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KWA-Tagespflege – hier im KWA Kurstift Bad Dürrheim
alternovum Ausgabe 3/2020

Die Bedeutung von Tagespflege und Tagesbetreuung in modernen Wohnstiften

Ein Beitrag von Prof. Dr. Roland Schmidt.

Unterhaching, 04. Dezember 2020

KWA hält aktuell 82 Tagespflegeplätze vor: 10 in Aalen, 16 in Baden-Baden, 16 in Bad Dürrheim, 10 in Konstanz, 20 in München und 10 in Unterhaching. Die Anzahl der Personen, die das Angebot der Tagespflege nutzen, ist höher als die angegebene Kapazität. Wenn zum Beispiel ein Gast nur vormittags kommt, kann der Platz nachmittags von einer anderen Person gebucht werden. Der Zugang zu dieser Form der pflegerischen Hilfe steht auch Nutzern offen, die außerhalb des Wohnstifts leben – dies ist eine Bedingung für die Zulassung zur Versorgung.

Die Pflegekassen haben angemessene Wünsche des Pflegebedürftigen und der Pflegepersonen zu berücksichtigen. Gründe für Leistungsbewilligung bzw. Inanspruchnahme können u.a. sein: die Entlastung der Pflegeperson tagsüber oder nachts; die Förderung aktivierender Pflege, die nur bei Unterstützung durch Tagespflege möglich ist; Förderung und Erhalt sozialer Kommunikation, um drohender Vereinsamung entgegen zu wirken; Notwendigkeit der Beaufsichtigung des Pflegebedürftigen für bestimmte Stunden am Tag.

Tagespflege stellt ein professionelles Angebot pflegerischer Hilfe in hierfür extra zugelassenen Einrichtungen dar, die leistungserbringungsrechtliche Vorgaben zu realisieren haben und deren Einhaltung kontrolliert wird.

Tagesbetreuung in Gruppen unterliegt demgegenüber weniger starken Normierungen. Sie steht hausintern Bewohnern mit einem Bedarf an pflegerischer Betreuung offen. Der Entlastungsbetrag nach § 45 b SGB XI kann z.B. für Betreuungsleistungen von ambulanten Pflegediensten oder von nach Landesrecht anerkannten Angeboten zur Unterstützung im Alltag im Rahmen der Kostenerstattung eingesetzt werden. Voraussetzung ist, dass es sich um eine qualitätsgesicherte Leistung zur Entlastung pflegender Angehöriger sowie zur Förderung der Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit Pflegebedürftigen bei der Gestaltung ihres Alltags handelt. 

Tagespflege und Tagesbetreuung stellen – neben allen Unterschieden – zwei parallele und starke Impulse zur Ambulantisierung pflegerischer Hilfen dar. Mit der fiskalischen Ausweitung von Leistungen der häuslichen Pflege mittels eröffneter Addition auch teilstationärer Leistungsbeträge sowie mit der Anerkennung pflegerischer Betreuung im Leistungskatalog häuslicher Pflege hat der Gesetzgeber den Vorrang ambulanter Hilfen nachdrücklich gestärkt. Versorgungssettings wie Wohnstifte, die ihr Profil vornehmlich auf Hilfen in der eigenen Häuslichkeit des Bewohners gründen, können solche Impulse gut aufgreifen: Denn sie sind intentional bereits zuvor angelegt (bei KWA: die Persönliche Assistenz) und im Kern eingeführt. 

Beide hier erörterten Leistungstypen ermöglichen eine zeitweilig in Gruppen organisierte Versorgung und Alltagsgestaltung. Dies ist insofern von Interesse, da kommunikative und tagesstrukturierende Hilfen hier in Geselligkeit erbracht werden können, was in der Privatwohnung so nicht adäquat zu realisieren ist. Soziale Kontakte zu fördern und mittels Tagesstruktur einen Rahmen zu setzen stellen wichtige Inhalte dar, die die Versorgung in der Privatwohnung bei Bedarf arrondieren. 

Für Bewohner stellt das ein Mehr an Wahlmöglichkeiten in der Versorgung dar.
 

Extra-Info zu Tagespflege

Die Indikation für Tagespflege wird in § 41 SGB XI definiert. Versicherte mit Pflegegrad 2 bis 5 haben einen Anspruch auf teilstationäre Pflege (das sind: Tages- und Nachtpflege), wenn (1) häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang sichergestellt werden kann oder (2) dies zur Ergänzung oder Stärkung der häuslichen Pflege erforderlich ist. Teilstationäre Pflege kann zusätzlich zu ambulanten Pflegesachleistungen, Pflegegeld und Kombinationsleistung – also eine Mischung aus Pflegsachleistungs- und Pflegegeldbezug – beansprucht werden. 

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