Bodenseegärten - Gartenkultur hat am See Tradition

Im Fokus: der Park im KWA Parkstift Rosenau, die Insel Mainau, der Arenenberg. - Ein Beitrag von Sieglinde Hankele.

alternovum 2/2019

Konstanz, 3.8.2019


Im Frühjahr 2018 wurde der Stiftspark der Rosenau in ein Netzwerk erlesener Gärten und Parks aufgenommen, die sich regional und international gemeinsam als „Bodenseegärten“ präsentieren. Einer davon ist „Strabos Kräutergarten“ auf der Insel Reichenau. Das Kloster Reichenau gab einst bedeutsame Impulse für die Gartenkultur. Im 9. Jahrhundert schuf dort Abt Walahfrid Strabo ein „Hortulus“ (Gärtlein) und befasste sich mit Gartenbau – ein „Lehrgedicht“ zeugt davon. 1991 wurde innerhalb der alten Klostermauern der Kräutergarten wieder angelegt, nach historischem Vorbild. 

Ein weiterer Bodenseegarten, gut zehn Kilometer von Konstanz entfernt: der Arenenberg im schweizerischen Salenstein. Von dort blickt man nicht nur auf den Bodensee, sondern auch auf eine über 600-jährige Gartentradition. Im Mittelalter bauten Thurgauer und Konstanzer Patrizier das Anwesen zum repräsentativen Landgut aus und legten einen Lustgarten an, der in der Renaissance erweitert wurde. Im 19. Jahrhundert entstand unter Königin Hortense ein weitläufiger Landschaftspark rund um das Schlossgut. Heute verbindet ein Rundweg Grünanlagen aus verschiedenen Epochen. Auch Weingärten und moderne Schulgärten gibt es am Arenenberg zu entdecken. 

Ein Highlight unter den Bodenseegärten: Der botanische Garten und Schlosspark der Insel Mainau. Es ist vor allem für seine vielfältigen Pflanzenschauen, seinen romantischen Rosengarten und das subtropische Flair der Zitrussammlung vor dem Barockschloss bekannt, zudem für die über 150 Jahre alte Baumsammlung. Auch Kindern bietet die Mainau jede Menge Naturerlebnis, mit Spielplätzen, Schatzsuche und Streichelzoo. Überdies gibt es auf der Mainau ein Minigärtner-Projekt. Es steht unter dem Motto „Spaß beim Arbeiten mit und in der Natur!“ Im Mai war eine Gruppe von Minigärtnern im Konstanzer KWA Wohnstift zu Gast, um unter der Anleitung des Rosenau-Gärtners Uwe Winterer zwei Beete zu bepflanzen. 

Uwe Winterer hat seine Ausbildung zum Gärtner – mit der Fachrichtung Blumen und Zierpflanzen – übrigens auf der Mainau absolviert und 1992 dort auch seinen Meister gemacht. Das Gärtnern ist Uwe Winterer in die Wiege gelegt: Seine Eltern hatten eine Gärtnerei, er ist zwischen Blumen aufgewachsen. Bei KWA arbeitet er seit 2005. Ihm gefällt sein vielfältiges Aufgabengebiet. Es ähnelt dem, was er von der Mainau kennt, beinhaltet die Pflege der gesamten Außenanlage rund um das Wohnstift und das Pflegehaus Loretto. Das geht vom Rasenmähen und Heckenschneiden über die Bepflanzung und Pflege von Beeten bis hin zum Sauberhalten der Wege. Winterer hat einen ähnlich hohen Anspruch wie auf der Mainau, sagt: „Ich möchte alles möglichst perfekt haben. Insbesondere die Rosen.“ Beetrosen, Strauchrosen, Rosenhochstämmchen und Begleitpflanzen. Von der Parkpflege durch Uwe Winterer und seinem breitgefächerten Wissen ist das Gremium des Vereins Bodenseegärten übrigens so angetan, dass er dieses Frühjahr in die Jury berufen wurde. Nun kann er auch dort seine Expertise einbringen.

Bäume betonen in Parks die dritte Dimension, strecken sich dem Himmel zu, spenden Schatten. Die meisten Bäume im Rosenau-Park sind 20 bis 25 Meter hoch, viel Chinesisches Rotholz sowie Zedern. Auch Eschen sind im Bestand, mit einer Höhe von bis zu 35 Metern. 

Dass die Naturfreunde der Rosenau – KWA Zukunftspioniere – sich im Stiftspark mit einbringen, zeigen Nistkästen an Bäumen und ein Insektenhotel. Viele Vögel ernähren sich von Insekten. Letztere wiederum finden beispielsweise Nahrung an den bienenfreundlichen Stauden bei der Pergola. Thymian, Lavendel, Astern und Verbenen, zählt Winterer auf. Im Loretto-Garten locken unter anderem ein naturnaher Gartenteich und Hochbeete mit Kräutern „vieles, was kreucht und fleucht“, sagt der Gärtnermeister.

Doch zurück zum Stiftspark. „Der Rosenau Park steckt voller Geheimnisse“, sagt Dominik Gügel, der Direktor am Napoleonmuseum Arenenberg. Der Historiker hat ein immenses Wissen über die Bodenseeregion. So wissen wir heute, dass ein Domherr des Bistums Konstanz 1816 direkt am See – im unteren Bereich des heutigen Stiftsparks – einen Landschaftspark anlegen ließ: mit Grotten, Tempel und Springbrunnen sowie einer künstlichen Insel, auf der das Landhaus des Grafen Thurn Platz fand. Schon damals alles öffentlich zugänglich. Die wohl erste Bebauung, im späten Mittelalter, war hingegen dem gemeinen Volk gewidmet, bestand aus einem Gebäudeensemble mit Fischerei, Rebmannshaus und Schankwirtschaft. Auch Weinreben, eine Streuobstwiese und ein Bauerngärtchen gehörten zum „Käntle“.

Der Name „Rosenau“ ist erstmals in Dokumenten von 1857 zu finden, als der Stuttgarter Architekt Robert von Reinhardt für einen Frankfurter Privatmann eine repräsentative Villa im Stil der Neorenaissance errichtete – inklusive kleinem Hafen und einer Parkanlage, die sich am See entlang bis zur sogenannten Schmugglerbucht hinzog. Das Badehäuschen am See ist das letzte Zeugnis dieser Bebauung. Es darf von Stiftsbewohnern genutzt werden. 

 

Zur Planung einer großen Gartentour rund um den Bodensee empfehlen wir einen Blick auf die Website von Bodenseegärten

Schulgärten des Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg
Schulgärten des Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg; Foto: Bodenseegärten
Schloss Mainau und Schlosskirche St. Marien im Sommerflor
Schloss Mainau und Schlosskirche St. Marien auf der Insel Mainau, im Sommerflor; Foto: Insel Mainau / Peter Allgaier
KWA Parkstift Rosenau in Konstanz: der Stiftspark
KWA Parkstift Rosenau in Konstanz: der Stiftspark; Foto: KWA / Anton Krämer

 

 

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