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Christa Stewens
alternovum Ausgabe 1/2020

Christa Stewens

Sozialministerin a. D. mit großem Herz für Kinder und Pflege - Ein Beitrag von Sieglinde Hankele.

Poing, 30. März 2020

Anton begrüßt Gäste bei Christa Stewens zu Hause als Allererster: ein honigblonder Rauhhaardackel. Mit ihm geht die Staatsministerin a. D. gerne und viel spazieren, oft zusammen mit ihrem Mann Martin. Einmal die Woche macht die 73-Jährige außerdem Krafttraining, ein andermal Yoga: um sich körperlich und geistig fit zu halten. Die 24 Enkelkinder sind für die Mutter von sechs Kindern jedoch ihr liebstes Hobby, vor allem gegenseitige Besuche. Seit sie sich 2013 aus der Politik zurückgezogen hat, ist sie verstärkt ehrenamtlich aktiv, unter anderem als BRK-Vorsitzende im Kreisverband Ebersberg sowie im Bezirk Oberbayern. Zudem engagiert sie sich über die Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München und das Kinderhilfswerk Plan International Deutschland "für Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen".

Christa Stewens‘ ältester Sohn ist 55. Als er in die Schule kam und der Bürgermeister bei der Elternversammlung die schulische Situation über den grünen Klee lobte, stand sie auf, widersprach und forderte eine Lösung ein: Die 1. Klasse der Volksschule war eine "Wanderklasse", weil es keinen Klassenraum für sie gab. Den Widerspruch fanden die anderen Eltern so gut, dass sie sie zur Elternbeiratsvorsitzenden wählten und Christa Stewens wenig später im Gemeinderat von Poing "landete". Neue Baulichkeiten für die Schule kamen relativ rasch. Die Schulentwicklung blieb in der Kommune ihr Thema, zudem der Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten.

Kaum dass sie im Gemeinderat war, wurde sie zur ersten weiblichen Kreisvorsitzenden der Jungen Union in Bayern gewählt. Sie und ihre Mitstreiter – beiderlei Geschlechts – machten sich unter anderem für Entbürokratisierung stark, weil sie schon damals erkannten, dass durch überbordende Bürokratie Menschen und Fortschritte behindert werden. Den von Franz Josef Strauß initiierten Kreuther Beschluss, die CSU auf ganz Deutschland auszudehnen, unterstützten sie nicht, obwohl die Junge Union als gemeinsame Jugendorganisation von CDU und CSU damals wie heute länderübergreifend aufgestellt ist.

1994 wurde Christa Stewens in den Bayerischen Landtag gewählt, 1998 als Staatssekretärin ins Umweltministerium berufen. Edmund Stoiber erkannte ihr soziales Gewissen und ihr politisches Talent, rief sie 2001 als Sozialministerin in sein Kabinett. In diesem Amt blieb sie auch unter Günther Beckstein, somit bis Oktober 2008. Zwei weitere Höhepunkte ihrer Karriere: Unter Beckstein war sie stellvertretende Ministerpräsidentin; von April bis Oktober 2013 schließlich Vorsitzende der CSU-Landtagsfraktion – die erste Frau in dieser Position.

Für die Jahre, in denen sie der Staatsregierung angehörte, benennt sie als Meilenstein das Bayerische Kinderbildungs- und –betreuungsgesetz von 2005. Auf dieser Basis konnte die Zahl der Kindergartenplätze deutlich gesteigert, zudem auch Kinderkrippen gefördert werden. "Viele Bürgermeister waren dagegen", berichtet Stewens, "das musste erst aufgebrochen werden." Gerade die 4- bis 6-Jährigen sind ungeheuer wissensdurstig und lernfähig. Daher seien Investitionen in die frühkindliche Bildung für unsere Gesellschaft von großem Nutzen. Pflege war für Christa Stewens ein weiteres wichtiges Thema. Damals gab es in Bayern noch kein eigenes Ministerium für Gesundheit und Pflege. Sie sei immer wieder mal bei ambulanten Pflegediensten mitgefahren und oft bei Pflegestammtischen gewesen, um von der Basis zu erfahren, was verbessert werden kann. Zudem unterstützte sie die Installation des 1. Lehrstuhls für Gesundheit und Pflege in München: damit es auch Studien- und Aufstiegsmöglichkeiten gab.

Seit 2010 ist Christa Stewens KWA-Aktionärin. Nachdem Markus Blume, der im Umwelt- und Gesundheitsausschuss neben ihr saß, sich mit ihr über KWA unterhalten hatte, war das Band rasch geknüpft. Auf diese Weise konnte sie noch mehr Input aus der Praxis bekommen. Im politischen Diskurs war ihr immer ein offener Gedankenaustausch und ein fairer Umgang wichtig. "Nur wenn man anderen genau zuhört und auf andere Argumente eingeht, lässt sich am Ende eine gemeinsame Linie finden, die alle mittragen können", sagt die Staatsministerin a. D. Sehr weise klingt das. Anton räkelt sich zufrieden im Hundekörbchen, scheint mit der Aussage einverstanden. ­

Nur wenn man anderen genau zuhört und auf andere Argumente eingeht, lässt sich am Ende eine gemeinsame Linie finden, die alle mittragen können.

Christa Stewens zur Bedeutung eines fairen zwischenmenschlichen Umgangs

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