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alternovum Ausgabe 3/2020

Hilde Lölkes – die Rekordhalterin

Seit mehr als 30 Jahren glücklich im KWA Hanns-Seidel-Haus. – Ein Beitrag von Jörg Peter Urbach.

Ottobrunn, 25. November 2020

Hilde Lölkes ist Rekordhalterin im Hanns-Seidel-Haus. Nicht, weil sie in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiern konnte, sondern weil sie seit 1988 und damit seit 32 Jahren im Ottobrunner Wohnstift lebt – länger als jeder andere Bewohner. „Ich bin hier vom ersten Tag an glücklich gewesen“, betont die Seniorin. 1920 in Berlin geboren, besuchte sie in Schmargendorf das Lyzeum. „Das Jungengymnasium lag direkt gegenüber, auf der anderen Seite der Spree. Gegenseitige Besuche gab es natürlich nicht“, berichtet Lölkes. Das Lyzeum empfand sie eher als „Strafe, denn in Englisch und Mathematik war ich nie gut.“ Doch die sich daran anschließende Zeit an der Hauswirtschaftsschule war dann für sie ein großes Glück. 

Bereits mit 19 Jahren heiratete sie, die beiden Kinder kamen während des Krieges zur Welt. Diese Zeit in Berlin war für Lölkes vor allem von den Bombennächten geprägt. „Der Vermieter hatte einen Bunker gebaut, in dem man eng zusammenstand. Doch eines nachts war ich mit den kleinen Kindern zu spät und stand vor der Tür – da hat keiner aufgemacht. Wir müssen einen Schutzengel gehabt haben.“ Nach Kriegsende verließ Lölkes mit den Kindern Berlin und lebte bis 1948 bei den Schwiegereltern in Hessen während ihr Mann eine neue Arbeitsstelle in München fand. 1948 zog die Familie dann nach Baierbrunn ins Isartal. Dort widmete sich Hilde Lölkes neben dem Haushalt und der Pflege ihres großen Gartens erstmals intensiv dem Ehrenamt: Über viele Jahre unterstützte sie die Pflege in einem Altenheim in Ebenhausen.

Nach dem Tod ihres Mannes 1980 lebte Hilde Lölkes noch einige Jahre allein, bevor sie im Hanns-Seidel-Haus eine neue Heimat fand. „Ich war recht einsam und habe nach einer Einrichtung gesucht, in der es gesellig und fröhlich zugeht. Die habe ich hier gefunden.“ Schnell fand die agile und auch körperlich fitte 67-Jährige Anschluss im Haus und verbrachte den Großteil ihrer Zeit im Kreis neuer Freunde – darunter Musiker und Akademiker. Gemeinsam kochte und buk man, ging in klassische Konzerte und Ausstellungen, besuchte Feste und Feierlichkeiten im Haus. „Wenn alle anderen schon weg waren, haben wir in der Bibliothek oder auch an der Kegelbahn weitergefeiert. Das durfte natürlich niemand wissen. Gerne getanzt habe ich auch – wenn es den richtigen Partner gab.“ 

Doch auch das Ehrenamt ließ Lölkes nicht ruhen. Höchst engagiert betreute sie in den ersten Jahren im Stift viele Mitbewohner, mit Worten und Taten. Drei ihrer engsten Freunde hat Lölkes empathisch und engagiert bis zum Ende begleitet. „Da bin ich auch nachts aufgestanden und habe sie mit allem versorgt, was nötig war. Wenn ich es körperlich könnte, würde ich auch heute noch gerne helfen.“ 

1990 lockte dann die weite Welt und zusammen mit zwei Freundinnen aus dem Stift flog Hilde Lölkes über den großen Teich nach Seattle. Dort machte sich das Trio im Auto auf eine Fahrt von Kanada bis nach Mexico. „Ich konnte kein Wort Englisch! Aber die Weite und das Meer waren natürlich ein Erlebnis. Das amerikanische Essen hingegen – eine Katastrophe!“

Nach einem Sturz vor einigen Jahren musste Hilde Lölkes alles ein wenig ruhiger angehen. Trotzdem ist sie noch jeden Morgen an ihrem Lieblingsplatz im Café und trifft dort beim Stammtisch ihre Bekannten. Nach dem Mittagessen in der Wohnung genießt sie die Nachmittage und Abende: „Ich schaue entweder Fernsehen oder sitze – wann immer möglich – auf dem Balkon, lese die Zeitung und erfreue mich an den Farben und der Ruhe der Natur. Mit meinem Leben bin ich rundum glücklich und zufrieden. Ich habe es genommen, wie es kam.“ 
 

Ich war recht einsam und habe nach einer Einrichtung gesucht, in der es gesellig und fröhlich zugeht. Die habe ich hier gefunden.

Hilde Lölkes

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