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alternovum Ausgabe 1/2022

Philosophischer Diskussionskreis im KWA Stift im Hohenzollernpark

Einmal im Monat diskutieren interessierte Bewohner und ein Philosoph über die großen Fragen und Denkströmungen der Philosophiegeschichte.

Berlin, 19. April 2022

Philosophen der Antike – wie Sokrates, Platon, Aristoteles und Epikur – werden noch heute gerne zitiert. Auch die Stoiker, die eine natürliche Weltordnung zu erkennen glaubten und sich mit Gelassenheit, Seelenruhe und Weisheit auseinandersetzten. Römische Philosophen wie Seneca und Cicero bezogen sich darauf, grenzten sich aber auch ab.

Von den christlichen Philosophen des Mittelalters wirken vor allem die Scholastiker bis in unsere Zeit hinein. Thomas von Aquin wird in theologischen Fragen immer noch als bedeutsamer Kirchenlehrer angesehen. Immanuel Kant (1724-1804) als bedeutendster Vertreter der deutschen Aufklärung kritisierte die reine Vernunft, entwickelte mit dem „kategorischen Imperativ“ ein grundlegendes Prinzip der Ethik. Es besagt: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Kant beeinflusste mit seiner Erkenntnistheorie maßgeblich die Entwicklung der modernen Philosophie. Karl Popper (1902-1994) begründete den krititschen Rationalismus.

Alle bedeutsamen Philosophen und Strömungen ordnet seit Oktober 2012 der für seine Kompetenz bei den Teilnehmern sehr geschätzte, ehrenamtliche Leiter des Philosophischen Diskussionskreises im KWA Stift im Hohenzollernpark ein. Michal Czapara hatte als wissenschaftlicher Mitarbeiter zehn Jahre Philosophie und Kulturgeschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) gelehrt – bevor er als Standesbeamter in den Berliner Verwaltungsdienst wechselte. 

Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

IMMANUEL KANT, 1724-1804

Czaparas zentrales Anliegen bei der Veranstaltung im Stift war und ist es, von allen Philosophen, die er vorstellt, eine Brücke in die Gegenwart zu schlagen, sodass die Teilnehmer nicht nur in die Diskussion einsteigen, sondern auch den einen oder anderen Gedanken mit in den Alltag nehmen können. Die Themen für Folgetermine werden von den Anwesenden per Abstimmung bestimmt.

Interessierte Stiftsbewohnerinnen und –bewohner können gerne auch ohne Vorkenntnisse an diesem monatlichen Angebot teilnehmen. Zu den „nicht humanistisch Vorgebildeten“ zählt sich beispielsweise Monika Bargholz. Nach einem von Buchhaltung und Datenverarbeitung geprägten Berufsleben befasst sich die 81-Jährige seit ihrem Einzug im Stift mit philosophischen Fragen. „Den Umgang mit Minderheiten und auch politische Weichenstellungen betrachte ich heute verstärkt von der menschlichen Seite“, sagt sie. Sehr bewegt hat sie die philosophische Holocaust-Aufarbeitung von Hanna Arendt einerseits, und das höchst fragwürdige rechtsphilosophische Weltbild von Carl Schmitt andererseits.

Im Oktober 2022 feiert Michal Czapara das 10-jährige Jubiläum dieser immer rege besuchten und beliebten Kulturveranstaltung im KWA Stift im Hohenzollernpark. Wie er betont, bereichert ihn die monatliche Arbeit – speziell die rege Diskussionskultur – immer wieder aufs Neue. Was einst als ein mutiges Pilotprojekt begann, hat sich in zehn Jahren zu einem festen Bestandteil des Kulturprogramms im KWA Stift im Hohenzollernpark entwickelt.

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