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alternovum Ausgabe 3/2019

Peggy Schade: Arbeitsbedingungen und Arbeitsschutz im Fokus

Seit 20 Jahren Vorsitzende des KWA Gesamtbetriebsrats. – Ein Beitrag von Sieglinde Hankele.

Unterhaching, 18. Dezember 2019

Peggy Schade ist seit 1997 Betriebsratsvorsitzende im KWA Stift am Parksee, seit 1999 Vorsitzende des KWA Gesamtbetriebsrats. Zudem engagiert sie sich bei Verdi: Sie ist für Bayern im Landesfachbereich 3 (Gesundheit & Soziales) ein Mitglied des Präsidiums, auf Bundesebene im gleichen Fachbereich ein Mitglied des Bundesfachbereichsvorstands. Auch in der Kommune ihres Wohnorts bringt sie sich ein: als Gemeinderätin von Unterhaching.

Das war so nicht vorgezeichnet. Peggy Schade ist 1968 in Gera geboren und dort auch aufgewachsen, ließ sich in Jena zur Krankenschwester ausbilden. Noch während der Ausbildung wurde sie Mutter. Das war zwei Jahre vor dem Mauerfall. Die Ereignisse überschlugen sich. Der Ehemann floh über Ungarn nach Westdeutschland, wurde in Unterhaching freundlich aufgenommen, hoffte, dass Frau und Kind bald nachkommen können. Der Ausreiseantrag war gerade genehmigt, als in Berlin die Grenze geöffnet wurde. So kam auch sie mit ihrer kleinen Tochter hierher.

Das Kind wurde von den Großeltern, die nachgekommen waren, liebevoll umsorgt. Deshalb wollte sie gerne arbeiten. Ihre Vermieterin gab ihr den Tipp, sich im Unterhachinger KWA Seniorenwohnstift vorzustellen. Das war von der Wohnung in fünf Minuten zu Fuß zu erreichen. Sie konnte gleich anfangen, zunächst als Aushilfe, ab Januar 1990 dann in Vollzeit in der Pflege. Eine kleine Hürde gab es allerdings zu nehmen. "Am ersten Tag habe ich so gut wie nichts verstanden", erinnert sie sich. "Bayerisch war für mich wie eine Fremdsprache." Doch schon nach kurzer Zeit ging es ganz gut. Über die Qualität und Vielfalt der Hilfsmittel, die es in Westdeutschland gab, war sie erstaunt. Sie hatte bei der Ausbildung im Krankenhaus vieles davon nicht zur Verfügung gehabt. Nach einem halben Jahr im Stift wurde Peggy Schade die Leitung eines Wohnbereichs Pflege anvertraut. Wovon sie am meisten fasziniert war und ist: Dass man im Vergleich mit Krankenpflege in der Altenpflege mehr Verantwortung trägt – weil man gut beobachten und selbst entscheiden muss, ob und wann ein Arzt hinzuzuziehen ist. 

Der Betriebsrat im KWA Stift am Parksee wurde 1997 gegründet – als dritter nach dem Betriebsrat im KWA Parkstift Rosenau und im KWA Parkstift Aeskulap. Sie stellte sich zur Wahl, auch für den Vorsitz, weil sie gute Kontakte zu den Kollegen hatte und sich gerne für sie einsetzen wollte. "Nicht jeder will das – schließlich macht man sich damit nicht nur Freunde", sagt sie.

Nachdem sie auch zur KWA Gesamtbetriebsratsvorsitzenden gewählt worden war, zeigte sich, dass die damit verbundenen Aufgaben kaum parallel zur Wohnbereichsleitung bewältigt werden konnten. Daher wurde sie durch eine Betriebsvereinbarung im Juli 2001 komplett von der Arbeit in der Pflege freigestellt. Zwei Tage pro Woche für die Arbeit als Betriebsratsvorsitzende im Unterhachinger Wohnstift, drei Tage für die Arbeit als KWA Gesamtbetriebsratsvorsitzende.

Insgesamt zwölf KWA Standorte haben heute einen Betriebsrat. Der Gesamtbetriebsrat tagt sechs Mal im Jahr, hat Mitspracherecht bei Dingen, die ganz KWA betreffen. So zum Beispiel bei der Einführung neuer EDV-Systeme. Doch das Gremium stößt auch aktiv Regelungen an. Unter anderem wurde eine "Betriebsvereinbarung Urlaub" initiiert und verabschiedet, damit die Urlaubsplanung und das Genehmigungsprozedere für alle Mitarbeiter klar geregelt sind. 

Peggy Schade organisiert ihre Arbeit selbst, achtet dabei darauf, dass Formalien und gesetzliche Vorgaben eingehalten werden. "Bei allem, was mitunter strittig ist, ist mir wichtig, dass man fair miteinander umgeht und Kompromisse findet, mit denen alle gut leben können", sagt sie. Bei ihrer Arbeit geht es ihr vor allem um Arbeitserleichterungen und den Schutz von Kollegen, beispielsweise indem sie die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen im Blick hat, unter anderem Ruhezeiten. Auch die Gefährdungsbeurteilung von Schwangeren sieht sie sich genau an. Sie besucht regelmäßig Fortbildungen zum Thema Arbeitsschutz. Die KWA-internen Fortbildungsmöglichkeiten lobt Peggy Schade ausdrücklich. Davon habe sie schon in ihrer Zeit als Pflegekraft sehr profitiert. 

In ihrer Freizeit findet sie ganz schnell Entspannung beim Spielen mit der zweijährigen Enkeltochter, beim Bergwandern mit dem Partner und bei Unternehmungen mit Freunden.
 

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