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Dorothea Aggelakos, Leiterin des Pflegedienstes im KWA Georg-Brauchle-Haus in München.
alternovum Ausgabe 1/2020

Dorothea Aggelakos: Altenpflege seit beinah 40 Jahren

Einst Schülerin des 1. Jahrgangs der KWA Altenpflegeschule in Bad Griesbach, heute KWA Pflegedienstleiterin. - Ein Beitrag von Sieglinde Hankele.

München, 27. Februar 2020

Dorothea Aggelakos beginnt und beendet den Tag mit Lektüre. Morgens liest sie die Süddeutsche, abends ein gutes Buch – mal einen skandinavischen Krimi, mal neue deutsche Literatur, mal Poesie aus Asien. Außerdem liebt sie ihr kleines Gärtchen und schätzt gutes Essen, vor allem das, was ihr Mann in der heimischen Küche zaubert. Die beiden Töchter sind erwachsen. Als die jüngere geboren wurde, übernahm der Vater die Kinderbetreuung, damit die Mutter wieder arbeiten konnte – im KWA Georg-Brauchle-Haus. Sie hatte nur wenige Wochen vor der Geburt eine Weiterbildung zur Leitung eines ambulanten Dienstes abgeschlossen. Das war 1997. Seit 1998 leitet sie den ambulanten Pflegedienst im Haus.

Als die heute 59-Jährige vor gut 40 Jahren vor der Berufswahl stand, zeichnete sich ab, dass der Bruder die elterliche Buchhandlung übernehmen würde. Neben der Liebe zum Lesen zog sich eine soziale Ader durch die Familie, die ältere Schwester war Krankenschwester. Insofern zog Dorothea Pflege in Betracht. Eine Freundin machte sie auf das erst zwei Jahre vorher eröffnete, topmoderne KWA Stift Rottal aufmerksam. Ein Praktikum im Bad Griesbacher KWA Pflegestift bestärkte sie im Wunsch, Altenpflegerin zu werden. Die Arbeit mit alten Menschen fühlte sich richtig an. Als KWA im April 1980 im gleichen Haus eine Altenpflegeschule eröffnete, war Dorothea eine von 32 Schülerinnen und Schülern des ersten Jahrgangs. Zum Anerkennungsjahr zog es sie jedoch vom Heimatort Rotthalmünster in die große Stadt: nach München ins Georg-Brauchle-Haus. 

Für das Wohnstift und sie selbst benennt Dorothea Aggelakos als Meilensteine diverse Umbauten, vor zwei Jahren dann die Auflösung der stationären Pflege insgesamt, verbunden mit der Eröffnung einer modernen Tagesbetreuung und Tagespflege. Auch an den Neubau von Haus Ramersdorf, das 2010 in Betrieb ging, erinnert sie sich gut. In den schicken Wohnturm zog ihr ehemaliger „Chef“ ein, KWA Mitgründer Hermann Beckmann. Genau wie sie selbst war er dem ersten KWA Wohnstift eng verbunden. Stets hatte er ein freundliches Wort für sie. 

Als sich mit der Jahrhundertwende ein Trend hin zu ambulanter Pflege abzeichnete – Menschen wollen auch bei Pflegebedarf am liebsten in gewohnter Umgebung bleiben – hatte KWA den eigenen ambulanten Pflegedienst im Haus bereits etabliert.

Dorothea Aggelakos hatte zusammen mit einer Kollegin begonnen, anfangs gerade einmal zehn Personen in ihren Stiftswohnungen versorgt, damals noch nicht rund um die Uhr. Der Pflegebedarf war überschaubar. Heute hat sie 23 Mitarbeiter im Team, bräuchte eigentlich noch ein paar mehr. Der Fachkräftemangel bereitet ihr Kummer. „Die Umsetzung der Verbesserungen dauert zu lange“, sagt sie. Und: „Ich bin gespannt, ob die generalistisch ausgebildeten Pflegekräfte europaweit als Fachkräfte anerkannt werden.“ Heute müsse man immer Europa im Blick haben. Sie selbst spricht außer ihrer Muttersprache auch noch Englisch, Französisch und Griechisch. Das ist ein großer Vorteil in einem Team, in dem 17 Nationen vertreten sind.

Dass die Versorgung von Menschen mit Pflegebedarf bis zur letzten Stunde in großer Fachlichkeit und mit viel Empathie erfolgen kann, stellen zwei Palliativfachkräfte aus ihrem Team sicher, sowie Kooperationen mit dem Christophorus Hospiz Verein, dem Hospizverein Ramersdorf/Perlach und der Klinik Neuperlach. Zudem kommt seit gut 20 Jahren ein Facharzt mit Expertise in Palliativmedizin ins Georg-Brauchle-Haus: Dr. Dr. med. Franz Kreuzer.

Dorothea Aggelakos arbeitet immer noch gerne in der Altenpflege. „Beständigkeit, Mut und ein großes Herz“, sollten Menschen mitbringen, die in der Pflege arbeiten möchten, sagt sie. Zudem: „Ehrgeiz in Bezug auf Kompetenz, verbunden mit dem Willen zu Weiterbildungen.“ Auch eine gewisse Robustheit und psychische Stabilität seien gute Eigenschaften für die Altenpflege.

Ich bin gespannt, ob die generalistisch ausgebildeten Pflegekräfte europaweit als Fachkräfte anerkannt werden.

sagt Pflegedienstleiterin Dorothea Aggelakos.

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