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alternovum Ausgabe 3/2020

Frank Elstner: "Ich arbeite nicht, ich habe einfach Spaß"

KWA EXKLUSIV-INTERVIEW – von Sieglinde Hankele.

Baden-Baden, 04. Dezember 2020

Herr Elstner, bereits als 10-Jähriger haben Sie in einer Hörspielproduktion mitgewirkt. Kaum dass Sie die Schule hinter sich hatten, verdienten Sie sich als Moderator bei Radio Luxemburg Ihren Lebensunterhalt und erste Meriten. So wurde zunächst vor allem Ihre Stimme bekannt. Hohen Bekanntheitsgrad mit Stimme und Gesicht erlangten Sie dann durch die Moderation von Fernsehshows. Spiel ohne Grenzen, Montagsmaler, Wetten, dass..? – Letztgenanntes gilt als erfolgreichstes Fernsehformat Europas. Tatsächlich haben Sie diese Spielshow auch erfunden. Sind Sie von Haus ein Erfinder und Tüftler? Oder wie kam es dazu?

Ich hatte einen sensationellen Lehrer, nämlich den Sender Radio Luxemburg. Unser kleines Team hatte wenig Geld für Produktionen, schon gar nicht konnten wir etwas „einkaufen“, sondern wir mussten unter Druck alles selbst erfinden. Das machte einen unglaublichen Spaß und alle, die sich an die 60er, 70er und 80er Jahre von RTL erinnern, werden mir das bestätigen.

Sie haben weitere spielerische TV-Formate entwickelt, diese zum Teil auch selbst moderiert. Wie erklären Sie sich diese hohe Affinität zu Spielshows? 

Naja, wenn man einmal mit einer Spielshow Erfolg hatte, dann fragen einen die Programmverantwortlichen der Sender, was man noch alles auf der Pfanne hat. Aber wie auch bei großen Schlagerstars, nicht jedes Lied wird ein Hit und bei Spielshows gilt ebenfalls: Nicht jede Show überzeugt das Publikum.

Mögen Sie auch Brettspiele oder Kartenspiele?  Und sind Sie ein ehrgeiziger Spieler und Mensch?

Mein Büro ist im zweiten Stock des deutschen Schachmeisters und natürlich spiele ich hin und wieder, unter anderen mit meiner Frau und meinen Kindern, eine Partie. Ja, ich bin ehrgeizig, aber ich habe im Lauf des Lebens gelernt, ein guter Verlierer zu sein.

Welches Spiel mögen Sie sonst noch?

Ein Bekannter von mir, Herr Rainer Lüth von Lebylo, ist ein unglaublich kreativer Spieleentwickler und ist spezialisiert auf Lernspiele. Im Moment hat er uns sein Kartenspiel „Karte mal kurz“ vorgelegt, für das er noch einen passenderen Namen sucht. Es macht einen mörderischen Spaß, sich zu beweisen, wie schnell man rechnen kann.

Neben Spiel- und Quiz-Formaten moderierten Sie auch Talk-Shows. Waren Gespräche und Interviews für Sie eine Art Ausgleich? 

Sie sprechen mich auf meine Sendung „Menschen der Woche“ an. Vom Spaß her nimmt sie einen ersten Rang in meinem Leben ein. Ich habe ein paar tausend Kandidaten einladen dürfen. Menschen, die etwas Besonderes geleistet haben und die ich ausfragen durfte. Dabei habe ich sehr viel gelernt und dafür bin ich auch sehr gelobt worden.

Wenn Sie zurückblicken auf all die Radio- und Fernsehjahre: Woran denken Sie vor allem? 

Wenn ich zurückblicke, sehe ich natürlich auch die Leistungen meiner Mitbewerber. Hans Joachim Kuhlenkampf war ein großes Vorbild für mich. Seine Art von Humor und sein Selbstbewusstsein haben mich immer überzeugt. Hans Rosenthal hat mit seiner einfachen Spielform „Dalli Dalli“ Millionen Menschen zum Aufspringen angestachelt und jeder kennt noch seinen Slogan: Das ist spitze! – Aber auch der engagierte Überzeugungstäter für deutsche Musik Dieter Thomas Heck hat mit seiner Leidenschaft im Kampf gegen zu viel Englisch viele Punkte gesammelt. Ich könnte hier dutzende Beispiele anführen… Oh hoppla, ich merke hier fehlen noch Frauen. Von Katharina Valente bis Carolin Reiber, von Anke Engelke bis Martina Hill, alle haben ihren eigenen USP – ein Alleinstellungsmerkmal. Und ihr Erfolg ist ihre Quittung.

Aktuell sind Sie auf YouTube und Netflix zu sehen. Dort führen Sie Gespräche mit Prominenten. Was treibt Sie an, immer noch zu arbeiten?

Das ist ganz einfach: der unglaubliche Spaß. Ich hatte das Glück, rechtzeitig in meinem Leben zu erkennen, was ich gerne mache. Und meine Familie und meine Freunde wissen, dass ich immer wieder sage: Ich arbeite nicht, ich habe einfach Spaß.

Wenn Sie nicht arbeiten: Was genießen Sie in Zeiten wie diesen am meisten? 

Im Moment freue ich mich über den Erfolg meines Buches „Mehr Power für den Kopf“, erschienen im Piper Verlag. Hier habe ich mit dem Psychologen Prof. Thorsten Kienast ein Buch herausgebracht, mit dem man sich vorzüglich beschäftigen kann und das hoffentlich bei vielen Lesern für gute Unterhaltung sorgt.

Welches Projekt oder welchen Plan möchten Sie gerne als nächstes verwirklichen?

Ich hoffe, dass ich mich in der Serie Elstners Reisen weiterhin einsetzen kann für den Arten- und Tierschutz. Die bedrohten Tierarten liegen mir besonders am Herzen, die Orang-Utans und Gorillas, die Elefanten und Nashörner, ja sogar die Haie und die gefährlichen Raubkatzen. Ich habe in der Serie wunderbare Menschen kennengelernt, die unter schwersten Bedingungen Großartiges leisten und für die ich gerne auf Betteltour gehe.
 

Ja, ich bin ehrgeizig, aber ich habe im Lauf des Lebens gelernt, ein guter Verlierer zu sein.

Frank Elstner

Frank Elstner

1942 im österreichischen Linz geboren, wuchs Frank Elstner in Baden-Baden auf; seine Eltern arbeiteten hier als Schauspieler. Mit Schauspielunterricht und einem Redaktionsvolontariat stellte er die Weichen für seinen eigenen beruflichen Weg als Radio- und Fernsehmoderator. Bei RTL und beim Südwestfunk Baden-Baden moderierte er vor allem Unterhaltungsformate. Parallel dazu schuf er sich als Produzent ein zweites Standbein. In seiner Firma Elstertainment entwickelte Elstner Sendeformate für private wie auch öffentlich-rechtliche TV-Sender. Ein Auswahl von Auszeichnungen: 
2012 Ehrenpreis der Stifter des Deutschen Fernsehens
2013 Ehrenmedaille der Stadt Baden-Baden in Gold
2017 Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
2019 Bambi für sein Lebenswerk

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