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alternovum Ausgabe 3/2019

„Tanzen ist ein Ausdruck von Lebensfreude“

Für das Ehepaar Huth ist Tanzen das Leben. – Ein Beitrag von Nicole Gryzewski.

Berlin, 30. Oktober 2019

Studien haben gezeigt, dass regelmäßiges geistiges und körperliches Training zu den besten Vorsorgemaßnahmen für ein gesundes Alter zählen. Um fit zu bleiben, empfehlen Mediziner Kreuzworträtsel, Schwimmen, Radfahren oder Tanzen. Wer tanzt, schult Gehen, Laufen und Bewegungen im Rhythmus. Tanzen trainiert zudem die Haltung und Muskeln, stärkt Herz und Kreislauf und macht Spaß. Und mancher trifft beim Tanzen die Liebe seines Lebens. So wie Marion und Hansjürgen Huth, Bewohner des KWA Stifts im Hohenzollernpark. Sie haben sich 1961 beim Tanztee im Palais im Funkturm kennengelernt. 

"1962 haben wir geheiratet und eine Familie gegründet. Ein Leben ohne Tanzen konnten wir uns jedoch nicht vorstellen", berichtet Marion Huth. "Ab 1997, als unsere Kinder größer waren, hatten wir wieder mehr Zeit dafür." Doch nur einmal die Woche gemeinsam mit anderen zu "schwofen", war der Erzieherin und dem Sozialpädagogen zu wenig. Sie wollten Turniere tanzen. Turniertanz ist zeit- und kostenintensiv und erfordert hartes Training. Trotzdem gelang es ihnen, täglich zwei Stunden Zeit aufzubringen, um ihrer Leidenschaft zu frönen. Neben Gruppenunterricht und Fitnesstraining nahmen sie Privatunterricht, um sich auf Turniere vorzubereiten. Im Tanzverein Blau-Weiß Berlin e.V. in Berlin-Zehlendorf trafen sie auf Tanztrainer Andreas Fischer. Er schaffte es, dass beide den Spaß am Tanzen nicht verloren. "Auch wenn es manchmal anstrengend und stressig war: Zoff haben wir nie mit nach Hause genommen", betont Hansjürgen Huth. "Tanzen war für uns stets nur ein Hobby und das sollte uns Freude bringen." 

Und so tanzten die Huths in den folgenden Jahren mit Begeisterung, Leidenschaft – und manchmal auch hungrig – deutschlandweit von Turnier zu Turnier, bis hin zu den Berliner Meisterschaften. Ihr größter Erfolg gelang ihnen beim Deutschlandpokal der Senioren 2009 in der Klasse IV S-Standard, in der sie von 48 Paaren den 22. Platz belegten. "Wir haben uns darüber riesig gefreut. Die Zwischenrunde zu erreichen, damit hätten wir nie gerechnet", schwärmt Marion Huth. Von größeren Malheurs sind die Huths verschont geblieben. "Einmal bin ich zwar beim Wiener Walzer ausgerutscht und hingefallen. Aber wir haben nie ein anderes Paar von der Fläche geschoben", berichtet die Dame.

Im Jahr 2015 erhielt ihre Begeisterung für das Tanzen einen Dämpfer. Marion Huth hatte im rechten Auge einen Gefäßverschluss, woraufhin sie nichts mehr sehen konnte. Ihre behandelnde Ärztin empfahl ihr, es ruhiger anzugehen und Aufregung zu vermeiden. Für die Huths bedeutete diese Empfehlung zwar den Abschied vom Turniertanz, vom Tanzen aber nicht. Beide tanzen heute einmal die Woche im Tanzverein oder bei einer Tanzveranstaltung in einem der vielen Berliner Tanzcafés. Sie genießen das Tanzen viel mehr als früher. "Da wir keine Turniere mehr tanzen, haben wir keinen Druck mehr, auch wenn wir nicht mehr länger als eine Stunde durchhalten." Mit dem Tanzen ganz aufzuhören, können sich beide nicht vorstellen. "Tanzen bedeutet schließlich Lebensfreude, Kontakt zu anderen und Kommunikation", sagt Hansjürgen Huth. "Da würde uns etwas ganz Wesentliches fehlen."

Tanzen bedeutet Lebensfreude, Kontakt zu anderen und Kommunikation.

Hansjürgen Huth über das Tanzen

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