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alternovum Ausgabe 3/2020

Ingrid Kraus – eine Glücksfee

Ein Beitrag von Sieglinde Hankele über eine ehrenamtliche Mitarbeiterin im KWA Stift am Parksee.

Unterhaching, 21. Dezember 2020

„Engagierter Ruhestand“ lautet ein Programm der Deutschen Post. Beamte des einfachen oder mittleren Dienstes, die das 55. Lebensjahr vollendet haben, und Beamte des gehobenen Dienstes, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, können im Rahmen von Umstrukturierungen in den Vorruhestand gehen, wenn ein anderweitiger Einsatz nicht möglich ist und nach dem Ausscheiden aus dem Postdienst entweder zwölf Monate Bundesfreiwilligendienst oder 1000 Einsatzstunden bei einer gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Körperschaft geleistet werden, oder Voraussetzungen für eine familienbedingte Beurlaubung vorliegen. 

Ingrid Kraus hat diese Möglichkeit zum Vorruhestand ergriffen, da auch ihr Mann das Berufsleben bereits abgeschlossen hat. Sie wollen sich künftig mehr ihren gemeinsamen Hobbys widmen. Campen und Segeln. Dann, wenn der Ruhestand wirklich greift. Derzeit ist sie in der Engagement-Phase, und zwar im KWA Stift am Parksee. Sie kümmert sich in der Tagespflege insbesondere um Menschen mit Demenz. Gundi Edhofer-Simon leitet die soziale Arbeit im Stift. Sie sagt: „Frau Kraus ist unsere Glücksfee in Zeiten von Corona.“ Glücksfee, weil sie durch ihre regelhafte Präsenz am Vormittag für die Bewohner zu einer festen Konstante wurde, weil sie sich als sehr flexibel und verlässlich erwiesen hat, weil sie ein gutes Gespür für den Umgang mit dementen Menschen hat. Ihr fürsorgliches Wesen kommt gut an. 

In Ruhpolding geboren und aufgewachsen, hat sich Ingrid Kraus in Traunstein zur Postbeamtin ausbilden lassen: für den Einsatz in München. Sie kam an den Standort Stadtmitte, arbeitete dort viele Jahre. Nach entsprechenden Fortbildungen trug man ihr die Leitung des Zustellstützpunkts (ZSP) Perlach an. Dort war sie für 150 Mitarbeiter verantwortlich sowie für die Verteilung von zigtausenden Paketen und Briefen – 13 Jahre lang, mit großem Erfolg: Sie hat den Stützpunkt aus den roten Zahlen geholt. Ihre letzte berufliche Station war dann der „ZSP“ in Giesing. 

Einige Kollegen, die ebenfalls in den „engagierten Ruhestand“ gingen, haben sich für einen Dienst bei der Münchner Tafel entschieden. Doch sie liebäugelte mit dem Naheliegenden – im wortwörtlichen Sinn. Sie wohnt nämlich in Unterhaching in der Nähe des KWA Wohnstifts. Von Gundi Edhofer-Simon wurde die 58-jährige Postbeamtin a. D. mit offenen Armen empfangen und im Dezember 2019 erstmals in der Tagespflege eingesetzt, zur Unterstützung der Tagesgestaltung. Was Ingrid Kraus am meisten überrascht hat? „Dass ich voll ins Team integriert wurde“, sagt sie. „Ich hatte rasch das Gefühl dazuzugehören.“

Als Corona ein Thema wurde und man eine infizierte Bewohnerin im Haus hatte, waren viele beunruhigt. Ein großes Ausbruchsgeschehen gab es zur Erleichterung aller nicht. Dennoch arbeiten seitdem auch die Mitarbeiter der Tagespflege mit FFP2-Masken. Manchmal erschrecken Menschen mit Demenz vor der Maske. Doch dann geht sie auf Distanz, um kurz die Maske abnehmen und lächeln zu können. Und dann ist das Eis auch schon wieder gebrochen. Backen, Basteln und Malen sind sehr beliebt in der Tagespflege, auch Gymnastik, Puzzle und Bingo. „Seit wir bei allem auf Abstand achten müssen, ist zwar vieles mit mehr Aufwand verbunden. Doch wir versuchen, so viel Normalität wie möglich zu leben und für Abwechslung zu sorgen“, sagt Ingrid Kraus. Dass sie so nah an den Menschen ist und ihnen Gutes tun kann, bereitet Ingrid Kraus Freude. 

Das Soll des Dienstes wird sie schon vor Jahresende erreichen, doch sie ist sich sicher: „Wenn ich meine 1000 Pflichtstunden geleistet habe, werde ich mich hier bestimmt nicht endgültig verabschieden. Sowohl die Bewohner als auch die Kollegen sind mir ans Herz gewachsen.“
 

Ich hatte rasch das Gefühl dazuzugehören.

Ingrid Kraus

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