Trilogie zur Gründung des Tegernseer Klosters

Eine dreiteilige Veranstaltungsreihe des KWA Stift Rupertihofs

alternovum 2/2016

Rottach-Egern, 22.06.2016.

Trilogie zur Gründung des Tegernseer Klosters

Als wir, die Bewohnerinnen und Bewohner des KWA Stifts Rupertihof, im Veranstaltungskalender für April 2016 lasen “DE FUNDATIONE“, erläuterte uns Kundenbetreuer Hauke Thomas seine Idee, an drei verschiedenen Veranstaltungstagen die Gründungsgeschichte des Klosters Tegernsee darzustellen. Eine nicht ganz unaufwendige, aber großartig gelungene Zusammenfassung aller geschichtlichen und kunsthistorischen Werte im Zusammenhang mit der Entwicklung des Tegernseer Tals.

Von Kunigunde Bagemihl, KWA Stift Rupertihof, Rottach-Egern


Am ersten Abend begann Dr. Roland Götz, Kirchenhistoriker, mit seinem Vortrag über das schicksalhafte Leben der beiden adeligen Brüder Adalbert und Ottokar, die im 8. Jahrhundert am Tegernsee lebten.

Der Sohn Ottokars wird im Jähzorn erschlagen und die Bewältigung des Schmerzes über den Tod des Sohnes wird zur Bewährungsprobe für seinen christlichen Glauben. Als Zeichen der Vergebung beschließen die beiden Brüder am Tegernsee ein Kloster zu gründen. Sie rufen Benediktiner aus St. Gallen und lassen das Kloster im Sinne von  „Ora et labora“ erbauen. Gleichzeitig werden beide Brüder Benediktiner-Äbte und erhalten vom Papst aus Rom zur Weihung des Klosters die Reliquien des römischen Heiligen Quirinus. Von nun an wird das ganze Tegernseer Tal mitsamt umliegender Regionen zu einem wirtschaftlich erfolgreichen und von Benediktinern religiös -kulturell geordnetem Raum.

Die zweite Veranstaltung, die uns direkt in die Klosterkirche führte, war besonders beeindruckend. Wir erkannten in den Fresken und Malereien, die uns Herr Dr. Götz mit seinem profunden Wissen sehr anschaulich erklärte, die geschichtlichen Abläufe und Zusammenhänge und konnten so die Kunstwerke bewusst bewundern:

Über dem Eingangsportal der Kirche erinnert ein Relief an die Brüder Adalbert und Ottokar, die Gründer des Klosters. Im Kirchenvorraum zeigt ein Deckengemälde die Leiden und die Verherrlichung des Heiligen Quirinus. Im hellen, lichtdurchfluteten Innenraum der Kirche, von Seitenschiff zu Seitenschiff wechselnd, erklärte uns Herr Dr. Götz die Gemälde, welche das Leben Christi von Geburt an bis zur Kreuzigung darstellen. Das gewaltige Asam-Kreuzigungsgemälde beherrscht den Hauptaltar. Noch einmal in die Höhe blickend, bewunderten wir in der großen Kuppel des Mittelschiffes das farbenfrohe Gemälde der verheißungsvoll erlösenden Auferstehungsgeschichte.

Bereichert und beeindruckt von all den herrlichen Kunstwerken, brachte uns Herr Thomas wieder in „unseren“ Rupertihof.

Zur dritten Veranstaltung, die in unserem schönen neuen, für die Filmvorführung verdunkeltem Cafe stattfand, kamen fast alle Bewohner - trotz herrlichen, frühlingshaften Sonnenwetters.

„DE FUNDATIONE“

Nun wussten wir auch bald, was uns unter diesem Titel erwartete: eine Multimedia-Aufführung des Oratoriums zur Gründungsgeschichte des Klosters Tegernsee, eine Aufzeichnung des Bayerischen Fernsehens.

Als ich Mitbewohnerin und Chormitglied Frau Schilling etwas verlegen fragte, ob es sehr „moderne“ Musik sei, antwortete sie mir verständnisvoll und liebevoll:“ Sie tut nicht weh!“. Und so wundervoll singend haben wir sie dann in der Filmvorführung erkannt.

Der Komponist, Thomas Rebensburg, der für seine vielen - internationalen, religiösen und weltlichen - kompositorischen Arbeiten bekannt ist, hielt zuerst einen Einführungsvortrag und widmete den Abend dann dem 2015 verstorbenen Schriftsteller Dr. Michael Heim, der den Text zu „De Fundatione“ schrieb. Als weitgereister Chefreporter des „Münchner Merkur“ und der Kulturzeitschrift „Tegernseer Tal“ konnte Dr. Heim zu Lebzeiten sein Motto verwirklichen: „Die Welt sehen und die Heimat im Herzen bewahren“.

Im ersten Satz des Oratoriums, “Der Tod“, schildern Chor, Orchester und ein Pater als Vorsprecher das Geschehen um den Mord an Ottokars Sohn. Der Chor beginnt mit eindringlich mystischen Gesängen und steigert sich dann zum großen Orchester- und Choreinsatz. Die Musik durchdringt den riesigen Kirchenraum gewaltig und würdig.

Im zweiten Satz, „Die Nacht“, erklingen beschwörende Stimmen von drei Solisten, welche die Rachsucht, die Resignation und die Vergebung symbolisieren. Die Vergebung siegt mit den Worten: „Nicht dass er vergesse, was geschah, doch wissend, dass vergeben ward. Das tuen wir von Herzen“.

Und so ist im dritten Satz, “Der Aufbruch“, die teils rhythmisch klingende, frohe Gründerstimmung herauszuhören. Durch den ursprünglichen Versöhnungsgedanken der beiden Brüder Adalbert und Ottokar entstand, wie in diesem Oratorium besungen, das Tegernseer Kloster mit all seinen herrlichen Kunstwerken und den bis heute noch belebten Gebäuden und Einrichtungen.
 
Tief berührt hörten wir den großen Chor noch einmal zum Schlussgebet mit dem ergreifend gesungenen AMEN.

Lesen Sie hier weiter: Die Wittelsbacher am Tegernsee

Seit über 1200 Jahren thront das Kloster Tegernsee am Ostufer des Tegernsees. Bis 1803 war es die wohl wichtigste Benediktinerabtei Oberbayerns.
Dr. Roland Götz, Kirchenhistoriker, sprach über die adeligen Gründer.
Die zweite Veranstaltung führte direkt in die beeindruckende Klosterkirche

 

 

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