„Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“

KWA EXKLUSIV-INTERVIEW mit Staatsministerin Melanie Huml

alternovum 1/2016

München / Unterhaching, 09.03.2016.

Von Sieglinde Hankele.


Frau Staatsministerin, schon seit Jahren arbeiten Menschen aus aller Herren Länder hier in Deutschland in der Pflege: in Heimen, Krankenhäusern und Privathaushalten. – Läuft das zu Ihrer Zufriedenheit? Oder wo sehen Sie Handlungsbedarf?
Menschen mit Migrationshintergrund sind in Bayerns Pflegeteams willkommen. Nicht nur, weil die Pflege Verstärkung braucht. Sondern auch, weil Menschen, die in mehreren Kulturen zuhause sind, sich wertvoll mit unterschiedlichen Einstellungen und Fähigkeiten einbringen können. Nicht zu vergessen: In Bayerns Alten- und Pflegeeinrichtungen leben inzwischen auch immer mehr alte Menschen mit Migrationshintergrund. Gerade ihnen können Pflegekräfte, die den jeweiligen Kulturkreis selber kennen und deren Muttersprache sprechen, besonders gut im Alltag helfen. Ausländische Pflegekräfte sind aber auch gefordert, auf die Wünsche und Bedürfnisse pflegebedürftiger Menschen aus dem deutschsprachigen Kulturkreis einzugehen. Basis hierfür ist die Verständigung in deutscher Sprache. Es muss auch mit Blick auf die Anforderung einer angemessenen Qualität der Pflege zu jeder Zeit gewährleistet sein, dass eine tätigkeitsbezogene Kommunikation des Betreuungs- und Pflegepersonals mit den Pflegebedürftigen in deutscher Sprache möglich ist. Das Bayerische Pflege- und Wohnqualitätsgesetz sieht in diesem Zusammenhang vor, dass der Träger von Pflegeeinrichtungen die Förderung der interkulturellen Kompetenz der Betreuungs- und Pflegekräfte sicherzustellen hat.

Welche Anstrengungen haben Sie als Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege bis dato unternommen, um dem Pflegekräftemangel zu begegnen? Und was ist schon erreicht?

In Bayern haben wir in den vergangenen Jahren bereits viel getan, um mehr Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen. So hat unsere im Jahr 2010 ins Leben gerufene HERZWERKER-Kampagne eine Steigerung de Auszubildendenzahl von circa 35 Prozent bewirkt. Außerdem haben wir das Schulgeld faktisch abgeschafft – und auf unsere Initiative hin hat die Landespflegesatzkommission klargestellt, dass Tarifvergütungen in den Pflegesätzen zu berücksichtigen sind. Zudem hat der bayerische Landespflegeausschuss auf meine Initiative hin im November 2014 den Startschuss zu einer Arbeitsgruppe Ausbildung gegeben. Diese setzt sich aus Einrichtungsträgern, Kostenträgern, dem DBfK und ver.di zusammen. Als Arbeitsgrundlage hatte ich bereits im Oktober 2014 einen Fünf-Punkte-Plan vorgelegt. Ziele sind:

  • ein Ausbau der bayerischen HERZWERKER-Kampagne, mit der bei Jugendlichen für den Pflegeberuf geworben wird,
  • eine bessere Anleitung in der praktischen Ausbildung,
  • eine deutliche Entbürokratisierung der Pflege-Arbeit durch weniger Dokumentationsaufwand,
  • ein konkretes Konzept für eine Ausbildungsumlage,
  • ein Projekt zum Stopp von Ausbildungsabbrüchen.

Arbeitskräfte für die Altenpflege kann man unter anderem dadurch gewinnen, dass man selbst ausbildet. KWA hat sich klar für den Erhalt der Altenpflegeausbildung und gegen die geplante generalistische Pflegeausbildung positioniert: Weil zum einen zu befürchten ist, dass damit in der Ausbildung die Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten verloren geht, die für die Begleitung und Pflege alter Menschen wichtig sind. Und zum anderen hat möglicherweise so mancher an einer Altenpflegeausbildung Interessierte gar keine Lust, sich mit Wissen über Kranken- und Kinderkrankenpflege „vollzustopfen“. Damit wären potenzielle Altenpfleger verloren. Sehen Sie das ähnlich? Oder anders?
Wichtig ist: Der Pflegeberuf muss attraktiver werden, damit sich mehr junge Menschen dafür entscheiden. Zudem müssen die Berufsausübung und die beruflichen Perspektiven die Beschäftigten auf Dauer zufriedenstellen. Sonst werden sie ihrem Beruf wieder den Rücken kehren. Die veränderten Versorgungsstrukturen erfordern zudem eine übergreifende pflegerische Qualifikation...

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Melanie Huml, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege. (Pressefoto)

Menschen, die in mehreren Kulturen zuhause sind, können sich wertvoll mit unterschiedlichen Einstellungen und Fähigkeiten einbringen.

Melanie Huml

Melanie Huml

Die 1975 in Bamberg geborene Melanie Huml ist approbierte Ärztin. Ihre politische Karriere startete sie 1993 in der Jungen Union Oberfranken. Politisch aktiv war sie zunächst als Kreisvorsitzende der JU Bamberg Land, als Kreisrätin im Landkreis Bamberg und als Stadträtin in Bamberg. Seit 2003 ist sie Mitglied des Bayerischen Landtags. Im Oktober 2007 wurde sie als Staatssekretärin ins Kabinett berufen. Seit Oktober 2013 leitet Melanie Huml als Staatsministerin das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege.


 

 

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