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alternovum Ausgabe 1/2021

Mit Geduld und Spucke fängt man eene Mucke

Gerade in der Pandemie zeigte und zeigt sich die Stärke von Hausgemeinschaften. Im KWA Stift im Hohenzollernpark wurde in dieser Zeit ein Bewohnerbote aus der Taufe gehoben. – Ein Beitrag von Sieglinde Hankele.

Berlin, 20. Mai 2021

„Auch in dieser schwierigen Zeit der Coronakrise, in der Zerstreuung und Abwechslung rar gesät sind, möchten wir Ihnen ein wenig Unterhaltung, aktuelle Informationen und allgemeine Tipps sowie Anregungen für das tägliche Leben … zukommen lassen“, heißt es in der Erstausgabe des Bewohnerbotens, die im März 2020 im Berliner KWA-Wohnstift erschienen ist. Die Kreativen und Hobbyautoren unter den Stiftsbewohnern waren aktiv geworden und riefen mit Unterstützung von Mitarbeiterinnen der Rezeption etwas ins Leben, was inzwischen keiner mehr missen möchte.

Der Bewohnerbote war ab der ersten Ausgabe ein echter „Chart-Runner“ und so beliebt, dass er im vorigen Frühjahr zweimal pro Woche aufgelegt wurde; von Mai bis Juli immerhin noch wöchentlich, ehe Autoren, Fotografen und Rechercheure sich eine Pause gönnten, zumal den ganzen Sommer über immer wieder etwas Besonderes im Stiftspark geboten war: unter anderem Dialoge mit prominenten Persönlichkeiten und Parkkonzerte mit beliebten Künstlern. Auch an Bewegungsübungen sowie Sturzprävention im Grünen konnten interessierte Stiftsbewohner teilnehmen und es sich bei Grillnachmittagen gutgehen lassen.

Ab dem Spätherbst wurde dann wieder eifrig geschrieben, gelesen, gerätselt, geschmunzelt – und das eine oder andere Mal vielleicht auch die Stirn gerunzelt. Denn es gab so manche erstaunliche Geschichte zu lesen, die ohne Corona vielleicht nie geschrieben worden oder in der Schublade geblieben wäre. 

Die Ideen der Stiftsbewohner waren und sind grenzenlos. Das alte Ostberliner Rezept „Süß-saure Eier“ und diverse vegetarische Gerichte wurde zum Nachkochen empfohlen. Neben Rätselspaß gehört auch eine Schmunzelecke zu den wiederkehrenden Rubriken – mit Sprüchen wie „Da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt“ oder „Mit Geduld und Spucke fängt man eene Mucke“.

Auch Abbildungen zu gymnastischen Übungen sowie Bastelanleitungen wurden im Bewohnerboten abgedruckt, überdies praktische Hinweise zum veränderten Alltag, so zum Beispiel Informationen zum nachmittäglichen Kuchen-Bring-Service, zu neuen Angeboten im Stiftsladen, zu Dienstleistern, zu Besuchsregeln oder Mitteilungen der Gesundheitsbehörde. Auch neue Mitarbeiter wurden und werden im Bewohnerboten vorgestellt.

Ansprechende Fotografien, viele von Stiftsbewohnerin Christel Görcke – die unter anderem Osterglocken, Traubenhyazinthen, Flieder, ein Rotkehlchen oder eine Kohlmeise zeigen – lenkten und lenken die Aufmerksamkeit auf immer wieder gerne gelesene gelernte Gedichte: unter anderem von Hoffmann von Fallersleben, Eduard Mörike und Johann Wolfgang von Goethe. Sicherlich ein Highlight sind die von Bewohnern verfassten Geschichten, teils mit historischem Input, teils einfach so ersonnen, auch Reiseberichte. Nachdenkliches, Berührendes, Heiteres – von der „Sockenschublade“ über einen „Störenfried“ bis hin zum „Hofknicks“ und Aufschnitt, der U-Bahn fährt.

„Frühling ist, wenn die Seele wieder bunt denkt“ steht bei einem Blumenbild der Erstausgabe des Bewohnerboten. Dieser Spruch passt auch gut in den Frühling des zweiten Corona-Jahres. Doch vielleicht passt für 2021 noch besser diese Sentenz von Jean Paul: „Das Schöne am Frühling ist, dass er immer dann kommt, wenn man ihn am dringendsten braucht.“

 

Mit freundlicher Erlaubnis der Autoren dürfen wir zwölf Berliner Geschichten hier auf alternovum.de veröffentlichen. Sie erscheinen im Wochenrhythmus. Wechseln Sie in die Rubrik "Geschichten", wenn Sie sich dafür interessieren. Und klicken Sie einfach mal wieder rein, wenn Sie alle Geschichten lesen möchten ...

 

Fotografien von Christel Görcke

Autoren von Berliner Geschichten

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