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alternovum Ausgabe 3/2019

Dialog der Generationen

Wie Jung und Alt voneinander lernen. – Ein Beitrag von Ursula Cieslar.

Ottobrunn, 19. Dezember 2019

Der Wohnbereich Pflege des KWA Hanns-Seidel-Hauses pflegt seit vielen Jahren mit den verschiedensten Schulen in der Stadt und im Landkreis München Kooperationen. Einen besonders engen Kontakt gibt es zur Städtischen Rainer-Werner-Fassbinder-Fachoberschule für Sozialwesen. Zum Lehrplan gehört dort unter anderem eine fachpraktische Ausbildung, die eine weitreichende Verknüpfung von Theorie und Praxis zum Ziel hat. Durch das geforderte soziale Engagement erhofft sich die Schule auch einen positiven Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler.

Für uns im Wohnbereich Pflege ist bei der Zusammenarbeit wichtig, dass Hemmschwellen überwunden werden, dass Distanz zu Menschen mit Einschränkungen abgebaut wird und dass es zu einer Auseinandersetzung mit Alter und Tod kommt. Die Schüler sind eine wunderbare Ergänzung zu unseren Betreuungsmitarbeitern. Ausflüge gestalten, Veranstaltungen begleiten, eigenständig ein Projekt für Bewohner und Schüler auf den Weg bringen, das sind die Aufgaben, die die Schüler während der Praktika übernehmen, die sich über einen Zeitraum von sechs Monaten erstrecken, im gleichmäßigen Wechsel mit Schulwochen. Drei Schüler haben folgende Aussage zu ihrer Arbeit getroffen:

Die ersten zwei Wochen Praktikum stellten für uns zunächst eine Herausforderung dar, welcher wir so noch nie zuvor gegenüberstanden. Was in der Gesellschaft allgemein als die letzte Station des Lebens angesehen wird, stellte sich als ein Ort voller Leben und Lebensfreude heraus. Dies schlägt sich insbesondere bei Aktivitäten wie Basteln, Rummy-Cup-Spielen oder Kegeln nieder oder auch beim zünftigen Wies`n Fest, welches zeigt, dass die Bewohner auch weiterhin aktiver Teil der Gesellschaft sind. Deshalb fiel es uns relativ leicht, bei der Arbeit Anschluss zu finden und positive Resonanz zu erhalten. Die Arbeit gestaltete sich als schwer, war aber sehr schnell lohnenswert. Das Verhältnis zwischen Pflegepersonal und Bewohnern nahmen wir als familiär wahr. Daher können wir die ersten zwei Wochen des Praktikums als bereichernd und lehrreich bezeichnen. (Gloria, Lenny und Marcel, im Oktober 2019).

Eine weitere Kooperation pflegen wir mit der Solidaris gGmbH in Ottobrunn. Die gemeinnützige Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Dialog zwischen den Generationen anzuregen und zu fördern, unter anderem mit einem „Dialog-Stipendium“. Es wird an Studenten vergeben, die sich über einen gewissen Zeitraum um alte Menschen kümmern. Auch hier ist das Hanns-Seidel-Haus Kooperationspartner, nimmt gerne Studenten auf, die die Betreuung der Senioren unterstützen wollen.

Die umliegenden Schulen schicken überdies regelmäßig Schüler zu einwöchigen Praktika. Vom Gymnasium Neubiberg kommen Schüler sogar wöchentlich an einem Tag zu den Bewohnern. Manchmal entwickeln sich dabei kleine Freundschaften mit anschließendem Briefwechsel oder Besuchen.

Alle Praktika haben eines gemeinsam: Am Anfang ist es für die Schüler schwierig, sich an den Pflegebereich zu gewöhnen. Oft hatten sie vorher kaum Kontakt zu hochbetagten, hilfebedürftigen Menschen. Eine kontinuierliche Betreuung ist daher in der ersten Zeit notwendig. Vieles muss erklärt und besprochen werden. Dabei helfen Übungen, die klarmachen, wie es sich anfühlt, wenn man im Rollstuhl sitzt, wenn man kaum noch etwas sieht oder nicht alleine essen kann. Nach und nach werden die Schüler sicherer, können keine Aufgaben übernehmen. Unser Primärziel ist erreicht, wenn die Schüler am Ende bestätigen, dass sie mehr Verständnis für ältere Menschen und deren Bedürfnisse haben, und dass es auch sehr viel Freude machen kann, sich mit älteren Menschen zu beschäftigen. Eine Win-win-Situation.

In der Pflege ist es wichtig, dass Hemmschwellen überwunden werden.

Ursula Cieslar

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