Sun City - als Modell für das Leben im Alter?

Dokumentarfilm stimmt nachdenklich, macht aber auch Mut. - Ein Beitrag von Anja Schilling.

alternovum 3/2019

Bad Krozingen, 10.11.2019


Wie wollen wir alt werden? Ein neuer Dokumentarfilm der Regisseurin Susan Gluth gibt dazu Anregungen, wenn auch aus einer etwas anderen Welt – den Vereinigten Staaten von Amerika. Mehrere Jahre hat sie mit Einwohnern der Seniorenstadt Sun City in Arizona Interviews zum Leben dort und zum Erleben des Älterwerdens geführt. Herausgekommen ist der Film „Gestorben wird Morgen“ – berührend, humorvoll, anders, nachdenklich machend, aber auch voll von Lebensfreude. 

Neugierig auf den Film haben wir, Kundenbetreuerin Andrea Daiger und ich als Stiftsdirektorin, gemeinsam mit zehn Bewohnerinnen des KWA Parkstifts St. Ulrich die Filmvorführung im Joki-Kino in Bad Krozingen mit anschließendem Filmgespräch im Beisein der Regisseurin besucht. In Sun City gibt es Kirchen, Krankenhäuser und Sporthallen, unter anderem auch Tanzaufführungen, Flohmärkte und eine Senioren-Punkband. Doch auch die beschwerlichen Seiten des Lebens im Alter werden gezeigt. Sowohl Gesunde als auch Kranke berichten im Film von ihrem Leben in der „Rentnerstadt“. 

Im Filmgespräch, zu dem ich spontan hinzugezogen wurde, wurde sehr kontrovers und auch sehr engagiert über das Thema Leben und Wohnen im Alter diskutiert. Beeindruckt hat, wie sehr sich die Einwohner Sun Citys für ihr Gemeinwesen engagieren und die Regeln für ihr Zusammenleben gemeinsam definieren und aushandeln. Sie gestalten ihren Wohn- und Lebensort selbst, leben in einer Welt, die auf ihre Bedürfnisse und Wünsche zugeschnitten ist. Pure Lebensfreude ist bei einigen Szenen übergesprungen.

Kritisch hinterfragt wurde: Ist es gut, wenn nur ältere Menschen in einer ganzen Stadt zusammenleben? Hierauf wird jeder seine eigene Antwort finden müssen.

Sehr angeregt haben sich unsere Bewohnerinnen eingebracht und das Wohnstift als kleines Sun City bezeichnet. Hier gibt es viel zu erleben und es muss niemandem langweilig sein. Man kann sich einbringen oder für sich sein und es ist ein bisschen wie in einer großen Familie, zu der auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören. Es wird gerne gefeiert und gelacht. Es ist ein Lebensort, an dem Menschen Gemeinschaft und Teilhabe erleben. Das ganz große Plädoyer der Kinobesucherinnen des Parkstifts an die anderen Kinogäste war: Machen Sie sich frühzeitig Gedanken darüber, wie Sie im Alter leben und wohnen möchten. Und wenn ein Wohnstift für Sie in Frage kommt, ziehen Sie früh ein, denn dann können Sie viele Möglichkeiten nutzen. 

Folgendes Zitat eines neuen Bewohners im Anschluss an unser Oktoberfest im Parkstift spricht in diesem Zusammenhang für sich: „Ich wusste gar nicht, dass ich in eine Jugendherberge eingezogen bin.“ Sicher gibt es Einschränkungen im hohen und sehr hohen Lebensalter, doch es kommt wesentlich darauf an, wie wir damit umgehen.

Anja Schilling

Filmplakat zu "Gestorben wird Morgen" - einem Dokumentarfilm von Susan Gluth über das Leben in der "Seniorenstadt" Sun City im US-Bundesstaat Arizona

 

 

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