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alternovum Ausgabe 1/2021

Wie geht es eigentlich Georgia Gammerl und Veronika Groschopf?

Auch in Zeiten von Corona konnten im Wohnstift Kontakte gepflegt werden. – Ein Beitrag von Gisela Hüttis.

Ottobrunn, 15. März 2021

Wir Menschen sind soziale Wesen, deshalb auf Interaktionen und Begegnungen angewiesen. Vereinsamung führt häufig zu Depressionen, psychosomatischen Störungen sowie zum Verlust der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit. Daher ist gemeinschaftliches Wohnen in einem Wohnstift eine gute Alternative. Auch in Zeiten von Corona. Dazu ein Beispiel:

Ich treffe Mitte Januar unsere Bewohnerinnen Georgia Gammerl und Veronika Groschopf in unserem Stifts-Café. Sie sitzen – auf Abstand versteht sich – an einem Tisch und unterhalten sich. Frau Gammerl, Jahrgang 1942, wohnt seit 15 Jahren und Frau Groschopf, Jahrgang 1938, seit gut 8 Jahren im KWA Stift Brunneck. Im Laufe der Jahre haben sie gewisse Gewohnheiten entwickelt. Beide gehen fast täglich nachmittags ins Café. Veronika Groschopf findet sich meist zur gleichen Zeit ein und trifft deswegen auch stets die gleichen Mitbewohner. Man könnte sagen, es hat sich im Laufe der Jahre eine Art nachmittäglicher Stammtisch gebildet. Frau Groschopf bestellt sich dann immer ein Walnusseis, auf das sie sich wie auf die Begegnungen mit den Mitbewohnerinnen jedes Mal freut.

Georgia Gammerl wurde beim letzten Losverfahren, das die begrenzte Teilnehmerzahl beim täglichen Mittagessen im Café regelt, in die Wohnung „verbannt“. „Das Mittagessen in der Wohnung gefällt mir eigentlich sehr gut“, sagt sie und ergänzt: „Dafür gehe ich jetzt jeden Tag nachmittags ins Café, allerdings zu verschiedenen Zeiten, und treffe immer wieder andere Mitbewohner, mit denen ich mich zusammensetzen kann. Wir unterhalten uns eigentlich über alles: über Politik – bis zur Amtseinführung von Biden war Trump ein häufiges Thema, natürlich auch über Corona, außerdem über Mitbewohner und was man selber so erlebt. Zum Beispiel über meinen Sturz am Bahnübergang, das war meine eigene Dummheit und passiert mir nie wieder.“

Groschopf wie Gammerl schätzen neben den Begegnungen auch die Rückzugsmöglichkeit in die eigene Wohnung. Bestimmte Fernsehsendungen dürfen nicht verpasst werden. Veronika Groschopf schaut gerne „das Quiz mit Jörg Pilawa“, die Serie „In aller Freundschaft“ und natürlich die „Tagesschau“. Georgia Gammerl mag die Serien „Rosenheim Cops“ und die „SOKOs“ und schaut sich auch gerne Filme und Dokumentationen auf Arte an. Das tägliche Lesen der Tageszeitung ist beiden sehr wichtig. So ergibt sich auch gleich wieder Gesprächsstoff für das nächste Treffen.

Wie es in „normalen“ Zeiten im Stift Brunneck zugeht? Abgesehen von Feiern, Kultur-, Bildungs- und Gesundheitsangeboten bietet das Wohnstift mit seinen Gemeinschaftsräumlichkeiten vielfältige Gelegenheiten zusammenzukommen, sich kennenzulernen, sich ein soziales Umfeld aufzubauen. Bewohner treffen im Stift oftmals alte Bekannte wieder, die ebenfalls aus der Umgebung eingezogen sind, oder, weil die verstorbenen Ehemänner Arbeitskollegen waren.

Viele finden im Stift neue Freunde, pflegen nachbarschaftliche Beziehungen, verabreden sich zum gemeinsamen Spazierengehen oder Kaffeetrinken. Auch bei einem Glas Sekt oder Wein lässt es sich trefflich über alte Zeiten sprechen oder über das aktuelle politische Geschehen. Wie angenehm ist es, sich auf kurzem Weg im Wohnstift zu treffen, kein Auto mehr fahren zu müssen, um unter Menschen zu kommen.

Wer gerne Gesellschaftsspiele spielt, findet im Wohnstift gewiss Gleichgesinnte. Und wer dann wieder für sich sein möchte, geht in seine Wohnung und macht die Tür zu. Lesen, im Internet surfen, telefonieren, fernsehen, viele Dinge, über die man sich dann später wieder austauschen kann.
 

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