Uschi Glas: Von der Kamera zu brotZeit e. V.

KWA EXKLUSIV-INTERVIEW

alternovum 1/2018

München/Unterhaching, 23.3.2018.


Frau Glas, als vielfach ausgezeichnete Schauspielerin sind Sie einem breiten Publikum bekannt. In einer Ihrer ersten großen Rollen standen Sie in „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ neben Pierre Brice, Lex Barker und Götz George vor der Kamera. Welche Erinnerungen haben Sie an den Dreh? 

Das war meine erste Hauptrolle und schon aufregend für ein Greenhorn, wie ich es war. Ein richtiges Abenteuer. Wir haben ja im damaligen Jugoslawien gedreht, mit einem Riesenaufwand. Alles musste immer in die Berge geschafft werden, das war sehr anstrengend aber spannend. Auch die Pferde mussten nach oben. Ich hatte schon als Kind reiten gelernt, durfte in meiner Freizeit mit „meinem Pferd“ Kuban reiten und ihn kennenlernen. Götz, Pierre und Lex waren unheimlich kollegial, kein bisschen arrogant. Lex war ja ein amerikanischer Superstar. 

Es folgten unzählige Rollen in Kino und TV. Gab es auch Angebote aus Hollywood?

Die Agentur, bei der ich immer noch bin, war damals angeschlossen an die William Morris Agency in Hollywood. Die haben angefragt. Aber ich war zu dem Zeitpunkt bereits an die 30, hatte schon wahnsinnig viel gemacht, Filme und Theater. Ich hatte in Frankreich und Italien und England gedreht, war hier schon bekannt. In Amerika hätte ich noch mal bei null anfangen müssen. Außerdem habe ich von älteren Kolleginnen traurige Geschichten erfahren, dass sie es einfach versäumt hatten eine Familie zu gründen. Und irgendwann war es zu spät, weil sie immer wieder Angebote angenommen hatten. Ich wollte aber eine Familie haben, hab mich deshalb gegen Hollywood entschieden.

Ihre Filmografie ist über Jahrzehnte hinweg beeindruckend dicht. Sie sind bei Derrick, Uta Danella und Rosamunde Pilcher aufgetreten. In den 31 Folgen von „Anna Maria – Eine Frau geht ihren Weg“ spielten Sie die Hauptrolle, haben als Witwe eines Bauunternehmers den Betrieb gerettet und damit regelmäßig 10 Millionen Zuschauer vor den Fernseher gelockt. 

Natürlich freue ich mich über jeden Erfolg, auch für die Produzenten, die viel Geld in die Hand nehmen müssen. Und jeder Flop tut weh. Ich versuche meine Arbeit so gut wie möglich zu machen und wenn es gelingt, ist es einfach schön. 

Sie haben auch immer wieder Theater-Engagements angenommen. Gab es da eine Lieblingsrolle?

Ich hab wahnsinnig gerne Pygmalion gespielt, von Bernard Shaw, hier in München: die Rolle der armen Blumenverkäuferin Eliza – wohlgemerkt auf Bayerisch. Als Mädchen hatte ich Audrey Hepburn in dieser Rolle bewundert. Da erfüllte sich für mich ein Traum. Das muss man sich vorstellen: Ich war schon 36 und durfte die Eliza spielen. Aber auch „Mary, Mary“ hat mir viel Spaß gemacht mit Michael Hinz, mit dem ich übrigens sehr viel Theater gespielt habe. Er war ein toller Kollege.

Welche Theaterrolle würden Sie gerne noch spielen? 

Langusten. Das ist ein Einpersonenstück von Fred Denger. Da geht es darum, dass eine alte Dame Gäste erwartet, den Tisch gedeckt hat, aber niemand kommt. Das hab ich vor vielen, vielen Jahren, als ich noch Schauspielschülerin war, in Berlin gesehen, wurde von einer wunderbaren Schauspielerin gespielt, im hohen Alter. Tilla Durieux. Es war sehr traurig und berührend, das hat mich so erfasst. Da hab ich mir gedacht, wenn ich auch mal richtig alt bin und meinen Text noch lernen kann, dann will ich das auch spielen.

Mit dem Filmproduzenten Bernd Tewaag gründeten Sie eine Familie, bekamen drei Kinder. Wie ließ sich das Familienleben mit dem Beruf vereinbaren?

Ich hatte gespart, sodass ich es mir leisten konnte, nur noch sechs Monate im Jahr zu arbeiten, übers Jahr verteilt. Und ich habe nichts angenommen, was mich länger von München weggebracht hätte. „Zwei Münchner in Hamburg“ wollte ich ablehnen. Doch dann hat der Produktionsleiter vorgeschlagen, dass wir nur die Außenaufnahmen in Hamburg drehen und alle Innenaufnahmen in München – meinen Kindern zuliebe. So konnte ich das machen. Größere Auslandsproduktionen habe ich abgelehnt. Daheim hatte ich natürlich Unterstützung: Meine Mutter war eine supertolle Omi. Und 35 Jahre lang hatte ich eine sensationelle Frau an meiner Seite: Unsere Marianne. Sie war ausgebildete Kinderpflegerin, hat die Kinder schon auch mal eine Woche lang betreut oder ist mit ihnen zum Drehort nachgefahren. Meine Kinder und ich lieben sie immer noch und sind ihr sehr dankbar.

