Die drei von der Kripo - im KWA Georg-Brauchle-Haus

Ein Beitrag von Jörg Peter Urbach.

alternovum 2/2019

München, 9.9.2019


Einmal Kriminalbeamter, immer Kriminalbeamter. Dieses Credo würden Michael Brenner, Hans Kinzel und Heinz Kiupel sofort unterschreiben. Denn die drei sind auch lange nach ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst bei der Polizei München noch Kriminaler mit Leib und Seele. „Das verliert sich nie und der Zusammenhalt in der Truppe war in der Tat außergewöhnlich“, erklären sie übereinstimmend. Jetzt ist das Trio, das sich aus gemeinsamen Zeiten bei der Kripo München seit gut 50 Jahren kennt, im KWA Georg-Brauchle-Haus wieder vereint.

„Es war eine tolle Überraschung, als wir drei uns hier plötzlich und unerwartet wieder über den Weg gelaufen sind“, berichtet Brenner, der zur aktiven Dienstzeit immer nur „der Mike“ war. Diesen Spitznamen hatte man ihm in der Nachkriegszeit in einer amerikanischen Bar verpasst. Bis heute ist er sein Markenzeichen. Der Ingolstädter „Mike“ ging 1954 auf den Rat eines Freundes zur Polizei, nach drei Jahren Bereitschaft kam er zur Stadtpolizei München und anschließend zur Kripo, wo er 35 Dienstjahre lang als Kriminalhauptkommissar vor allem Eigentumsdelikte wie Einbruch und Diebstahl aufklärte. Gab es gefährliche Situationen? „Bei Durchsuchungen und Festnahmen habe ich so manches Mal in den Lauf einer Pistole geblickt“, berichtet Brenner.

Der Sudetendeutsche Hans Kinzel begann sein „neues Leben“ 1945 in Bayern. Warum ging er zur Polizei? „Wir waren zu Hause acht Kinder und ich wollte daheim einfach Platz machen. Die Polizei gab mir Unterkunft und Essen. So einfach war das zunächst.“ Auch Kinzel begann seine Laufbahn bei der Bereitschaft, ging danach zu Stadtpolizei und Reiterstaffel, bevor die Kriminalpolizei mit dem Fachgebiet Betrugsbekämpfung für 37 Jahre seine berufliche Heimat wurde. „Ich hatte mein Traumziel Kripo erreicht und konnte endlich bei der Aufklärung von Verbrechen helfen. Ich war Kriminalbeamter mit Leib und Seele“, sagt Kinzel. „Und der am elegantesten gekleidete“, ergänzt Heinz Kiupel schmunzelnd. 

Der Ostpreuße Kiupel formte mit seinen Kollegen Wilmerdinger und Bühringer ab 1952 eine der „berühmtesten Funkstreifenbesatzungen Münchens“, wie Brenner und Kinzel schildern. „Die schicke Uniform und die Lederjacke – das war für mich schon ein Grund zur Funkstreife zu gehen, die damals als Elitetruppe galt. Diese Zeit war von einem positiven Korpsgeist geprägt“, erinnert sich Kiupel. Ab 1962 bekämpfte er dann als Kriminalhauptmeister vor allem die Kleinkriminalität wie Körperverletzung und Beleidigung. 

Was macht einen guten Kripobeamten aus? „Man braucht eine große Portion Menschenkenntnis, muss Geduld haben und gut zuhören können“, erklärt Kinzel und Brenner ergänzt: „Ohne eine gewisse Schläue und ein gutes Gedächtnis geht es nicht.“ Alle drei haben ihre Entscheidung, zur Kripo zu gehen, nicht bereut. „Wir waren hochmotiviert und hatten eine wunderbare Zeit. Ja, meine Erwartungen wurden sogar übertroffen“, sagt Kinzel.

Im Georg-Brauchle-Haus hat es sich mittlerweile herumgesprochen, dass drei Kriminaler im Hause sind. Das Sicherheitsgefühl sei jetzt vielleicht noch höher, denn „die Polizei sieht man immer gern im Haus. Auch wenn wir ja schon längst pensioniert sind“, meinen die drei. Michael „Mike“ Brenner hat von den Bewohnern bereits einen neuen Spitznamen erhalten: James Bond. Er wohnt im Zimmer 007.

Ehemalige Kriminalbeamte - heute im KWA Georg-Brauchle-Haus
Von links: Michael Brenner, Hans Kinzel, Heinz Kiupel - Foto: Jörg Peter Urbach
Ob Zufall oder Absicht möge offen bleiben - jedenfalls wohnt hier nun ein ehemaliger Kriminalbeamter. - Foto: Jörg Peter Urbach

 

 

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