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alternovum Ausgabe 1/2021

Pleiten, Pech und Pannen

Von Wolfgang Schilhaneck.

Berlin, 09. April 2021

Eine Kommödie in zwei Akten.

Erster Vorhang. Die Renovierung.

Meine Frau weilte einige Tage bei ihrer Schwester. Platz und Zeit für mich, unseren Flur zu verschönern. Mit dem großen Birkenwäldchen-Poster an der Tür und dafür einen ansehlichen Farbanstrich in hellem Gelb. Ich deckte den Fußboden mit Zeitungspapier ab, holte den Hocker aus der Küche, stellte auf ihn den Farbtopf und die sonstigen Malerutensilien. Stolz auf meine bisher geleistete Arbeit, legte ich nach zwei Stunden eine Pause ein. Auf der anderen Straßenseite befand sich eine Sportstätte mit Gaststätte. Dorthin führte mich mein Weg. Zwei Biere und eine Bockwurst und sofort ging es zurück. Und da passierte es. Die Tür prallte gegen den Hocker und der fiel um, und mit ihm die Farbe. Ohne geschlossenen Deckel natürlich.

Nur die Ruhe bewahren, dachte ich, denn ich hatte noch einen ganzen Tag Zeit. Also schnell zur Drogerie und mehrere Flaschen Lösungsmittel gekauft. Dann in den Keller, um genügend Lappen bereit zu legen. Morgens um drei betrachtete ich meine Arbeit und war zufrieden. Im Dunkeln jedenfalls. Als die ersten Sonnenstrahlen in den Flur fielen, erblickte ich die ganze Bescherung. Die Auslegeware sah aus wie ein bunter Flickenteppich. Als meine Frau eintraf, ergab ich mich wehrlos. Ihr Kommentar: "Ein neuer Teppich war sowieso fällig.“ 

Zweiter Vorhang. Die Teerstraße.
 
Vier befreundete Ehepaare und ein 11-jähriger Junge verbrachten 1968 ihren Urlaub in den Beskiden. Das Hotel befand sich in einer Höhe von 600 Metern. Natürlich machten wir auch einen Ausflug. Es ging nach Ostrava, der viertgrößten Stadt der CSSR (heute Tschechien). Zunächst ging es zwei Kilometer auf einer Schotterstraße talwärts, bevor die Omnibushaltestelle erreicht war. Es dunkelte bereits, da ging es zurück. Natürlich auf demselben Wege und bestens gelaunt.

Plötzlich war es keine Waldluft mehr, die uns in die Nase stieg, sondern es roch nach Benzin. Wir aber waren gut gelaunt und machten uns keine Gedanken. Am Hotel angekommen, kam uns im Schein der Laterne buchstäblich die Erleuchtung. Der staubige Schotterweg von früh morgens hatte sich über den Tag in eine asphaltierte Straße verwandelt. Das Bitumen war noch nicht ausgehärtet. So waren nicht nur die Schulsohlen total verkleistert, wir schleppten auch mit den Schuhen ganze Teerflatschen hinter uns her. Daher der Gestank. Postwendend wurden neun Paar Schuhe entsorgt, bevor wir den Hotelteppich betraten. Keine Sorge: Bis zum Ende unseres Urlaubs brauchten wir nicht barfuß zu laufen.


Copyright: Wolfgang Schilhaneck

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