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Romys Salon
alternovum Ausgabe 1/2020

Romys Salon - ein Film von Mischa Kamp

"Ein großartiger, wichtiger Film in unserer Zeit". - Eine Rezension von Dr. Stefan Arend. - Filmvorführung im Monopoltheater in München.

München, 11. März 2020

Die auf Internationalen Filmfestivals ausgezeichnete Romanverfilmung gewährt einen ehrlichen und zugleich liebevollen Blick auf die Alzheimererkrankung. Der Plot:

Seit ihre Mutter so viel arbeitet, geht Romy nach der Schule zu ihrer Oma. Sie hilft ihr dann meist im Frisiersalon. Doch in letzter Zeit ist Oma anders, sie vergisst vieles, spricht plötzlich Dänisch und erzählt immer wieder von ihrer Kindheit in Dänemark und vom Meer. Romy unterstützt ihre Oma, wo sie kann, damit keiner etwas merkt. Bis zu dem Tag, an dem ihre Oma im Nachthemd im Salon steht ... Oma Stine kommt in ein Pflegeheim. Ob es ihr dort wirklich gut geht?

Nach aktuellen Untersuchungen sind derzeit allein in Deutschland rund 1,7 Millionen unserer Mitmenschen von einer demenziellen Veränderung betroffen. Im Jahre 2050 sollen es nach seriösen Schätzungen 3 Millionen sein. Demenz in seinen verschiedenen Formen und Ausprägungen ist von daher kein Schicksalsschlag für einige wenige, die eben Pech im Lauf des Lebens haben. Demenz ist vielmehr ein Stück weit Normalität in einer Gesellschaft des langen Lebens. Wir begegnen Demenz in unseren engen Lebenskreisen, bei Freunden und in der Nachbarschaft. Wir lernen dabei, als Gesellschaft mit Demenz zu leben und üben uns individuell, mit der uns gegebenen Angst umzugehen, vielleicht einmal selbst von Demenz betroffen zu sein.

Es ist wichtig zu verhindern, dass von Demenz betroffene Menschen ausgegrenzt werden und nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Wir müssen unser Leben, unsere soziale Umwelt und die Gesellschaft demenzsensibel um- und ausgestalten. Beim notwendigen Transformationsprozess helfen Filme wie "Romys Salon" ungemein. Denn "Romys Salon" nähert sich dem Thema Demenz sensibel und achtsam, mit großartigen Bildern, gleichsam klugen und nachdenklichen Dialogen und beeindruckenden Schauspielern. "Romys Salon" braucht im Gegensatz zu anderen Filmen zum Thema Demenz keine Rührseligkeit, grelle Szenen oder gar Slapstick-Einlagen. "Romys Salon" lebt vielmehr von der intensiven Annäherung von Enkeltochter und Großmutter. – Ein großartiger, wichtiger Film in unserer Zeit!

Dr. Stefan Arend


KWA Kuratorium Wohnen im Alter und CareTRIALOG präsentierten den Film am 10. Februar 2020 im Monopol Kino in München. Filmemacherin Alina Teodorescu und Dr. Christine Schwendner vom Staatsministerium für Gesundheit und Pflege stellten sich anschließend Fragen von Tanja Ehret von CareTRIALOG. Schwendner leitet im Ministerium das Referat Demenzstrategie. Sie lobte fundierte Filmproduktionen zum Thema Demenz und benannte als mögliche Zielgruppe für "Romys Salon" nicht nur Schüler, sondern auch Polizeibeamte sowie andere Berufsgruppen, die mit von Demenz Betroffenen und Angehörigen immer wieder mal in Kontakt sind.

Im Film kann man verschiedene Stadien der Demenz erkennen und so auf reale Situationen vorbereitet werden. Prof. Dr. Tim Lüth von der TU München saß im Publikum. Er nannte Menschen ab Anfang 20 als weitere denkbare Zielgruppe. Auch junge Erwachsene sollten sich nicht nur über ihre eigene Arbeit oder Medizintechnik Gedanken machen, sondern auch über diese besondere Herausforderung für die ganze Gesellschaft. Alina Teodorescu verwies darauf, dass der Film durchwegs durch die Augen der Enkelin erzählt wird, was die Zielgruppe Kinder besonders anspricht. Die Romy-Darstellerin brachte keinerlei Schauspielerfahrung mit und musste sich an das Thema Demenz erst herantasten, intuitiv arbeiten. Das mache den Film sehr authentisch.

Ein großartiger, wichtiger Film in unserer Zeit!

Dr. Stefan Arend, KWA Vorstand

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