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alternovum Ausgabe 2/2019

Wie man im KWA Luise-Kiesselbach-Haus mit Hitzewellen umgeht

Mehr trinken ist wichtig, aber das allein reicht nicht.

München, 11. September 2019

Der Klimawandel ist in der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit omnipräsent. Doch welche konkreten Auswirkungen haben die sich häufenden Hitzeperioden insbesondere für hochbetagte Menschen? Im Pflegestift KWA Luise-Kiesselbach-Haus in München ist man sich dieses Themas bewusst und war gerne bereit, an einer Studie zu hitzeassoziierten Gesundheitsproblemen unter der Leitung von Dr. Julia Schoirer vom Klinikum der Universität München teilzunehmen und sich mit entsprechenden Erfahrungen einzubringen.

Wenn sich Hitzeperioden ankündigen, wird im KWA Luise-Kiesselbach-Haus ein Bündel von Maßnahmen ergriffen. Informationsquelle sind die vom Wetterdienst herausgegeben Warnmeldungen zu Hitzeperioden. 

Unser Gebäude wurde mit Ziegelsteinen gebaut. Ziegelwände unterstützen die „Atmung“ des Hauses und sorgen für ein gutes Raumklima. Selbstverständlich ist es notwendig in den späten Abendstunden und frühen Morgenstunden zu lüften, um verbrauchte, warme Luft gegen kühlere auszutauschen. Während intensiver Sonneneinstrahlung am Tag können die Bewohnerappartements und die großflächigen Verglasungen in den Gemeinschaftsbereichen durch Jalousien und Rollladen verschattet werden. 

Am Morgen erhalten die meist auf Pflege angewiesenen Bewohner Unterstützung bei der Körperpflege. Hier sorgen kühlende Waschungen für die erste Erfrischung am Tag bei Hitzeperioden. Manche Bewohner empfinden auch kühlende Fußbäder zwischendurch als willkommene Erfrischung.

Bei Hitzeperioden ist auch das Speisen- und Getränkeangebot sehr wichtig, sowohl für Bewohner als auch für Mitarbeiter.  Deshalb stehen immer (gekühlte, nicht kalte) Getränke wie Wasser, kalter Tee und Schorlen zur Verfügung. Zusätzlich wird wasserreiches Obst portionsgerecht geschnitten und den Bewohnern angeboten. 

Die Mitarbeiter des Bereiches Aktivierung und Betreuung stellen an heißen Tagen die Betreuungsangebote auf weniger belastende Aktivitäten um und bieten während der Gruppen- oder Einzelbetreuung immer wieder Trinkpausen an. Auf Aktivitäten im Freien, insbesondere vom späten Vormittag bis zum frühen Nachmittag, wird gänzlich verzichtet.

Ein Beitrag von Michael Pfitzer.

Mit den Ärzten wird besprochen, wie die Medikation während der Hitzeperiode umgestellt werden muss, so dass z. B. Kreislaufmedikamente oder Diuretika angepasst werden können. Insbesondere auf die Vitalzeichen Blutdruck und Puls wird geachtet, aber auch auftretender Schwindel oder Verwirrtheit können Zeichen mangelnder Flüssigkeitszufuhr sein. Hier ist die Zusammenarbeit mit Hausärzten besonders wichtig, um gegebenenfalls schnell reagieren zu können.

Mit Hilfe von Trinkplänen wird überprüft, ob bei besonders gefährdeten Bewohnern die Flüssigkeitszufuhr von 2 bis 3 Litern pro Tag erreicht werden kann. Dabei beachten wir, dass viele ältere Menschen kein ausgeprägtes Durstgefühl haben und sie dadurch die drohende Exsikkose (Austrocknung des Körpers) selbst nicht mehr wahrnehmen und ihr Trinkverhalten entsprechend anpassen können. 

Eine wichtige Rolle spielen auch die Angehörigen, die täglich zu Besuch kommen. Sie werden einbezogen und gebeten, die Pflegemitarbeiter durch Anbieten und Anreichen von Getränken während der Besuche ihrer Angehörigen zu unterstützen.

Mit diesem Bündel an Maßnahmen gelingt es, dass Bewohner des KWA Luise-Kiesselbach-Hauses Hitzeperioden besser bewältigen. 

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