Horst Janson: "Ich bin immer hoffnungsvoll"

KWA EXKLUSIV-INTERVIEW

alternovum 2/2018

Grünwald/Unterhaching, 23.7.2018.


Herr Janson, in den frühen 50er Jahren haben Sie den ersten Schritt in Richtung Karriere getan – nämlich ein Jahr vor dem Abitur die Schule geschmissen, um die Schauspielschule zu besuchen. Wie kam es dazu?

Einige Umzüge und damit verbundene Schulwechsel trugen nicht gerade zu einer hohen Lernmotivation bei. Die Liebe zur Bühne entwickelte sich schon früh. Da mein Vater nicht so gerne ins Theater und in die Oper ging, hat meine Mutter oft mich mitgenommen. Sie hatte ein Abo im Staatstheater in Wiesbaden – dort wohnten wir nach dem Krieg. Und dann hatten wir in der Oberstufe einen Deutschlehrer, bei dem wir alle möglichen Theaterstücke gelesen haben. Er hätte eigentlich Regisseur werden sollen. In Grillparzers „Der Traum ein Leben“ durfte ich im Schultheater die Hauptrolle spielen. Spätestens da wusste ich, was ich werden will. Dazu brauchte ich kein Abitur.

Hat der Vater das unterstützt?

Der hatte kein Verständnis dafür. Die Schauspielschule musste ich selbst finanzieren – zunächst mit Taxifahren. Das war relativ lukrativ, weil damals in Wiesbaden das Headquarter der American Airforce war und viele Taxifahrer gebraucht wurden. Und dann hatte ich das Glück, dass ich bereits im ersten Jahr von der UFA eine Einladung zum Vorsprechen und zu Probeaufnahmen bekam. So kam ich nicht nur zu einer kleinen Rolle, sondern auch zu einem Stipendium für das Nachwuchsstudio der UFA in Berlin. Dort habe ich meine Schauspielausbildung fertig gemacht. Grit Böttcher und Götz George waren auch in meiner Klasse. Mit Grit hab‘ ich später Filme gemacht und auch Theater gespielt.

1959 haben Sie in einer Buddenbrooks-Verfilmung mitgespielt. Obwohl es eine Nebenrolle war, wurden Sie damit bekannt. Es folgten unzählige Kinofilme und TV-Serien, viele mit sehr guten Einschaltquoten. Immenhof, Salto Mortale, Der Bastian und anderes mehr.

Was hier nur wenige wissen: Auch in England habe ich eine nette Karriere gemacht. Gleich der erste englische Film im Jahr 1967 “The Small Rebellion of Jess Calvert“ wurde ITV Play of the Week. Ich stand dann in England zusammen mit großartigen Schauspielern vor der Kamera, hab dort jedes Jahr etwas gemacht, bis in die 80er Jahre hinein. Mit Tony Curtis und Charles Bronson hab’ ich abends nach dem Dreh gepokert. Viele englische Filme waren in mehreren Ländern erfolgreich, wurden aber nicht ins Deutsche synchronisiert. „Der Bastian“ war trotz des herausragenden Erfolgs nicht karrierefördernd, hat mich zum Teil sogar blockiert, weil ich damit auf einen bestimmten Typ Mann festgelegt war.

Auf Ihrer Website steht, dass Sie fechten können.

1960 durfte ich unter der Regie von Helmut Käutner zusammen mit Gustaf Gründgens, Lilo Pulver und Hilde Krahl im Film „Das Glas Wasser“ mitspielen. In einer Szene musste ich mit einem Nebenbuhler fechten, also nahm ich Stunden und lernte es. Für die Hauptrolle in „Captain Kronos – Vampirjäger“ bekam ich dann sogar Unterricht vom englischen Fechtmeister. Er war der Bösewicht. Wir haben hinter den Kulissen in jeder freien Minute geübt, um Verletzungen zu vermeiden. Da darf man nichts dem Zufall überlassen. Fechten erfordert eine hohe Konzentration. Da waren Fechtszenen, die gingen fünf Minuten, über Tische, Stühle und Bänke. 

Und wie kamen Sie zum Reiten?

1962 kam ein interessantes Angebot zu einem Dreh in Kanada. Ich sollte in der Hauptrolle einen Cowboy spielen. Die Frage, ob ich reiten kann, hab’ ich ohne Zögern mit ja beantwortet und bin am nächsten Tag als Anfänger in eine Reitschule gegangen. Zum Glück hatte ich ein halbes Jahr lang Zeit, um fleißig zu üben. Wir bekamen dann in Kanada fein zugerittene Pferde und auch Reitunterricht, weil der Reitstil und die Zügelhaltung dort ganz anders sind. Eine Hand muss ja frei sein für das Lasso oder den Colt. Danach konnte ich das Westernreiten wirklich perfekt. Jahrzehnte später nutzte mir das bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg, wo ich Old Shatterhand beziehungsweise Old Firehand war.

In Salto Mortale spielten Sie von 1969 bis 1972 die Rolle des Artisten Sascha Doria. Mussten Sie sich alles erst antrainieren?

Nicht alles. Ich war schon immer sportlich. In meiner Schulzeit war ich Wettkampfschwimmer, war sogar Hessischer Jugendmeister. Für die Rolle war ich deshalb schon gut geeignet. 

Wasser scheint Ihnen zu liegen. Sie segeln ja auch.

