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Dagmar und Hermann Beckmann bei der Feier zu 50 Jahren KWA Kuratorium Wohnen im Alter
alternovum Ausgabe 3/2016

Der Ehrenpreis der Stadt München für das Georg-Brauchle-Haus: Ein erster Meilenstein"

KWA EXKLUSIV-INTERVIEW mit Dagmar Beckmann

München/Unterhaching, 10. Oktober 2016

Von Sieglinde Hankele.

Frau Beckmann, als Sie Ihren Mann kennenlernten: Ahnten Sie da schon, dass er Großes vorhat und die Welt – zumindest in der Region München – ein wenig verändern will? War er schon immer ein Visionär? Und wenn ja: Woran war das zu erkennen?
Ich habe meinen Mann 1956 auf meiner ersten Dienstreise per Schiff nach Griechenland kennengelernt. Damals war Fliegen noch nicht so üblich. Er saß bei den Mahlzeiten zufällig neben mir, und wir redeten drei Tage ununterbrochen miteinander. Damals als junger Student war er schon voller Pläne zur Verbesserung der Lebensumstände im Allgemeinen, wobei sich seine „Visionen“ noch nicht auf die Versorgung alter Menschen bezogen. Erst nach Sammlung von Erfahrungen im Altenheimbau der sechziger Jahre bei einem großen Wohlfahrtsverband ergab sich mit Gründung des MAW – später KWA – 1966 die Gelegenheit, seine Vorstellungen für ein selbstbestimmtes Leben im Alter zu realisieren.

Sie selbst haben als junge Frau als Dolmetscherin gearbeitet. Welche Sprachen haben Sie übersetzt? Und haben Sie auch mal im Ausland gearbeitet?
Meine Dometscher-Sprachen waren Englisch und Spanisch. Hauptsächlich wurde mein Englisch gebraucht, da die Reederei, bei der ich in Bremen arbeitete, enge Kontakte in englischsprachige Länder hatte. Bis auf einige Dienstreisen habe ich nie im Ausland gearbeitet. In den 50er Jahren waren die Möglichkeiten noch nicht so gegeben wie heute.

Fiel es Ihnen schwer, den Beruf aufzugeben, als Sie das Familienleben in Beschlag nahm? Oder empfanden Sie es damals als „ganz normal“, sich um die Kinder zu kümmern und dem Ehemann den Rücken zu stärken?
Den Beruf aufzugeben, fiel mir nicht sehr schwer. Es war damals noch durchaus üblich, ein traditionelles Familienleben zu führen. Ab Kind zwei war sowieso keine Zeit mehr für die sogenannte Selbstverwirklichung, wenn man mit einem viel arbeitenden Mann verheiratet ist. Natürlich ist es für einen Mann angenehm, wenn er von häuslichen Aufgaben freigehalten wird und sich um seine Karriere kümmern kann, und die Frau positiv dazu steht.

Frau Beckmann, erinnern Sie sich daran, wie Ihnen Ihr Mann damals die Wohnstiftsidee beschrieben hat, als es um die Planung des ersten Hauses ging?
Ich erinnere mich sehr gut daran, mit welcher Begeisterung er die Vorplanung für das erste Wohnstift beschrieb, wie es ihm gelang, die Mitbegründer des MAW zu überzeugen, etwas damals völlig Neues auszuprobieren und zu verwirklichen. Hier konnte man dann vielleicht wirklich von Visionen sprechen.

Das Tempo der Bautätigkeit in den ersten Unternehmensjahren war atemberaubend: Zehn Jahre nach der Vereinsgründung gab es bereits sechs Wohnstifte – drei in Bayern, drei in Baden-Württemberg. Es ist anzunehmen, dass Ihre beiden Kinder mitunter auf den Papa verzichten mussten. Waren die beiden Kinder eher stolz auf ihren Vater? Oder auch mal so richtig „sauer“?
Sie haben Recht: Es war wirklich atemberaubend und es gab natürlich viel Stress. Da der aber positiv war, weil alles bei der großen Anstrengung erfolgreich verlief, hat es auch viel Freude gemacht zu sehen, wie in der kurzen Zeit ein Wohnstift nach dem anderen entstand. Das übertrug sich auch auf unsere Kinder, und sie waren wirklich stolz auf den Vater. Das Wochenende gehörte dann doch der Familie und den Freunden, und wir haben viel miteinander unternommen. Auch wenn der Sohn manchmal „sauer“ war, dass der Vater zum Fußballspielen nicht so leicht zu überreden war.

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Ich habe meinen Mann 1956 auf meiner ersten Dienstreise per Schiff nach Griechenland kennengelernt. Damals war Fliegen noch nicht so üblich.

Dagmar Beckmann

Dagmar Beckmann

Dagmar Beckmann ist die Ehefrau des KWA Mitbegründers und langjährigen Geschäftsführers Hermann Beckmann. Sie blickt im KWA-Exklusivinterview zurück auf die vergangenen Jahrzehnte.

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