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alternovum Ausgabe 2/2019

Georg Riedl: ein Menschenfreund zwischen Wasser, Wald und Bienen

Von 1990 bis 2014 Bürgermeister von Pfarrkirchen. - Ein Beitrag von Sieglinde Hankele.

Pfarrkirchen/Unterhaching, 18. Juli 2019

In den Tag startet Georg Riedl grundsätzlich mit einem Glas Wasser, aus der Leitung. Trinkwasser: sein ganz großes Thema. Außerdem: Wald und Honigbienen. Ein Grüner? Irgendwie schon. Parteipolitisch gesehen jedoch nicht. Etwa zur gleichen Zeit wie Horst Seehofer trat er in seiner Heimatstadt Ingolstadt in die Junge Union ein. Nach Studium und Arbeit als persönlicher Referent des Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeit lockte eine Stelle in Pfarrkirchen. Kaum dass er dort bekannt war, trug ihm der CSU-Ortsverband das Bürgermeisteramt an – und er wurde gewählt. Vier Mal in Folge. In den 24 Jahren seines Wirkens als Bürgermeister machte er pro Jahr zumindest 400 Hausbesuche. Er wollte immer sehen, wie es seinen Bürgern ging, und hören, wo der Schuh drückte. So konnte er seine Arbeit daran ausrichten und auch mal einem Sozialverband einen Hinweis geben, wenn er sah, dass Unterstützung vonnöten war. Riedl war und ist das „S“ in CSU wichtig. 

Als Kind hatte Georg Riedl Förster werden wollen. Schon immer hat er sich sehr für den Wald interessiert. Seit 2016 ist er Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Pfarrkirchen-Simbach. Riedl zeigt ein Handyfoto von einem Brennholzhaufen, der noch zu hacken ist. Andere Fotos zeigen traubenbehangene Weinreben, früchtetragende Tomatenpflanzen und blühende Pfingstrosen im häuslichen Garten, den seine Frau und er gemeinsam pflegen. In einer Blumenwiese und beim Streuobst darf auch „Unkraut“ wachsen. Gemäht wird nur zwei-, dreimal im Jahr, sodass alles blühen und aussamen kann und Georg Riedls Bienen – 18 Völker – immer reichlich Nahrung finden. Das Obst, das er erntet, ist bio. Die beiden Söhne und ihre Familien sowie Freunde werden mitversorgt. Natürlich auch mit Honig.

In seiner Heimatregion und in Fachkreisen ist der diplomierte Verwaltungswirt jedoch vor allem für sein großes Wissen in der Wasser- und Abwasserwirtschaft bekannt. Unter anderem hat er das „Wasser-Info-Team Bayern“ mitgegründet, um alle Trinkwasserversorger des Landes in ein gemeinsames Gremium zu bringen und damit langfristig die Trinkwasserqualität zu sichern. 21 Jahre lang hatte er den Vorsitz inne. Als Hüter unseres Trinkwassers zögerte er auch nicht, gemeinsam mit dem damaligen Oberbürgermeister von Ingolstadt nach Brüssel zu reisen, um in allerletzter Minute die Liberalisierung der Trinkwasserversorgung zu stoppen. Mit 1,5 Millionen Unterschriften im Rücken gelang es. „Der freie Zugang zu Trinkwasser ist ein Menschenrecht“, sagt Riedl. Das dürfe man nicht profitorientierten Unternehmen übergeben.

Seit er in Pension ist, hat der inzwischen 72-jährige Ehrenbürger von Pfarrkirchen und Saint Remy de Provence Zeit, sich um ein anderes Herzensprojekt zu kümmern: den „European Campus Rottal-Inn“. Durch Beharrlichkeit ist es ihm gelungen, diesen in Pfarrkirchen anzusiedeln, als Fakultät der TH Deggendorf. Dort können, seit Herbst 2015, Studenten aus aller Welt innovative Studiengänge belegen: im Bereich Energie- und Ressourceneffizienz sowie in Gesundheitswissenschaften. Als Koordinator arbeitet Riedl an der Weiterentwicklung des Campus mit. Auch erfolgreiche Absolventen des KWA Bildungszentrums können sich mit Erlangen der Hochschulreife dort einschreiben. Womit wir bei KWA angelangt sind. 

„Als KWA in Pfarrkirchen den ersten Altenpflegejahrgang startete, war mir klar, dass man das unterstützen muss“, sagt Riedl. Und als KWA vorstellig wurde in Bezug auf ein Bildungszentrum, hat er sein ganzes Gewicht als Bürgermeister dafür eingelegt, dass etwas Passendes gebaut und an KWA vermietet wurde. Was daraus wurde, ist bekannt: siehe www.kwa-bildungszentrum.de. Für seine großartige Unterstützung wurde ihm 2013 eine KWA-Aktie verliehen. Und er nahm sie als neue Aufgabe an: „Als Aktionär möchte ich mit meinem großen Netzwerk dazu beitragen, dass der Name KWA und die gemeinnützige Arbeit des Unternehmens noch bekannter werden und ein hohes Ansehen genießen.“ 

Die Liste der Ehrungen für seine Arbeit in Verbänden, Gremien und Vereinen, im Städtetag und im Kreistag ist lang. Das Bundesverdienstkreuz am Bande wurde Georg Riedl im Jahr 2013 verliehen. Richtig stolz ist er jedoch auf die Verleihung der Bayerischen Staatsmedaille für besondere Verdienste um die Umwelt im Jahr 2015. 

Als KWA in Pfarrkirchen den ersten Altenpflegejahrgang startete, war mir klar, dass man das unterstützen muss.

Georg Riedl

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