Konnten Sie in der Familienphase an Weihnachten und Ostern immer zu Hause sein?

Ja. In den Ferien hab ich überhaupt nicht gearbeitet. Meine Agentin hat dann immer gesagt: Frau Glas hat da leider schon ein anderes Projekt. Das Projekt waren die Kinder. – Mit Blick auf Ostern: An Karfreitag war Ruhe angesagt, es wurde auch kein Fleisch gegessen. Das hab ich aus meiner Kindheit so übernommen. Und zum Ostersonntag gehörte Ostereier verstecken. Wir sind immer in den Wald gegangen. Dort hab ich Schokoladen-Eier über die Köpfe der Kinder geworfen und die haben gestaunt, wo sie plötzlich herkommen. – Später, als sie wussten, dass es keinen Osterhasen gibt, haben wir gemeinsam Eier gefärbt. Meine Tochter und Marianne haben wahnsinnig gerne gebastelt. Wir haben richtige kleine Kunstwerke fabriziert – wobei ich die Unbegabteste war. 

Zusammen mit Ihrem Ehemann Dieter Hermann und anderen haben Sie 2009 den gemeinnützigen Verein „brotZeit e. V.“ gegründet. Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Das größte Ziel wäre, dass wir alle Grundschulen in Deutschland abdecken, die Bedarf an kostenfreiem Frühstück für Schüler haben, und auch Förderschulen: damit jedes Kind ein Frühstück hat, ehe die Schule beginnt, sodass es ohne Bauchweh, ohne Kummer am Unterricht teilnehmen kann. – Das Frühstück wird aus Spenden finanziert und an den Schulen von ehrenamtlich tätigen Senioren vorbereitet und betreut. Viele Kinder können anfangs nicht mal ein Brot schmieren. Das lernen sie nebenbei, und auch Umgangsformen. 

Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Verein? 

Als ich im Radio gehört habe, dass es in München so viele hungernde Kinder gibt, hat mich das ins Herz getroffen. Mir war das vorher nicht bewusst. Und ich hab gedacht: Dagegen muss man was machen. – Natürlich setze ich auch meinen Namen ein, damit sich die eine oder andere Tür öffnet und sammle auch Spenden. Wobei der größte Motor mein Mann ist. Der hat von Anfang an gesagt: Wir können nicht nur vier Schulen betreuen und dann zufrieden sein. Wir müssen auch woanders schauen, wo Not ist. Inzwischen haben wir über 200 Schulen in Deutschland und jeden Tag über 8000 Schüler zum Frühstück. Und wir wollen weiterwachsen. Deutschlandweit schätzen wir einen Bedarf an mindestens 2000 Grundschulen, sogenannten Brennpunktschulen. – In Bayern werden wir staatlich gefördert: mit 40 Prozent. Das heißt: Wenn wir 60.000 Euro Spenden haben, legt das Sozialministerium 40.000 oben drauf. Wir haben das Projekt der Ministerin vorgestellt, Emilia Müller. Sie hat sich das selbst an einer Schule angeschaut und den Förderantrag dann bewilligt.

Sie haben die 70 überschritten. Welche Rolle spielt der Beruf noch?

Wenn eine Rolle angeboten wird, die mir gefällt, dann freue ich mich und mach das sehr gerne. Doch ich lehne auch das eine oder andere ab, weil mir meine Arbeit bei brotzeit e. V. sehr wichtig ist. Mein Mann und ich denken ständig über unseren Verein nach, gottseidank haben wir auch ein tolles Team, das mit uns mitzieht. Inzwischen haben wir über 1400 Senioren, die sich ehrenamtlich an den Schulen einbringen und den Kindern nicht nur ein schönes Frühstücksbüffet aufbauen, sondern die Kinder auch fördern, damit sie dem Unterricht besser folgen können. Dafür bin ich so dankbar. Außerdem engagiere ich mich ja schon seit langem auch für den Patientenschutz – ehemals Hospizstiftung. Da gibt es auch noch viel zu tun. Dann bin und bleibe ich SOS-Kinderdorf-Botschafterin. Ich habe vor vielen, vielen Jahren in Dießen am Ammersee die Idee kennengelernt und bin heute noch begeistert, was Hermann Gmeiner da weltweit auf die Beine gestellt hat. 

 

Das Gespräch führte Sieglinde Hankele.

 

 

Uschi Glas - Foto: privat

Ich wollte eine Familie haben, habe mich deshalb gegen Hollywood entschieden.

Uschi Glas

Uschi Glas

Uschi Glas wuchs zusammen mit drei Geschwistern in Niederbayern auf, in einfachen Verhältnissen. Für Furore als Jungschauspielerin sorgte sie im Film „Zur Sache, Schätzchen“ in einem Mieder. Eine beispiellose Schauspielkarriere brachte zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem mehrfach den Bambi, den Bravo Otto in Gold, die Goldene Kamera und den Bayerischen Fernsehpreis.

 

Das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, der Bayerische Verdienstorden und die Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste bezeugen ihr großes Engagement, unter anderem als:

 

Wer das brotZeit-Projekt unterstützen möchte, hat folgende Optionen:

Das größte Ziel wäre, dass wir alle Grundschulen in Deutschland abdecken, die Bedarf an kostenfreiem Frühstück für Schüler haben, und auch Förderschulen: damit jedes Kind ein Frühstück hat, ehe die Schule beginnt.

Uschi Glas


 

 

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