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Letzte-Hilfe-Kurse
alternovum Ausgabe 1/2020

Letzte-Hilfe-Kurse

Wie Sterbewissen wieder Raum in der Gesellschaft bekommen kann. - Ein Beitrag von Anja Schilling.

Bad Krozingen, 27. März 2020

Auch wenn in unseren Wohn- und Pflegestiften das Leben im Alter im Mittelpunkt steht, gehören die immerwährende Bemühung um Lebensqualität auch in vulnerablen Lebenssituationen und das Sterben unmittelbar dazu. Es ist uns ein großes Anliegen, unsere Bewohner auch in ihrer letzten Lebensphase gut, professionell und würdevoll zu begleiten. Dazu gehört es, dass alle unsere Berufsgruppen Grundkenntnisse zum Sterben haben. 

Das Konzept der Letzte-Hilfe-Kurse bietet uns die Möglichkeit, dieses Wissen zu streuen. Entwickelt wurde es von Palliativarzt Georg Bollig. Das Kurskonzept verlangt keine Vorkenntnisse, sodass im Grunde jeder daran teilnehmen kann. Von daher fanden wir vom Leitungsteam des KWA Parkstifts St. Ulrich es besonders gut für einen Einstieg in das Thema, insbesondere auch für unsere Berufsgruppen, die nicht in der unmittelbaren Versorgung unserer Stiftsbewohner sind, aber zum Beispiel als Mitarbeiterin in der Hauswirtschaft durchaus zu sterbenden Bewohnern kommen.

Alle, die bisher am Kurs teilgenommen haben, sind von der Aufbereitung des Themas und der Wissensvermittlung angetan. Deshalb nehmen wir dieses Konzept nun in unseren Mitarbeiter-Fortbildungsplan auf. Bei entsprechendem Interesse möchten wir den Letzte-Hilfe-Kurs auch für Bewohnerinnen und Bewohner und die Bevölkerung öffnen. 
Über Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen wird zwar auch gesprochen, doch in erster Linie geht es im Kurs darum, eine Art Leitfaden zur Sterbebegleitung zu vermitteln – und eine gewisse Sicherheit im Umgang mit Sterbenden. Wobei das Sterben genauso individuell ist wie das Leben.

"Der Kurs hat nochmal deutlich gemacht, wie wichtig es ist, auf individuelle Wünsche einzugehen", sagt eine Teilnehmerin und ergänzt: "Der Kurs hilft jedenfalls dabei, offen über das Thema Sterben zu sprechen." Eine andere fühlt sich nun sicherer in Bezug auf das Thema Schmerzen, weil im Letzte-Hilfe-Kurs vermittelt wird, welche lindernden Medikamente ein Arzt verordnen kann und was diese bewirken. Wie man auch auf andere Weise dazu beitragen kann, Leiden zu lindern, wird ebenfalls erläutert. Wenn ein Sterbender nicht mehr trinken kann, tun Mundpflegestäbchen gut. Auch Düfte und eine friedliche Umgebung empfinden viele Menschen als angenehm.

Manche Sterbende möchten in den letzten Stunden allein sein. Andere wiederum wollen, dass jemand da ist, vielleicht auch zuhört, wenn es noch etwas zu erzählen gibt, was beschwert. Bei uns im Haus leiteten zwei Persönlichkeiten mit großem Wissen den Kurs: der Facharzt für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin Dr. Tilman Kirste – er ist auch Onkologe; und ein Experte in Fachkrankenpflege für Onkologie, mit Zusatzqualifikation in Palliative Care, der auch als Ethikberater im Gesundheitswesen auf schwierige Fragen eingeht: Friedhelm Sapel. Beiden war es wichtig, zu vermitteln: Jeder kann Letzte Hilfe leisten. Die medizinische Versorgung mache nur einen kleinen Teil aus. Es gehe darum, für den Sterbenden da zu sein, schwierige Momente auszuhalten und zu spüren, was derjenige noch braucht. – Auch für das Danach gab es noch Hinweise im Kurs: Wie man Angehörigen das Abschiednehmen durch Rituale erleichtern kann, die an die Verstorbenen erinnern.

Der Kurs hilft dabei, offen über das Thema Sterben zu sprechen.

Eine Teilnehmerin am Letzte-Hilfe-Kurs

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