Maria Eichinger: Über Umwege in die Altenpflege

Von Jörg Peter Urbach.

alternovum 1/2019

Bad Griesbach, 28.3.2019.


Umwege erhöhen die Ortskenntnis. Dieser Kurt Tucholsky zugeschriebene Aphorismus beschreibt Maria Eichingers berufliche Laufbahn nahezu perfekt. Die Griesbacherin ist seit Sommer 2018 als Pflegefachkraft in der KWA Klinik Stift Rottal tätig – und dort nach eigener Aussage „beruflich endlich angekommen“. Auf ihrem Weg dorthin nahm Eichinger Umwege und ging durch Höhen und Tiefen. 

Nach ihrer Schreiner-Ausbildung, die sie 2001 mit dem Gesellenbrief abschloss, kam es zu einem ersten beruflichen Knick. „Damals wollte mich keiner. Ich hatte als Frau in einem traditionellen Männerberuf keine Chance.“ Eher zufällig ergab sich für die heute 36-jährige Niederbayerin die Chance, vorübergehend im Trockenbau zu arbeiten. Es folgte eine Beschäftigung als Reinigungskraft im Wellnessbereich eines Hotels in Bad Griesbach. In dieser Zeit heiratete sie, kam der Sohn auf die Welt. „Als sich die Arbeitszeiten änderten, ließen sich Job und Familie jedoch nicht mehr vereinbaren“, erinnert sich Eichinger.

Doch wozu gibt es Familienbande? Der jüngere Bruder und die Mutter arbeiteten als Pflegefachkräfte in der Klinik Stift Rottal und ermunterten die Arbeitssuchende 2014 zum Quereinstieg. „Heute frage ich mich, warum ich nicht viel früher gemerkt habe, dass Pflege genau mein Ding ist.“ Eichinger begann zunächst als ungelernte Hilfskraft in der Pflege – mit dem Ziel, eine Ausbildung zur Fachkraft zu absolvieren. „Da habe ich Blut geleckt. Ich hätte nie geglaubt, dass es in der Pflege so viele Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten gibt.“ Aus eigenem Antrieb ging die wissbegierige Mitarbeiterin in die berufliche Offensive, besuchte Fortbildungen und Schulungen. „Ich habe von jeher einen hohen Anspruch an mich selbst und wollte alles wissen“, sagt Eichinger und fügt mit einem Schmunzeln an: „Außerdem war da ja auch noch mein Bruder – und dem wollte ich keine Schande machen.“

Eichinger arbeitete hart an sich selbst und absolvierte die dreijährige Ausbildung zur Altenpflegerin im KWA Bildungszentrum Pfarrkirchen. Finanziell gefördert wurde sie über WeGebAU – ein Weiterbildungsprogramm der Agentur für Arbeit. „Einfach war die Zeit nicht und ohne meinen Mann und meine Eltern hätte ich es wohl nicht geschafft“, räumt sie ein. Doch ihr hohes Engagement zahlte sich aus: Im Juli 2018 schloss Eichinger ihre Ausbildung als Klassenbeste und Staatspreisträgerin mit der Note 1,2 ab. Direkt danach konnte sie im KWA Stift Rottal als Pflegefachkraft anfangen. Seit Herbst vergangenen Jahres ist sie außerdem eine von drei Hygienebeauftragten der Klinik. Doch Maria Eichinger steckt sich bereits ein neues Ziel. Gerne möchte sie Stationsleiterin werden. 

Pflegefachkraft Maria Eichinger kam über Umwege in die Altenpflege, arbeitet nach wie vor im Ausbildungsbetrieb: in der KWA Klinik Stift Rottal in Bad Griesbach.

Ich hätte nie geglaubt, dass es in der Pflege so viele Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten gibt.

Maria Eichinger


 

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