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Taiwanesische Besuchergruppe im KWA Parkstift Aeskulap in Bad Nauheim; in Bildmitte: Stiftsdirektor Andreas Lorz
alternovum Ausgabe 3/2019

Taiwan interessiert an deutscher Altenpflege

Auf Europareise: Professoren der Taipei Medical University/College of Nursing und Direktoren bzw. Geschäftsführern von Unternehmen.

Bad Nauheim, 17. Dezember 2019

Dass ein Stiftsdirektor Telefonate von Menschen erhält, die Interesse an einer Hausbesichtigung haben, ist Alltag. Ungewöhnlich war jedoch eine Anfrage, ob eine taiwanesische Delegation das Haus besuchen könne. Der Anrufer war Dr. Han-Ping Huang, wohnhaft in Köln. Dieser berichtete, dass eine Gruppe von Pflegeexperten aus Taipeh, der Hauptstadt Taiwans, für eine Woche im Juli unterschiedliche Einrichtungen in Deutschland besuchen möchten. Insbesondere würden diese Teilnehmer sich für innovative Versorgungsstrukturen im Alter interessieren. Bei seiner Recherche sei er auf das KWA Parkstift Aeskulap gestoßen, welches durch seine Nähe zum Flughafen Frankfurt gut erreichbar ist. 

Unter den 15 Besuchern, die kommen wollten, seien neben fünf Professoren der Taipei Medical University/College of Nursing einige Direktoren und Geschäftsführer von Versorgungszentren der Hauptstadt. Die Kommunikation mit den Pflegeexperten Taiwans könne in Englisch, aber auch in Deutsch geführt werden, da drei Teilnehmer in Essen und Duisburg studiert haben. Diese würden dann simultan übersetzen. So erfolgte noch in diesem ersten Telefonat die Zusage.

Die Gäste hatten dann bei ihrem Besuch besonders großes Interesse an der Gestaltung von altersgerechtem Wohnraum im KWA Parkstift Aeskulap und dem Wellnessbereich, sodass zu Beginn eine Führung durch die gesamte Anlage sinnvoll schien. Die Großzügigkeit, mit der im KWA Parkstift Aeskulap altersgerechter Wohnraum angeboten wird, ist in Taiwan nicht üblich. Insbesondere die Parkanlage beeindruckte, aber auch, dass sowohl betreutes Wohnen als auch ein Wohnstift sowie stationäre Pflege an einem Standort vorgehalten werden.

Im weiteren Dialog mit den Teilnehmern zeigte sich, dass diese sich bereits intensiv mit dem deutschen Gesundheitswesen auseinandergesetzt hatten. Es wurden Fragen nach der Grundlage von Pflegegraden und Pflegeschlüsseln gestellt. Ebenso kam die Frage auf, wie die Ausbildung des Pflegeberufes in Deutschland sich im Bereich der Altenpflege gestaltet. Dass im Wohnstift ambulante Pflege rund um die Uhr möglich ist, überraschte die Delegation. 

Anders als vielleicht in unserem Land sieht man in Taiwan in der Digitalisierung und dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (Pflegerobotern) Lösungen zur Reduktion des hohen personellen Aufwands bei Pflegebedürftigkeit. Denn ebenso wie in Deutschland herrscht in Taiwan ein Mangel an qualifizierten Pflegekräften bei einer immer älter werdenden Gesellschaft. Auch, dass zu wenig junge Menschen in Taiwan den Pflegeberuf anstreben, gleicht unseren Herausforderungen in Deutschland.

Nach mehr als fünf Stunden, bei denen auch viel gelacht wurde, nahte das Veranstaltungsende. Zum Abschluss überreichten die Gäste dem Haus als Dankeschön zahlreiche Präsente. Die Nachfrage, ob man in den kommenden Jahren wiederkehren dürfe, da alle Teilnehmer diesen Tag als erlebnisreich und informativ empfunden hatten, beantwortete ich gerne positiv. Mir war es mit dem Austausch ebenso ergangen und so wollten wir einander in Erinnerung bleiben mit einem gemeinsamen Foto, das sagt „Daumen hoch“.

Andreas Lorz
 

Anders als vielleicht in unserem Land sieht man in Taiwan in der Digitalisierung und dem Einsatz von künstlicher Intelligenz Lösungen zur Reduktion des hohen personellen Aufwands bei Pflegebedürftigkeit.

Andreas Lorz

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