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alternovum Ausgabe 1/2016

„Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ Seite 2

KWA EXKLUSIV-INTERVIEW mit Staatsministerin Melanie Huml

München/Unterhaching, 09. März 2016

...Deshalb ist die von der Bundesregierung geplante generalistische Pflegeausbildung sinnvoll. Denn sie kann einen Beitrag dazu leisten, langfristig Fachkräfte für alle Bereiche der Pflege zu gewinnen und zugleich den hohen Standard der Ausbildung zu sichern. Kritiker der neuen Regelung sollten beachten: Neben den generalistischen Ausbildungsinhalten wird es auch zukünftig eine Spezialisierung für einen Pflegebereich geben, so auch für die Pflege von Kindern und älteren Menschen. Dies wird innerhalb der dreijährigen Ausbildung durch entsprechende Vertiefungseinsätze erfolgen. Die jeweiligen Schwerpunkte der bisherigen Ausbildungen müssen sich bei der Zusammenführung der Ausbildungsinhalte selbstverständlich in dem Rahmenlehr- und Rahmenausbildungsplan wiederfinden. Noch ein Hinweis: In Bayern werden bereits seit Jahren erfolgreich Schulversuche zur generalistischen Pflegeausbildung durchgeführt. Zudem besteht auch weiterhin die Möglichkeit, im Nachgang zur Pflegeausbildung noch Spezialisierungen in Form von Fort- und Weiterbildungen zu absolvieren.

Was müssen Unternehmen und Einrichtungen, die Pflegekräfte brauchen, Ihres Erachtens tun, damit sie im internationalen Wettbewerb um Pflegekräfte erfolgreich sind?
Die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass junge Menschen – unabhängig ob Mann oder Frau – arbeiten und leben können, wie sie es möchten, ist eine zentrale Aufgabe von Politik und Gesellschaft. Bund und Länder haben ein großes Interesse an einer angemessenen Ausstattung der Pflegeeinrichtungen mit ausreichendem und gutem Personal. Auf Bundesebene sind daher mit dem ersten Pflegestärkungsgesetz die Voraussetzungen für Einrichtungen geschaffen worden, den Personalschlüssel für Betreuungskräfte anzuheben. Auf Landesebene hat die Pflegesatzkommission ebenfalls eine Verbesserung der Personalschlüssel beschlossen. Seit dem Jahr 2014 kann bei neu geschlossenen Verträgen ein pflegestufenunabhängiger Zusatzschlüssel in Höhe von 1:40 abgeschlossen werden. Eine weitere Verbesserung des Zusatzschlüssels „Sonstige Dienste“ von 1:40 auf 1:26,4 ist seit Beginn dieses Jahres möglich. Die Einrichtungsträger müssen nun aber auch ihre Verantwortung für das Aushandeln ausreichend hoher Personalschlüssel und die Refinanzierung angemessener Gehälter wahrnehmen. Denn mehr Personal heißt mehr Zeit für die Pflege und damit eine Entlastung für die Beschäftigten in der Pflege. Einrichtungen dürfen sich in der Praxis nicht scheuen, trotz gegebenenfalls steigender Pflegesätze auch entsprechend angemessen hohe Gehälter zu zahlen. Eine angemessene Personalausstattung und entsprechende Bezahlung gehören zu den wesentlichen Faktoren, die Einrichtungen für Arbeitnehmer attraktiv machen können. Ein weiterer Faktor für Unternehmen und Einrichtungen ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, hierzu zählen auch Beratungs- und Bildungsangebote.

Ihr Lebensmotto ist „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“ Gilt das auch für das Gesicht der Pflege? Und welche Schritte müssten viele kleine Leute tun?
Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Uns sollte bewusst sein, dass jeder Einzelne für das Alter vorsorgen muss. Klar ist dabei, dass dies für den Einzelnen auch finanzielle Einschnitte bedeuten kann. Denn: Gute Pflege – so wie wir sie uns alle wünschen – kostet eben auch Geld. Die Pflegeversicherung bietet dabei eine wichtige Entlastung, ist aber keine Vollfinanzierung. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen müssen daher ihre Interessen frühzeitig selbst in den Blick nehmen.

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Von Sieglinde Hankele.

Menschen, die in mehreren Kulturen zuhause sind, können sich wertvoll mit unterschiedlichen Einstellungen und Fähigkeiten einbringen.

Melanie Huml

Melanie Huml

Die 1975 in Bamberg geborene Melanie Huml ist approbierte Ärztin. Ihre politische Karriere startete sie 1993 in der Jungen Union Oberfranken. Politisch aktiv war sie zunächst als Kreisvorsitzende der JU Bamberg Land, als Kreisrätin im Landkreis Bamberg und als Stadträtin in Bamberg. Seit 2003 ist sie Mitglied des Bayerischen Landtags. Im Oktober 2007 wurde sie als Staatssekretärin ins Kabinett berufen. Seit Oktober 2013 leitet Melanie Huml als Staatsministerin das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege.

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