Menu
alternovum Ausgabe 2/2021

Karl-Heinz Waidele - mehr als nur das hohe C

Ein Beitrag von Jörg Peter Urbach.

Konstanz, 24. August 2021

Tenöre sind eitle Diven. Diesem vielzitierten Vorurteil begegnet Karl-Heinz Waidele milde lächelnd. Und nimmt es mit gewitzten Pointen und tiefgründigen Einblicken in seine Sängerkarriere gekonnt auseinander. Für ihn gibt es mehr als das hohe C.

Musikleidenschaft seit früher Kindheit

Für den in Konstanz geborenen Waidele war schon die Kindheit pure Musik. Seine Mutter sang als Sopranistin an der Frankfurter Oper, sein Vater war im Musikverein Konstanz aktiv. Selbstverständlich musizierte auch Karl-Heinz in der dortigen Blasmusik und lernte Zugposaune. Klassisch geordnet ging es dort allerdings nicht zu, denn Dirigent Heinz Zink brachte den jungen Musikern keine stramme deutsche, sondern amerikanische Marschmusik nahe – gewürzt mit einer Prise Jazz.

Nach der Schule absolvierte Waidele zunächst eine Ausbildung zum Mechaniker, gefolgt von einem Maschinenbaustudium in Konstanz. Doch die Musik war unterschwellig weiterhin beherrschendes Thema. Mit seinem Bruder Jürgen, der am Schlagzeug die Beats beisteuerte, gründete Waidele eine Tanzkapelle. "Und einer musste die Titel ja auch singen, das war dann ich", erzählt er. "Unsere Gagen haben wir gleich wieder in Instrumente investiert". Im Tanzcafé Meersburg hörte ihn 1973 der große Bandleader Horst Jankowski – und lud ihn zu Aufnahmen nach Stuttgart an. Das Ergebnis war niederschmetternd "‘Du hast zwar eine gute Stimme, aber keine Ahnung vom Singen.‘ Da floss bei mir schon die eine oder andere Träne."

Das erste Engagement - in Berlin

Waidele reagierte und nahm Gesangsunterricht, anfangs bei Ruth Frenk, die den jungen Sänger bald an die berühmte Stimmbildnerin Elsa Seyfert vermittelte, bei der auch Stars wie Anneliese Rothenberger studierten. Sein erstes Engagement führte Waidele 1979 an die Deutsche Oper Berlin, wo er als Erster Tenor im dortigen Opernchor unter dem renommierten Chorleiter Walter Hagen-Groll debütierte. "Das Vorsingen war unglaublich. Ich hatte keine Ahnung von Oper und konnte gerade zwei Arien auswendig. Doch eine Stunde später war ich engagiert." In seinen zehn Jahren in Berlin hat er unter anderem Aufnahmen unter Herbert von Karajan eingesungen und mit Weltstars wie Luciano Pavarotti und Edita Gruberova auf der Bühne gestanden. 

1990 kehrt Waidele aus privaten Gründen in die Heimat zurück und ging bis 2000 ins Engagement am Theater Basel, gastierte anschließend am Opernhaus Zürich. 2020 beendete er seine Bühnenkarriere im Alter von 70 Jahren. Wie blickt er zurück? "Es war eine wunderbare Zeit. Doch der Opernbetrieb ist eine echte Mühle mit dem ständigen Wechsel aus Proben und Aufführungen. Du hast keine Zeit für ein Hobby. Das ist die Kehrseite."

Der Tenor Karl-Heinz Waidele bei einem Open Air-Auftritt im KWA Parkstift Rosenau; Foto: Hanna Binder

Der Rosenau eng verbunden

Seit 2017 pflegt Waidele eine enge Beziehung zum KWA Parkstift Rosenau. Anfangs als beliebter Künstler, der das Publikum im Haus mit seinem unverwechselbaren Tenor in vielen Musikgenres begeisterte, mittlerweile zudem als vertrauter Begleiter, der sich engagiert um einzelne Bewohner kümmert. Dafür reist er eigens aus Basel an. Zu Bewohnerin Inge Herrmann hat er einen besonderen Bezug. "Sie ist eine so liebenswerte Dame, die sich nach einem Konzert persönlich bei mir bedankt hatte, mit Händedruck und Lächeln. Das hat mich berührt. So begann unsere Freundschaft. Mal unternehmen wir eine Spazierfahrt, mal genießen wir ein Glas Wein zusammen." 

Was braucht es, anderen Menschen zur Seite zu stehen? "Offenheit und Empathie. Zum Glück habe ich diese Gaben – neben meiner Stimme. Es tut mir gut, anderen damit eine Freude machen zu können. In der Rosenau ist das übrigens sehr leicht, denn hier spüre ich immer einen ganz besonderen Geist, viel Freundlichkeit und Herzlichkeit."

lesen Sie außerdem

Cookies