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alternovum Ausgabe 3/2020

Spieltipps von KWA für Menschen mit kognitiven Einschränkungen

Auch in Zeiten wie diesen ist es möglich, in der sozialen Betreuung Spiele einzusetzen. Auch dann, wenn auf Hygiene, Abstand, Schutzmasken und die Zwei-Haushalts-Regel zu achten ist.

Unterhaching, 15. Dezember 2020

Vertellekes

Dieses Spiel spricht nicht nur Menschen mit demenziellen Veränderungen an, sondern bereitet Menschen mit unterschiedlichen kognitiven Fähigkeiten Freude. Vertellekes kann man als reines Frage-Antwort-Spiel nutzen oder bei einem ausgedehnten Spielenachmittag verwenden. Ich spreche hier aus 8-jähriger Erfahrung in der Beschäftigungstherapie. Vertellekes beinhaltet verschiedene Kategorien – wie Schlagerrätsel, Volksliederrätsel, Sprichwörter, Wissensfragen, Aufzählungsfragen („Was kann man alles im Herbst sammeln“), Biografiefragen („Ihre Lieblingsfächer in der Schule“) und anderes mehr. Dieses Spiel ist auch hilfreich bei der Biografiearbeit, die so wichtig ist bei der Arbeit mit demenziell veränderten Menschen. Ein weiterer positiver Aspekt von Vertellekes: Das Spiel ist auch sehr ansprechend gestaltet. 

Sarah Salas Rodriguez
Leitung Persönliche Assistenz im KWA Parkstift St. Ulrich

 

 

Mensch ärgere Dich nicht

Dieses Spiel ist jedem ein Begriff und kann in der XXL-Version durch kleine Kniffe an die individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten der einzelnen Mitspieler angepasst werden. Je nach Fähigkeiten können unterschiedliche Würfel (Größe, Augen oder Zahlen, 6 oder 3 Augen) oder auch ein Würfelbecher zum Einsatz kommen. Ebenso kann ich die Spieldauer durch die vorgegebene Anzahl an Spielfiguren oder den Einsatz von zwei Würfeln pro Wurf variieren. Bei größer werdenden Einschränkungen kommt der Assistenz eine wichtige Rolle zu. Unter Beachtung der Autonomie und Mitbestimmung kompensiert sie bestmöglich die individuellen Einschränkungen der Mitspieler und befähigt somit jeden zu einer größtmöglichen Teilnahme und Teilhabe.

Sandra Bobrik
Leitung Persönliche Assistenz im KWA Stift Rupertihof

 

Boccia – auch indoor!

Wenn ich sage „Wir spielen heute Nachmittag Boccia“ ist schon die Vorfreude groß. Im Sommer gehen wir dazu in den Garten und platzieren alle Mitspieler im Kreis um das Ziel: einen Holz-Puck. Wir haben rote und grüne Kugeln, bilden eine rote und eine grüne Mannschaft, mit je drei bis vier Mitspielern. Da sich jeder mal verwirft, sind die unterschiedlichen Fähigkeiten gar nicht wichtig. Sogar im Rollstuhl kann man teilnehmen. Die Spieler einer Mannschaft feuern einander an. Dadurch stärken wir den Gemeinschaftssinn und der Spaßfaktor ist für alle groß. Wir Betreuer sammeln als Balljungen die Kugeln ein. Aber die Entscheidung, wer gewonnen hat, treffen die Spieler. Sie schauen sich das Resultat ganz genau an. Wenn das Wetter nicht passt, spielen wir im Haus. Statt Kugeln verwenden wir grüne und rote Kirschkernsäckchen. Das funktioniert genauso gut. Und alle haben Bewegung. 

Klaudia Meltl
Leitung Soziale Betreuung im KWA Hanns-Seidel-Haus

 

Elfer raus!

Momentan ist das Kartenspiel  „Elfer raus“ das beliebteste Spiel der Bewohner. Man kann es mit 4-8 Bewohnern spielen. Je nach Teilnehmerzahl werden zwei Kartensets zusammengelegt, sodass bis zu acht Bewohner mitspielen können. Das Kartenspiel hat einen hohen Erkennungswert, erinnert viele Bewohner an ihre frühere Freizeitgestaltung. Es kann insbesondere dann sehr lustig werden, wenn es um Mogeln geht. Vor allem jedoch ist „Elfer raus“ leicht verständlich, sodass auch Bewohner mit stärkeren kognitiven Einschränkungen mitspielen können. Und der Gewinner erhält einen kleinen Preis (bspw. eine Süßigkeit). Aber oft bekommen am Ende alle, die mitgespielt haben, einen Preis.

Silvia Michaelis
Leitung Aktivierung und Betreuung im KWA Luise-Kiesselbach-Haus

 

 

Find mich!

...gehört zu den Spielen, die sich für Gruppen von 6-8 Personen eignen, auch jetzt in Pandemie-Zeiten, da man die Kärtchen nach dem Gebrauch mit einem Desinfektionstuch reinigen kann. Die Spielweise kann den Möglichkeiten der Spieler angepasst werden. Wir spielen „Find mich!“ vor allem als Puzzle: Dabei geht es darum, drei Teile eines Bildes richtig zusammenzusetzen. Das ist nicht allzu schwierig, trotzdem werden damit die Wahrnehmung, die Konzentration und auch die Kommunikation gefördert. Die Bildmotive sind vielfältig, zeigen beispielsweise eine Fotografie von einem bekannten Gebäude, einem blühenden Baum oder einem Tier. Wenn ein Spieler dann beispielsweise sagt „Wir hatten auch mal so einen Hund“, lassen wir ihn natürlich erzählen. So werden Erinnerungen hervorgeholt und manchmal auch Puzzlestücke der persönlichen Biografie gefunden.

Isolde Standfest
Leitung soziale Betreuung im KWA Parkstift Aeskulap 

 

Stadt, Land, Fluss

Jeder kennt es. Die meisten mögen es. Manche entwickeln sogar einen großen Ehrgeiz, wenn es darum geht, zu einem bestimmten Buchstaben eine Stadt, einen Vornamen, ein Tier, eine Pflanze oder einen Beruf zu benennen. Bei Menschen mit kognitiven Einschränkungen spiele ich das gerne in einer Dreier- oder Vierergruppe und stelle die Aufgabe mündlich. Wenn keiner auf etwas kommt, unterstütze ich mit Hinweisen – zum Beispiel: Wo gibt es einen schiefen Turm? „Stadt, Land, Fluss“ ist gedächtnisstützend, fördert bzw. erhält die kognitiven Leistungen. Auch für die 10-Minuten-Aktivierung eignet sich dieses Spiel bestens. Bei Städten und Ländern erinnern sich manche an Urlaubsreisen, daraus entwickeln sich oftmals gute Gespräche – und damit ist man auch schon bei Biografiearbeit angelangt.

Birgit Kriegler
Koordination Betreuung im KWA Stift Urbana im Stadtgarten

 

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