SILBERFILM-Start mit: Nicht schon wieder Rudi!

Ein alters- und demenzsensibles Kulturformat für München - initiiert und konzipiert von Dipl.-Psychogerontologin Sabine Distler, realisiert in Kooperation mit dem Rio Filmpalast.

alternovum online

München, im März 2019. Von Sieglinde Hankele.


"Kinofreude in jedem Alter“ verspricht SILBERFILM mit „alters- und demenzsensiblen“ Filmen im Rio Filmpalast in München. Auf dem Programm stehen im Jahr 2019, jeweils um 15 Uhr: 

  • am 18.03.2019: Nicht schon wieder Rudi! – eine Komödie aus dem Jahr 2015,
  • am 29.04.2019: Die Frau meiner Träume – ein Revuefilm aus dem Jahr 1943/44,
  • am 24.06.2019: Unterwegs mit Jacqueline – eine Komödie aus dem Jahr 2015,
  • am 23.09.2019: Serengeti darf nicht sterben – ein Dokumentarfilm von 1959,
  • am 18.11.2019: Der Fuchs und das Mädchen – ein Märchenfilm aus dem Jahr 2007.

Die Auftaktveranstaltung mit „Nicht schon wieder Rudi“ war gut besucht. Vor und nach der Vorführung gab es einige Informationen zum neuen Kinoformat und zum Träger des Projekts aus erster Hand. „Curatorium Altern gestalten“ ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die durch aktive Beiträge und Wissenstransfer eine zukunftsorientierte Gestaltung des Alterns und des Alters fordert und fördert, unter anderem mit alterssensiblen Zukunftsprojekten. Laut Geschäftsführerin Sabine Distler richtet das Unternehmen ein besonderes Augenmerk auf die Inklusion der älteren Generation. Ein entsprechend konzipiertes Projekt ist die Programmreihe SILBERFILM. 

Alters- und demenzsensible Filme: für ein Gemeinschaftserlebnis und zum Erhalt der Kinokultur

Ganz am Anfang standen laut Distler der Austausch mit anderen Gerontologen sowie eine Studie. Als es in die Umsetzung ging, suchte man zunächst ein Kino, das drei wichtige Kriterien für Menschen mit Assistenzbedarf erfüllt, nämlich: eine gute öffentliche Verkehrsanbindung, eine adäquate Ausstattung des Kinosaals, mit Rollstuhl erreich- und nutzbaren Toiletten. Alle drei Kriterien erfüllt der Rio Filmpalast, ein alteingesessenes Programmkino in der Rosenheimer Straße. Überdies zeigte sich Inhaberin Elisabeth Kuonen-Reich von Anfang am Vorhaben interessiert. 

Beim Projekt geht es zum einen um ein generationenübergreifendes Angebot, zum anderen um den Erhalt der Kinokultur. Mit einem Kinobesuch haben auch ältere Menschen Gelegenheit zu einem Gemeinschaftserlebnis. 1960 gab es in Deutschland 6.660 Kinos, heute sind es nur noch 1.650. Ein Lichtblick aus Sicht der Kinobetreiber: Die Babyboomer gehen vermehrt ins Kino, hier ist aktuell die größte Zuwachsrate zu verzeichnen. Doch die allermeisten Kinos und die Filmindustrie haben sich noch nicht darauf eingestellt. Mit hörbarer Entrüstung weist Sabine Distler darauf hin, dass die Filmförderanstalt nur Menschen bis 65 zählt. Als ob einen Tag später das Leben aufhören würde.

