinde Hankele


Es gibt Menschen, die sich nach dem Berufsleben neuen Dingen zuwenden. Bei Ihnen beiden scheint das Berufsleben nie zu enden. Sie nehmen nach wie vor Engagements an.
Ellen: Wir sagen nur zur, wenn wir denken, dass es Spaß macht. Eigentlich sind wir Nein-Sager geworden. Es gibt doch sehr viele Angebote, die wir nicht machen möchten, weil sie qualitativ nicht auf unserem Level sind.
Alice: Man hat uns vorletztes Jahr sogar das Dschungelcamp angeboten. Stellen Sie sich das mal vor. Da haben wir gar nicht geantwortet.
Ellen: Wir haben ein Engagement in Berlin angenommen, im Musical „Ich war noch niemals in New York“. Da spielen wir abwechselnd die Mutterrolle. Es besteht eigentlich nur aus Liedern von Udo Jürgens und darum herum ist eine Geschichte gebaut.

Und weshalb denken Sie, dass es Spaß machen wird?
Ellen: Das Musical hatten wir bereits in Hamburg gesehen. Das ist sehr erfolgreich, weil jeder die Lieder kennt. Das Publikum singt begeistert mit. Und wir wissen, dass es auch deshalb Spaß machen wird, weil wir nicht zusammen auf der Bühne stehen.
Alice: Ja, das ist auch mal schön. Wir haben das schon mal gemacht, vor fünf Jahren in Stuttgart, alternativ gespielt in einem Zwei-Personen-Stück. Das war wunderbar. Man muss sich nicht immer aus den Augenwinkeln beobachten, dass man synchron ist.
Ellen: Beim Musical wird es zur Premiere eine Doppelvorstellung geben, am 31. Mai. Da spielt eine am Nachmittag und die andere am Abend. Dann wechseln wir wöchentlich, sodass eine von uns immer nach München fahren und sich ums Haus und den Garten kümmern kann.

Was mögen Sie überhaupt an Ihrem Beruf?
Ellen: Dass man unabhängig ist. Und, dass man die Welt sieht, wenn man erfolgreich ist – was wir ja Gott sei Dank waren.
Alice: Man lernt die Welt auf sehr angenehme Weise kennen. Schöne Dinge, schöne Städte, schöne Länder. Eigentlich kennen wir alle Kontinente. Australien, Nordamerika, Südamerika, auch in Hongkong waren wir schon.
Ellen: Jetzt sind wir ja nicht mehr so viel auf Reisen. Wir sind 78. Da wollen wir doch nicht mehr schuften. Das haben wir nicht nötig.

Pflegen Sie auch Hobbys?
Ellen: Meine Schwester kann sehr gut malen.
Alice: Nur für den Hausgebrauch.
Ellen: Und wir beide gehen wahnsinnig gerne golfen. Manchmal mit Freunden, oft auch nur zu zweit.  Wir sind von der schnellen Partie, haben unseren eigenen Rhythmus, da können nicht alle mithalten.

Sie haben viele Länder bereist. War Japan auch dabei?
Alice: Also ich war schon ´63 in Japan, mit meinem damaligen Lebenspartner. Als Kessler-Zwillinge aufgetreten sind wir in Japan ´66 und ´72. Die Japaner sind sehr professionell. Und sehr diszipliniert. Das war eine wunderbare Erfahrung.
Ellen: Wir standen in Tokio auf Bühnen, aber auch in Kyoto und Osaka. In Osaka waren wir 1970 auch im deutschen Team bei der Weltausstellung. Da war auch Max Greger dabei.
Alice: Und Freddy Quinn.

In Japan gibt es Menschen, die einen Roboter als Fitnesstrainer haben. Würden Sie das auch gerne mal ausprobieren?
Ellen: Nein. Weil ich glaube, dass unser Training ganz anders ist als Training von Nichttänzern.
Alice: Also ich würde es vielleicht versuchen. Weil ich es lustig fände, einen Roboter dazuhaben, so zur Abwechslung.

