Ingeborg Staudenmeyer: Man müsste mehr Senioren einbinden

KWA Symposium 2015: Lebensdienliche Sicherheit durch Hightech!?

alternovum 1/2015

Unterhaching, 17.02.2015.


Zum Abschluss des 15. KWA Symposiums diskutierte Professor Dr. Thomas Klie mit Ingeborg Staudenmeyer vom Seniorenbeirat München, AOK Ressortdirektor Harold Engel und KWA Hausleiter Michael Pfitzer über Technik in der Pflege.Welche Technik benutzt die Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt München Ingeborg Staudenmeyer? – Sie sagt: Handy und Computer. Das reiche ihre vollkommen. Mit technischen Dingen beschäftige sie sich nicht gerne, das mochte sie noch nie.

Die Frage des Moderators Klie an AOK Ressortdirektor Harold Engel, in welcher Weise Ambient Assisted Living (AAL) bei der AOK ein Thema sei, beantwortet dieser ausführlich: „Lösungen werden nicht bayerisch sein, sondern national oder europäisch. Es gibt Anwendungen, die unter den Bereich Medizinprodukte fallen. Heutige Strukturen reichen für künftige Anwendungen nicht aus. Bei AAL prüfen wir gerade elf oder zwölf Produkte, ob sie Anerkennung als Hilfsmittel finden könnten. Da reden wir aber nicht über kleine Münze. Da reden wir über Milliarden. Dazu werden wir auch eine politische Entscheidung brauchen." Hüftprotektoren gelten zwar als sinnvoll, allerdings stellt sich für Engel die Frage, ob Menschen sie wirklich tragen wollen. Ähnlich sei es mit Telemedizin. Von 200 Patienten, die man für ein Modellprojekt gewinnen wollte, habe gerade einmal ein Dutzend zugesagt.

Den KWA Hausleiter Michael Pfitzer fragt Klie nach seinen Erfahrungen zum Forschungsprojekt im Pflegestift. Dazu Pfitzer: „Bei den ersten Gesprächen gab es Vorbehalte von Mitarbeitern. Ein wesentliches Element für die Akzeptanz ist, dass Wissenschaftler ins Haus kommen und bei der Pflege mitgehen, um die Arbeit kennenzulernen. – Für uns ist es sehr wichtig zu wissen, wie viel Bewohner trinken. Die Dokumentation ist aufwändig. Deshalb suchen wir nach einer technischen Lösung."

„Würden Sie sagen, dass Pflege wenig technikaffin ist?" – die nächste Frage an Michael Pfitzer. Die Antwort: „Ich glaube, dass sich das ändert. Wenn Pflegemitarbeiter wissen, dass sie damit in ihrer Arbeit unterstützt werden, werden sie es annehmen. Es ist sehr schwer, Mitarbeiter zu finden. Da brauchen wir technische Unterstützung."

Klie beschreibt der Seniorenbeirätin eine Szene aus einem Theaterstück zum Thema Demenz, fragt, ob sie sich vorstellen kann, sich mit GPS orten zu lassen. Staudenmeyers Antwort: „Wenn ich das bin, bekomme ich das ja nicht mit. Aber mit dem Thema möchte ich mich nicht auseinandersetzen. Das ist für mich nicht wichtig." Bei ihrer Arbeit im Seniorenbeirat kümmere sie sich beispielsweise darum, dass barrierefreie Wohnungen geschaffen werden. Auch darum, dass keine Kliniken geschlossen werden.

Der Moderator wendet sich wieder an Harold Engel, den AOK-Gast, fragt nach Möglichkeiten der Prävention, ob man damit Pflege verhindern könne. Engel sagt: „Mit Prävention können wir sehr viel machen bei pflegenden Angehörigen, beispielsweise mit Hilfsmitteln zum Heben  oder mit Maßnahmen zur Burn-Out-Vorbeugung. Ob es möglich ist, Pflege mit Prävention verhindern? Meine Meinung: nein."

Der Moderator stellt in den Raum, wie es wäre, wenn Haushalte erst einmal ein Technik-Assessment bekämen. Darauf antwortet Engel: „Technikgetriebene Lösungen können sinnvoll sein, insbesondere aus der Perspektive von Dienstleistern, die ohnehin ins Haus kommen. Dabei stellt sich die Frage: Wird es künftig einen Baustandard geben für die, die daheim bleiben möchten?"

In der Schlussrunde fragt Thomas Klie die Teilnehmer, ob sie sich technisches Equipment vorstellen können, das etwas für sie sein könnte. Michael Pfitzer verrät, dass er gerne in einem Mehrgenerationenhaus leben möchte. Eine mit vollem Equipment ausgestattete Wohnung könne er sich gut vorstellen, sodass er Zeit hat für Dinge, die ihm wichtig sind. Harold Engel möchte Dinge, die er heute gerne macht, auch später gerne selbst machen. Ingeborg Staudenmeyers Antwort: „Ich nehme mir vor, dass ich im Seniorenbeirat auch auf technische Neuheiten eingehe. Testen könnte man den Saugroboter schon mal. – Menschen, die etwas für Senioren erfinden, sind meist jung. Man müsste Senioren mehr einbinden. Daran hapert es."

sh

Podiumsdiskussion beim KWA Symposium 2015; hier im Bild: Ingeborg Staudenmeyer vom Seniorenbeirat München und Moderator Prof. Dr. Thomas Klie

 

 

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