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alternovum Ausgabe 3/2019

Von wegen piano!

Clara Schumann - Ein bewegtes Leben im Fokus des Musikgesprächskreises. – Ein Beitrag von Martina Lenz.

Bottrop, 30. Januar 2020

Am 13. September 1819 wurde Clara Schumann in Leipzig geboren. Bis heute beeindruckt sie als Komponistin, Pianistin, Professorin sowie als Musikverlegerin der Werke ihres Gatten Robert Schumann. Aus Anlass ihres 200. Geburtstages fanden 2019 vielerorts Konzerte, Ausstellungen und auch Lesungen statt. Wertschätzung erfuhr ihr Wirken auch im KWA Stift Urbana im Stadtgarten.

Gespannt erwarteten die Musikinteressierten Einblick in das Leben der ungewöhnlichen Künstlerin und sie wurden nicht enttäuscht. Dr. Ulrike Schwanse nahm sie mit auf einen beeindruckenden Ausflug in die Welt der Clara Schumann. Die Zuhörer erfuhren, dass die auf dem 100 DM-Schein abgebildete Clara Schumann als erste Frau all ihre Konzerte auswendig spielte und hervorragend improvisieren konnte. Das pianistische Wunderkind debütierte schon mit neun Jahren im Gewandhaus Leipzig, mit zwölf spielte sie Goethe vor und brillierte in den Pariser Salons, mit achtzehn Jahren bekam sie die höchste Auszeichnung "kaiserlich-königliche Kammer-Virtuosin".

Gegen den Willen ihres despotischen Vaters heiratete sie mit 21 Jahren Robert Schumann. Insgesamt zehn Schwangerschaften, ihre acht Kinder, von denen sie sechs überlebte, ihr an Depressionen erkrankter Ehemann, der schon mit 46 Jahren starb, die Aufgabe als Hausfrau und Ernährerin der Familie, ihre 51 Kompositionen und 1300 öffentliche Konzerte lassen erkennen, dass Clara Schumann eine höchst belastbare Powerfrau war. Das Bild einer zu ihrem Mann aufblickenden Ehefrau, die sich in seinem Schatten aufhielt und ihm zuarbeitete, wurde allerdings erst 150 Jahre nach ihrem Wirken revidiert. Heute gilt sie als eigenständige Künstlerin.

Dr. Ulrike Schwanse leitet nun schon seit mehr als 15 Jahren den Musikgesprächskreis im KWA Stift Urbana in Bottrop. Sie studierte erst Musikwissenschaft in Halle, im Anschluss Musikpädagogik in Paderborn und bekleidet nun schon seit 2010 einen Lehrauftrag für Musikpädagogik an der Universität Münster.

Zwischen 20 und 25 Bewohnerinnen und Bewohner besuchen ihre Veranstaltung im KWA Stift Urbana regelmäßig. Man erkennt sofort, dass die Musikvermittlung für die Musikpädagogin eine Herzenssache ist. Kurzweilig und beeindruckend einprägsam setzte sie die Kompositionen Clara Schumanns in ihre Zeit und machte die Musik durch die Schilderungen der Lebensumstände für die Zuhörer begreifbarer. Die Lebensphasen Kindheit, Jugend, sowie ihr Leben während und nach der Ehe mit Robert Schumann wurden immer wieder durch eingespielte Musikstücke aus der jeweiligen Sequenz ihres Lebens unterstrichen oder durch begleitend im Hintergrund abgespielte Musikstücke untermalt. Durch diese mehrdimensionale Herangehensweise konnte vieles, was sonst abstrakt geblieben wäre, auf emotionaler Ebene verknüpft und verinnerlicht werden, sodass das Gehörte die Teilnehmer nach Veranstaltungsende noch lange beschäftigte.

Die Ausübung der Kunst ist ein großer Teil meines Ichs, es ist mir die Luft, in der ich atme.

Clara Schumann, Komponistin und Pianistin

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