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alternovum Ausgabe 1/2021

Josef Wandl - Pflege mit Herz, Hand und Verstand

Ein Beitrag von Jörg Peter Urbach.

Bad Griesbach, 23. März 2021

Josef Wandl ist zuallererst ein Mann der Tat. Er verliert nicht viele Worte, sondern packt als Teamplayer mit an. Lösungsorientiert und ausgleichend. Überall dort, wo man ihn und seine allseits geschätzte Expertise im KWA Stift Rottal in Bad Griesbach benötigt. Als langjähriger Pflegedienstleiter prägte er das Ansehen der Einrichtung für eine professionelle und moderne, dabei aber immer dem Menschen zugewandte Pflege maßgeblich mit. 

"Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist." Diesen Satz hatte der in Poigham geborene Wandl schon früh verinnerlicht. Und zwar nicht als wohlfeiles Sprichwort, sondern als praktische Erfahrung: Seine erste Ausbildung führte ihn 1972 von der Schule im niederbayerischen Pocking direkt an den Amboss – wo er für ein Jahr Hufschmied lernte. "Da haben wir die Kaltblüter noch heiß beschlagen. Ein hartes Handwerk", erinnert sich Wandl. Daran schloss sich eine Lehre als Gas- und Wasserinstallateur mit dem Schwerpunkt Spenglerei an. "Vielleicht packe ich deshalb so gerne die Dinge ohne Umschweife an", erzählt der Niederbayer und schmunzelt.

Seinen Einstieg in den Pflegeberuf und damit den Beginn seiner "Berufung" beschreibt Wandl als puren Zufall. Nach dem Grundwehrdienst 1977 verpflichtete er sich als Zeitsoldat und absolvierte im Bundeswehrkrankenhaus München seine Ausbildung zum Krankenpfleger. 1983 ging Wandl dann zunächst in den Sanitätsdienst der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim, bevor er in die Jugendstrafanstalt nach Laufen-Lebenau wechselte. Dort kümmerte er sich um junge Männer zwischen 15 und 21. "Das war hart und bewegend zugleich", erinnert sich Wandl.

In dieser Zeit entdeckte Wandl sein Faible für die Arbeit mit Menschen, die ihn seitdem nicht mehr losgelassen hat. Er pendelte jahrelang zwischen Ober- und Niederbayern und sah seine Familie mit den zwei kleinen Kindern nur noch an den Wochenenden. Etwas musste sich ändern. Ein Versetzungsantrag nach Passau blieb erfolglos. Doch der heimatverbundene Familienmensch Wandl machte Nägel mit Köpfen, gab den sicheren Staatsdienst nach einem intensiven Entscheidungsprozess auf und kehrte 1987 nach Bad Griesbach zurück, wo er im KWA Stift Rottal als Pfleger begann. Zwei Jahre später übernahm Wandl bereits eine Stationsleitung und wurde 1990 dann Gesamtpflegedienstleiter der Einrichtung. In dieser Funktion lenkte er die Pflege im Stift sicher durch die Klippen der 1995 eingeführten Pflegeversicherung und setzte weitere Reformen souverän gemeinsam mit seinem Team um.1996 übernahm Wandl zusätzlich die Stellvertretung der Einrichtungsleitung. 

Die Zeit bei KWA war mit Sicherheit mein prägendster beruflicher Lebensabschnitt.

Josef Wandl

Nach 34 Jahren bei KWA steht im Sommer 2021 der Ruhestand an – zu dem Wandl eine sehr aufgeräumte Haltung hat: "Die Zeit bei KWA war mit Sicherheit mein prägendster beruflicher Lebensabschnitt. Ich habe hier im Stift schon meine Duftmarken hinterlassen, aber jetzt wird es Zeit loszulassen und Jüngeren die Verantwortung zu übergeben."

Stiftsdirektor Michael Hisch weiß, was er an Wandl hat(te): "Sein Lieblingssatz ´Da sitz ma uns a moi z’sam` zeigt seinen Charakter. Es ging ihm immer um den Zusammenhalt und um Lösungsansätze. Das werde ich vermissen."

Warum war KWA für Wandl so besonders? "Wir haben hier gemeinsam etwas bewegt, gemeinsam Probleme gelöst. Ich wurde als Mitarbeiter immer unterstützt und als Mensch wertgeschätzt." Fade wird es Josef Wandl ab Sommer sicherlich nicht werden. In seiner Heimat Bad Griesbach sitzt er im Stadtrat und engagiert sich ehrenamtlich in acht Vereinen vor Ort, weil er sich "aktiv einbringen" möchte. 

Und sollte ihm wider Erwarten der Tag doch zu lang werden? "Dann setze ich mich auf mein Bike, helfe meinem Sohn in dessen Geschäft oder arbeite die To-do-Liste an handwerklichen Aufgaben ab, die mir meine Frau schon mal vorsorglich zusammengestellt hat." So spricht ein Mann der Tat.

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