Bei älteren Menschen angesagt: Emotionen, Humor und Ironie

Studien zeigen, dass bei älteren Menschen vor allem Filme gut ankommen, die Emotionen, Ironie und Humor enthalten. Tatsächlich musste Sabine Distler jedoch feststellen, dass es nur wenige Filme gibt, die die ältere Generation adäquat adressieren. – Das hat auch das Schauspieler-Ehepaar Ismail Sahin und Oona-Devi Liebich erkannt, und sich vorgenommen, diese Nische zu bespielen. Für ihren ersten Spielfilm drängte sich das Thema Demenz auf – beide hatten im persönlichen Umfeld berührende Erfahrungen gemacht. So konnte zusammen mit Holger Sorg – einem langjährigen Freund von Ismail Sahin – 2015 „Nicht schon wieder Rudi!“ produziert werden, als Komödie. Zunächst hat das Paar ein Drehbuch geschrieben, dann auch selbst mitgespielt und Regie geführt. 

Das Rezept für alters- und demenzsensible Filme: Entschleunigung

Einen Leitfaden für altersgerechte Filme gab und gibt es nicht. „Wir wollten unbedingt entschleunigen, keine hektischen Bilder“, sagt Sahin. Alle an einer Szene beteiligten Figuren sollten immer im Bild sein, sodass ein Nachwirken möglich ist. „Wir haben mit Holger und den Schauspielern eine Vision geteilt“, so Sahin. Der Film solle emotionalisieren, aber nicht stigmatisieren, unangenehme Themen auf humorvolle Weise ansprechen, unterhaltsam sein – ohne Würde zu verletzen.

Der Plot. Vier Männer am See: Murat will Frauen. Klaus will Murat eine Lektion erteilen. Peter will Murat. Und Bernd will einfach nur angeln. Doch als Klaus plötzlich Rudi will, platzen alle Pläne. Denn Rudi ist ein Hund und seit zwei Jahren tot. Wer kommt als erster zur Besinnung? Der Film ist inzwischen als DVD und OVD erhältlich. 

Zur Auftaktveranstaltung im Rio Filmpalast in München würdigten das Projekt: Dr. Christine Schwendner, Leiterin des Referats Demenzstrategie am Bayer. Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, der „Alterspräsident“ des Münchner Stadtrats Dr. Reinhold Babor sowie Burkhard Rüdiger von Paulaner. Den Start von SILBERFILM hat der Paulaner Salvator-Preis möglich gemacht. Das Konzept hatte die Jury überzeugt. Und so konnte Sabine Distler Ende 2018 für SILBERFILM ein Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro entgegennehmen.

Zur Einstimmung auf die Filme:

> Nicht schon wieder Rudi! (Trailer)
> Die Frau meiner Träume (Kurzbiografie von Marika Rökk)
> Unterwegs mit Jacqueline (Trailer)
> Sergengeti darf nicht sterben (Kurzbiografie von Prof. Bernhard Grzimek)
> Der Fuchs und das Mädchen (Trailer)


Anfahrt zum Rio Filmpalast mit S3, Haltestelle Rosenheimer Platz.

 

 

Szene aus der Komödie, die am 29. April 2019 um 15 Uhr im Rio Filmpalast in München zu sehen sein wird: Unterwegs mit Jacqueline (Foto: Alamodefilm)
Szene aus: Nicht schon wieder Rudi?
Szene aus der Komödie: Nicht schon wieder Rudi? (Foto: Macciato Pictures)

Wir wollen mit unserem Film "Nicht schon wieder Rudi!" emotionalisieren, aber nicht stigmatisieren, unangenehme Themen auf humorvolle Weise ansprechen, unterhaltsam sein – ohne Würde zu verletzen.

Ismail Sahin

Filmgespräch im Rio Filmpalast in München über "Nicht schon wieder Rudi!" mit dem Produktionsteam. Von links: Oona-Devi Liebich, Ismail Sahin, Holger Sorg.
Filmgespräch im Rio Filmpalast in München über "Nicht schon wieder Rudi!" mit dem Produktionsteam. Von links: Oona-Devi Liebich, Ismail Sahin, Holger Sorg. Liebich und Sahin schrieben zudem das Drehbuch, führten Regie und agierten auch als Schauspieler. Foto: AGEcu/ Freihöfer

 

 

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