Tim Lüth: Robotik soll Menschen Nutzen bringen

KWA Symposium 2015: Lebensdienliche Sicherheit durch Hightech!?

alternovum 1/2015

Unterhaching, 17.02.2015.


„Embedded Research" – Forschungen zum Technikeinsatz im KWA Luise-Kiesselbach-Haus in München stellte Professor Dr. Tim Lüth vor, ging zunächst jedoch auf wissenschaftliche Aspekte von Robotik ein. In Lüths Lehrstuhl wird an Kinematiken gearbeitet, komplizierten Mechanismen, die nach Möglichkeit nur mit einem Motor angetrieben werden – BMW nutze so eine Entwicklung für Cabrios. Der Professor für Medizin-Robotik stellte sich als „Hardcore-Robotiker“ vor. München sei ein Spitzenort und in der ganzen Welt angesehen, wenn es um die Robotik geht, bedeutende Firmen sind ansässig.

Die von Sibylle Meyer vorgestellte Vision bewertete er skeptisch: „Die Technologie, die erwartet wird, ist nicht vorhanden." Ein Problem in der Robotik sei, dass wir immer mehr Video-Clips und Bilder sehen, in denen Dinge präsentiert werden, die angeblich funktionieren. Die funktionieren laut Lüth aber gar nicht. „Wenn gezeigt wird, dass DHL Pakete mit Quadrocoptern austrägt, ist das absurd. Leider rechnet niemand aus, was es kostet, ein Paket hundert Meter hochzufliegen und wieder runterzubringen. Relationen werden nicht mehr wahrgenommen." Dadurch entstehen verzerrte Wahrnehmungen. Das präge inzwischen die Gesellschaft.

Roboter-Arme sehen so aus, als hätten sie menschliche Eigenschaften. Durch Science Fiction verbinden wir damit auch Intelligenz. Dabei seien es ganz dumme Maschinen. Jeden einzelnen Schritt müsse man dem Gerät „erklären". Eine interessante Entwicklung sei, dass man mit 3D-Printing individuelle Robotik-Hände oder –Arme herstellen kann. Wenn einer den Wunsch zu einem bestimmten Robotergesicht habe, sei das problemlos umsetzbar. Ein Problem habe man damit aber nicht gelöst, und auch keinen Fortschritt in der Pflege erzielt.

Förderprogramme seien nicht immer die optimale Lösung, um Entwicklungen voranzubringen. Wichtig bei Forschungs- und Entwicklungsprojekten sei eine enge Zusammenarbeit mit Praktikern. Der beste Ort, um zu lernen, wie Pflege und ein lange selbstbestimmtes Leben aussieht, ist für Lüth dort, wo alte Menschen leben und gepflegt werden. Bei der Kooperation mit KWA im Luise-Kiesselbach-Haus ist deshalb vereinbart, dass ein Team der Forschungsabteilung sich dauerhaft dort aufhalten kann. Der Lehrstuhl MiMed stellt dafür mindestens eine Stelle zur Verfügung.

Man konzentriert sich bei der Kooperation mit KWA derzeit auf zwei Themen. Zum einen auf mechanische Assistenzsysteme – Heben und Exoskelette. Zum anderen auf Trinkmengenanalyse mit Hilfe besonderer Trinkbecher. Das sei deutlich komplizierter, als man vermutet, verblüffe auch ihn. Die Zuverlässigkeit der Sensoren, die Spülmaschinentauglichkeit und das automatische Wiederaufladen seien wichtige Faktoren hinsichtlich der Alltagstauglichkeit.„Dabei geht es darum, etwas zu bauen, das 24 Stunden am Tag zuverlässig funktioniert", so Lüth.

Ein klares Prinzip im Umgang mit personenbezogenen Daten sei an seinem Lehrstuhl, dass diese Daten nicht in einer Cloud landen, sondern am Ort gespeichert werden. Und: Nur die jeweilige Person ist darüber informiert, welche Daten erhoben werden. Datenschutz habe hohe Priorität. Doch der Wissenschaftler und sein Team folgen auch einer übergeordneten Maxime: „Bei Surgical Robotic ist für uns immer das Ziel, dass das, was wir bauen, die Gesellschaft verändert und Menschen Nutzen bringt."


Lesetipp: Technology for an Aging Society, auf der Website der Technischen Universität München


sh

Prof. Dr. Tim Lüth, Lehrstuhl Mikrotechnik und Medizingerätetechnik (MiMed) an der Technischen Universität München; Foto: Ramona Höfer / Katharina Kemme
Prof. Dr. Tim Lüth, Lehrstuhl Mikrotechnik und Medizingerätetechnik (MiMed) an der Technischen Universität München

 

 

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