Ich hab’ eine Zeitlang viel in Hamburg gedreht, hatte damals von meiner Wohnung einen schönen Blick auf die Alster und oft Segler beobachtet. Irgendwann hab’ ich dann Segelstunden genommen und den Schein gemacht, sodass ich selbst mit einer Jolle hin und her shippern konnte. Zur großen Liebe wurde das Segeln, als mir ein Freund Anfang der 70er Jahre auf dem Starnberger See ein wunderschönes altes Segelschiff gezeigt hat – ganz aus Holz, ein alter Riss, schmal und lang, sehr elegant. Ich hab’ mich sofort darin verliebt. Wir haben es gemeinsam restauriert. Beim Segeln waren auch meine Frau Hella und unsere beiden Töchter oft dabei. Wir haben acht Jahre lang in Tutzing direkt am See gewohnt, mit eigenem Bootssteg – im Brahmspavillon.

In der Fernsehserie „Unter weißen Segeln“ waren Sie Kapitän und haben Länder gesehen, in denen jeder gerne Urlaub machen würde. 

Als das Angebot kam, hab’ ich sofort zugesagt, ohne mir das Drehbuch anzuschauen. Die Rolle als Kapitän eines Segelkreuzfahrtschiffs und die Reisen waren dann auch ein Traum. Es stellte sich aber schnell heraus, dass der Produzent „Das Traumschiff“ nachahmen wollte. So etwas funktioniert nie. „Unter weißen Segeln“ hatte zwar auch gute Einschaltquoten, fünf Millionen Zuschauer etwa, die Produktion war aber teuer und so wurde die Serie nach zwei Jahren eingestellt. 

Die Urlaubszeit steht an. Was machen Sie am liebsten im Urlaub?

Wenn wir etwas mehr Zeit haben, fahren wir gerne zu Freunden nach Portugal. Früher haben wir auch Segelturns in der Karibik gemacht. Das sind Urlaube, die man nie vergisst. Heute geht es uns eher um Erholung. Am Wasser muss es aber in jedem Fall sein, gerne auf Zypern.

Wir bleiben beim Wasser. Für die Rolle des Fischers Santiago in einer Bühnenadaption von Hemingways Novelle „Der alte Mann und das Meer“ bekommen Sie beste Kritiken. Können Sie sich besonders gut in ihn hineindenken?

50 Prozent macht die Figur aus, 50 Prozent das, was man persönlich mitbringt. – Ein bisschen was hab’ ich schon vom Santiago. Auch ich bin ein Mensch, der nicht aufgibt. Es gibt einen Spruch von Karl Jaspers, der heißt: „Die Hoffnungslosigkeit ist schon die vorweggenommene Niederlage.“ Ich bin immer hoffnungsvoll, auch in schwierigen Situationen. – Es war übrigens sehr schwierig, von den Rechteinhabern überhaupt die Rechte für die Inszenierung zu bekommen. Zunächst wurden nur zehn Aufführungen genehmigt. Die Uraufführung hatten wir 2010 auf Rügen. Das war so erfolgreich, dass wir damit auf Tournee gingen. Inzwischen haben wir das Stück schon 160 Mal aufgeführt. Und dieses Jahr spielen wir es in Bad Hersfeld.

Ist der Santiago Ihre Lieblingsrolle?

Er gehört in jedem Fall dazu. Auch „Der eingebildete Kranke“ von Molière, den ich vor drei Jahren in den Kreuzgangspielen in Feuchtwangen gespielt habe, war eine interessante Rolle. Sehr gerne hab’ ich auch „Barfuss im Park“ mit Uschi Glas gespielt, hier in München im Bayerischen Hof. Und voriges Jahr „Kerle im Herbst“, mit Christian Wolff und Hans-Jürgen Bäumler. Für jedes Alter gibt es gute Rollen. Solange ich meine Texte behalten kann und geistig fit bin, möchte ich weitermachen – weil ich Menschen damit sehr gut erreichen kann.

Das Gespräch führte Sieglinde Hankele.

 

 

Schauspieler Horst Janson im Frühsommer 2018. - Foto: Sieglinde Hankele / KWA
Schauspieler Horst Janson im Frühsommer 2018. - Foto: Sieglinde Hankele / KWA

"Der Bastian" war trotz des herausragenden Erfolgs nicht karrierefördernd, weil ich damit auf einen bestimmten Typ Mann festgelegt war.

Horst Janson

Horst Janson

Der 1935 in Mainz-Kastel als Sohn eines Justizbeamten geborene Schauspieler Horst Janson glänzte und glänzt nicht nur in Spielfilmen und Fernsehserien, sondern auch auf der Bühne – bis heute. Ein Bravo Otto in Gold und ein Bambi sind schmücken seine großen Erfolge. 

    Horst Janson in der Rolle des Santiago in "Der alte Mann und das Meer". - Pressefoto
    Horst Janson bei einer Theateraufführung in der Rolle des Santiago in "Der alte Mann und das Meer", einer Bühnenadaption zur Novelle von Ernest Hemingway. - Pressefoto

    Für jedes Alter gibt es gute Rollen.

    Horst Janson

    Beliebte Rollen von Horst Janson. (Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie zu einem Album von Horst Janson, das ihn in beliebten Rollen zeigt - auf der Website des MDR.)

     

     

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