Interventionen – Strategien für ein gutes Altern bei KWA

Von Florian Wernicke, dem Leiter der Sozialberatung im KWA Parkstift St Ulrich in Bad Krozingen

alternovum 3/2015

Bad Krozingen, 22.10.2015.

Von Florian Wernicke.


In Deutschland blicken zunehmend mehr Menschen auf ein langes Leben bei durchschnittlich guter Gesundheit und hohem Wohlbefinden. Erfahrungen alter(n)swissenschaftlicher Forschung (Gerontologie) zeigen, dass die Begriffe Alter und Altern durch ein hohes Maß an Vielseitigkeit, Gestaltbarkeit und Individualität bestimmt sind. Die Vielzahl verschiedener Lebensentwürfe entlang eigener Wünsche und Vorstellungen eines guten Alter(n)s hebt dies deutlich hervor. Zudem dringt die Vorstellung eines von Variabilität geprägten Alter(n)s zunehmend in das öffentliche Bewusstsein und hilft somit, einseitig reduktionistische Sichtweisen auf „das Alter“ zu relativieren. Gleichzeitig sieht sich der Prozess des Älterwerdens einer starken Ambivalenz ausgesetzt. Das wechselseitige Auftreten entwicklungsbezogener Gewinne und Verluste ist ein prägendes Merkmal des Alterns (Baltes, 1999; Kruse & Wahl, 2010).

Die angesprochene Ambivalenz spiegelt sich auch im individuellen Erleben des eigenen Voranschreitens im Lebensverlauf wieder. In die Hoffnung auf ein hohes Alter mischen sich gleichzeitig Bedenken und Sorgen hinsichtlich der Erhaltung funktionaler und sozialer Ressourcen, Autonomie und der Möglichkeit zu selbstverantwortlichem Handeln. Neben den positiven Aspekten des Alter(n)s, ist die Folge der zunehmenden Hochaltrigkeit unweigerlich auch die Häufung problematischer Lebensumstände. Diese „Schwierigkeit des Seins“, wie sie der Soziologe Wolf Lepenies (1999) beschreibt, findet ihren Ausdruck u.a. in Erlebnissen von Krankheit, Verlusterfahrungen oder der Begegnung mit der eigenen Endlichkeit. Gleichzeitig offenbart insbesondere das hohe Alter die Gefährdung individueller Autonomie durch Abhängigkeitserfahrungen wie bspw. Pflegebedürftigkeit (Baltes, 1995). Betroffene sind in diesem Zusammenhang auch immer mit der Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen eines selbstbestimmten Lebens im Alter konfrontiert.

Interventionen – Begriffsbestimmung und Zielsetzung

Dieses Spannungsfeld bildet den Ausgangspunkt für Interventionen. Im Sinne einer angewandten Gerontologie, zielen diese auf die Übertragung grundlagenwissenschaftlicher Erkenntnisse in die praktische Arbeit mit älteren Menschen. Dabei sind Interventionen als Instrumente zur Modulation des Alter(n)s zu verstehen. Diese umfassen Einflussmöglichkeiten zur Stärkung, Aufrechterhaltung und Wiedererlangung vorhandener Ressourcen und somit zur Sicherung eines größtmöglichen Maßes an Selbstbestimmung und –verantwortung im Alter. Die Geschichte sogenannter Gero-Interventionen in Deutschland reicht bis in die 1970er-Jahre zurück. Ursula Lehr (1979) – eine der Begründerinnen der Interventionsgerontologie hierzulande – bezeichnet diese als „das Insgesamt an Bemühungen bei psychophysischem Wohlbefinden ein hohes Alter zu erreichen“.

Professionelle Interventionen zeichnen sich dabei durch ein systematisches, theoriegeleitetes und wissenschaftlich fundiertes Vorgehen aus. Sie umfassen, neben psychosozialen Hilfestellungen auch Strukturen zur Förderung bzw. Aufrechterhaltung kognitiver sowie motorischer Fähigkeiten. Als populäre Beispiele können Erfolge strukturierter Gedächtnistrainings, Übungen zur Sturzprophylaxe, soziale Reintegrationsmaßnahmen oder psychotherapeutische Verfahren genannt werden. Jede Form der Intervention muss evaluierbar, d. h. nachvollziehbar, überprüfbar und wiederholbar sein. Dieses Vorgehen dient letztlich der Qualitätssicherung und –entwicklung. 

Interventionen als institutionelle Unterstützungsstrukturen bei KWA

Ein besonderer Stellenwert kommt Interventionen innerhalb von Einrichtungen zu, in welchen ältere Menschen leben und versorgt werden. Als systemintegrierte Unterstützungsmaßnahmen sind sie Ausdruck bewusst wahrgenommener Mitverantwortung und betonen somit die Bedeutung eines Lebens in Verbundenheit. KWA begreift Interventionen immer auch als partizipative Unterstützungsangebote mit klarem Servicecharakter. Alle vorgehaltenen Angebote zur Unterstützung der in Einrichtungen von KWA lebenden Menschen folgen dem Grundsatz von Individualität und Sicherheit und stellen somit die aktuelle Lebenssituation und die darin gelagerten Ressourcen, Bedürfnisse und Bedarfe des Einzelnen in den Vordergrund. 

Zur bedarfsgerechten Erhebung des notwendigen Unterstützungspotenzials sowie aller vorhandener Möglichkeiten zur eigenständigen Verbesserung der individuellen Lebenssituation auf Basis der vorhandenen Fähigkeiten betroffener Personen, hält KWA in jeder Einrichtung ein sog. Interventionsteam (IVT) vor. Das IVT ist eine multiprofessionelle, das heißt aus unterschiedlichen Berufsgruppen einer Einrichtung zusammengesetzte, Arbeitsgruppe.

 

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Besprechung im KWA Parkstift St. Ulrich in Bad Krozingen

KWA Interventionsteams

Aufgaben und Zusammensetzung von KWA Interventionsteams fußen auf einer Masterarbeit von zwei Studentinnen der Fachhochschule Erfurt, die sich wissenschaftlich mit der Implementierung der Teams in KWA Wohnstiften auseinandergesetzt haben – Katharina Krieger und Elisabeth Trommer. Die Masterarbeit im Studiengang Soziale Arbeit an der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften wurde von Prof. Dr. Roland Schmidt betreut.

Gespräch von Kundenbetreuerin Andrea Daiger mit Bewohner im KWA Parkstift St. Ulrich in Bad Krozingen

 

 

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