Wie motivieren Sie sich zu Gymnastik? Spornen Sie sich gegenseitig an?
Ellen: Es gehört zu unserem Tagesablauf wie Zähneputzen, jeden zweiten Tag das Gymnastikprogramm zu machen.  Vierzig bis fünfzig Minuten. Am einen Tag Alice, am anderen Tag ich. Wenn wir jetzt eine Woche in Rom sind, machen wir nichts. Aber zu Hause ziehen wir das durch. Das gehört zum Alltag.

Ist das klassische Gymnastik, wie man sie von Tänzerinnen im Kopf hat?
Ellen: Nein. Erste Position und klassisches Training brauchen wir nicht mehr. Wir müssen einfach den Körper fit halten. Wir haben zwar eine Sprossenwand, aber wir machen mehr mit Bändern und Zügen. Für die Muskeln und zur Dehnung. Und noch so ein bisschen Aerobic von Jane Fonda. Das geht vom Kopf bis zu den Füßen.
Alice: Alles wird bewegt und gedehnt, der ganze Körper. Kopf, Schultern, Arme, Bauch, Po, Beine.
Ellen: Und wir schwimmen auch gerne. Im Sommer hier im Garten im Schwimmbecken. Und wir schwimmen auch gerne im Meer. Wir gehen ja jedes Frühjahr einen Monat nach Florida.

Im Alltag verbringen Sie sehr viel Zeit miteinander, Sie wohnen hier auch zusammen.
Ellen: Schon. Aber wir haben alles doppelt: zwei Wohnzimmer, zwei Küchen, zwei Bäder, zwei Schlafzimmer. Die Schiebetür zwischen den beiden Wohnzimmern können wir zumachen. Dann kann sie fernsehen, was sie will, und ich auf meiner Seite, was ich will. Das gibt ja sonst Zwistigkeiten – auch zwischen Ehepaaren.
Alice: Wir frühstücken auch nicht gemeinsam. Wir essen gemeinsam zu Mittag. Gemeinsam zu Abend essen wir nur, wenn Freunde da sind.
Ellen: Den Vormittag verbringen wir meistens mit Büroarbeit. Mit Computer, Telefonaten und so weiter. Auch zwischen den beiden Büros gibt es eine Schiebetür. So können wir immer kommunizieren und die Engagements absprechen.

Welche Rolle haben Männer in ihrem Leben gespielt?
Ellen: Hier im Haus war nie ein Mann.
Alice lacht.
Ellen: Nur zu Besuch. – Wir hatten schon unsere Partnerschaften. Ich war immerhin zwanzig Jahre lang mit einem Italiener liiert, in den 60er und 70er Jahren. Das musste natürlich gut organisiert werden. Berufsleben, Privatleben, dann noch die Mutter in München.
Alice: Wir waren öfter getrennt als jetzt. Sie war öfter in Rom. Ich war öfter in Kitzbühel oder in Frankreich, weil ich mit einem Franzosen liiert war.

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links Ellen Kessler, rechts Alice Kessler

Es gehört zu unserem Tagesablauf wie Zähneputzen, jeden zweiten Tag das Gymnastikprogramm zu machen.

Ellen Kessler

Kessler-Zwillinge


Alice und Ellen Kessler, bekannt als Kessler-Zwillinge, wuchsen im sächsischen Nerchau auf, in einem musischen Elternhaus. Schon als Sechsjährige bekamen sie Ballettunterricht. Das erste Engagement hatten sie mit 15 im Düsseldorfer Revuetheater Palladium: als Tänzerinnen. Später tanzten sie im Lido in Paris. Parallel starteten sie eine Filmkarriere: 1957 gehörten sie zu den „Vier Mädels in der Wachau“.  Mit dem Song „Honey Moon“, den sie zusammen mit Peter Kraus als Gesangstrio einspielten, landeten sie in den deutschen Hitlisten auf Rang 15. Von 1962 bis 1986 lebten die Kessler-Zwillinge in Italien. Dort wurden sie zu Fernseh-Ikonen.  Heute leben sie in München. In Deutschland sind die Kessler-Zwillinge vor allem aus Shows bekannt. Die Goldene Rose von Montreux und das Bundesverdienstkreuz am Bande schmücken ihr Leben.


 

 

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