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alternovum Ausgabe 3/2021

Ilinka Lozancic: "Pflege muss ganzheitlich sein"

Seit 2019 ist sie Gesamtpflegedienstleiterin im Unterhaching KWA-Wohnstift. – Ein Beitrag von Jörg Peter Urbach

Unterhaching, 25. November 2021

Als Ilinka Lozancic im Januar 1993 mit ihren Eltern die Heimat Bosnien und Herzegowina in Richtung Deutschland verließ, begann für sie ein neues Leben. Die 15-Jährige musste nicht nur die Kriegserlebnisse verarbeiten, sondern gleichzeitig auch in einem fremden Land mit neuer Sprache Fuß fassen. Noch im gleichen Frühjahr kam in München dann ihre Tochter zur Welt. 1995 machte die junge Mutter als Pflegehelferin ihre ersten beruflichen Schritte.  In Teilzeit, um Erziehung und Beruf unter einen Hut bringen zu können. "Mein Frühdienst ging von 6 bis 14 Uhr, anschließend habe ich die Kleine aus der Kita abgeholt und der Familienalltag begann." Dieser ist seit 1999 auch von der häuslichen Pflege des eigenen Vaters geprägt. Eine Aufgabe, der sich die ganze Familie Lozancic bis heute widmet.

2011 beschloss Ilinka Lozancic, ihre Passion für Pflege auf ein stabiles Fundament zu stellen. Sie absolvierte die Ausbildung zur examinierten Fachkraft und legte damit den Grundstein für eine steile KWA-Karriere. Seit 2016 ist sie im Stift am Parksee in Unterhaching tätig. Ihr Einstieg als stellvertretende Leiterin im ambulanten Dienst gewann eine unerwartete Dynamik, übernahm sie doch gleich in der zweiten Arbeitswoche, zunächst kommissarisch, die Leitung. Später dann auch offiziell. Um die Leitungsaufgaben bestmöglich ausfüllen zu können, absolvierte Lozancic parallel zu ihrer Arbeit im Stift mehrere Weiterbildungen: Pflegedienstleitung, Gerontofachkraft, Palliative Care und Praxisanleiterin. "Das Unternehmen hat mich dabei tatkräftig unterstützt, sonst wäre das nicht zu schaffen gewesen", betont Lozancic. 

Es gab in der bisher härtesten Pandemiezeit im Herbst 2020 nicht eine einzige Krankmeldung – so einen Zusammenhalt gibt es nur in der Pflege.

Ilinka Lozancic

Seit Dezember 2019 ist sie als Gesamtpflegedienstleiterin auch Mitglied des Management-Teams im Unterhachinger KWA-Wohnstift. In dieser Funktion führt sie 52 Mitarbeiter und hat die pflegerische Verantwortung für alle Bewohner. Als ihre bisher größte berufliche Herausforderung beschreibt Ilinka Lozancic die Corona-Pandemie, die "von gleich auf jetzt alles, was planbar war, über den Haufen geworfen hat". Insbesondere die fast täglich neuen behördlichen Auflagen mussten aufgefangen werden – auch im Sinne der Mitarbeiter. "Hier galt es, den Spagat zwischen dem Wohl von Mitarbeitern, Bewohnern und den Vorschriften zu schaffen. Zum Glück haben wir im Haus eine hohe Fachkraftquote", so Lozanic. Wie gelingt ein solcher Balanceakt? "Man muss ganz nah am Mitarbeiter sein. Ich springe auch selbst ein, wenn Not am Mann ist, und verlange von meinen Mitarbeitern nichts, was ich nicht selbst tun würde."

Selbst nach mehr als 25 Jahren in der Pflege fällt Lozancic die Eigenmotivation nicht schwer. "Ich kann auch in kleinen Dingen den Erfolg sehen. In der monatlichen Sprechstunde bekomme ich ehrliches Feedback von den Bewohnern – das motiviert mich genauso wie offene Rückmeldungen meiner Kollegen. Und ich gehe stets mit einem ruhigen Gewissen nach Hause." Seit dem Übergang vom stationären zum ambulanten System im Stift am Parksee können sämtliche Bewohner problemlos 24 Stunden vom ambulanten Dienst versorgt werden, egal welcher Pflegegrad vorliegt. "Das ist eine schöne und beruhigende Erkenntnis", resümiert Lozancic, die sich für ihren Beruf mehr Anerkennung wünscht. "Pflege ist ein ganzheitlicher Beruf, mit enormen Entfaltungsmöglichkeiten durch die generalistische Ausbildung. Langeweile kenne ich nicht." Einen Ausgleich findet Ilinka Lozancic bei ihrem einjährigen Enkelsohn – "ich bin jetzt Granny in Grafing", erzählt die heute 44-Jährige schmunzelnd. Außerdem ist sie eine echte Leseratte. "Das gibt mir die nötige innere Ruhe."

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