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alternovum Ausgabe 1/2015

Sibylle Meyer: Der größte Vorteil für die Menschen ist nicht die Technik

KWA Symposium 2015: Lebensdienliche Sicherheit durch Hightech!?

Unterhaching, 16. Februar 2015

Perspektiven und Grenzen des Technikeinsatzes für ältere Menschen umriss Dr. Sibylle Meyer. Gleich zu Beginn wies die Expertin darauf hin, dass technische Assistenzsysteme ein Riesengeschäft sind. Bei der Robotik-Forschung gehe es um noch größere Summen. Doch was wird im Alltag überhaupt realisiert? Meyer nannte die Kontrolle von elektrischen Geräten, automatisches Abschalten von Herd, die Kontrolle von Fenstern, Rollläden, Türen, als Einbruchsschutz oder zur Energieeffizienz, sowie die Kontrolle des Sanitärbereichs – sturzmeldende Fußböden beispielsweise oder die intelligente Toilette, die gerade stark im Kommen sei. Die Steuerung von Assistenzsystemen erfolgt derzeit vor allem mit Tablets.

Sehr interessant aus Meyers Sicht ist Audio-Video-Kommunikation von Bewohnern mit Angehörigen oder Dienstleistern, zur sozialen Teilhabe, aber auch zur ambulanten Versorgung. Bereits auf dem Markt sind Staubsauger-, Wisch- und Rasenmäher-Roboter. Da gibt es eine hohe Akzeptanz und hohen Nutzen, vieles sichert Autonomität, sei ethisch unbedenklich.

„Bei Kommunikation und Anregung von so kleinen Gesellen, die eine Gestalt haben, wird es schon schwieriger", so Meyer. Die Referentin zeigte ein Bild von einem kleinen weißen Roboter mit aufgemaltem Gesicht, der vorturnt. Bei dieser niedlichen Figur falle es schon schwer, Distanz zu wahren. Ein weiteres Bild zeigte einen robotischen Gang- und Orientierungsassistenten, der beispielsweise in der Reha nach Schlaganfällen eingesetzt werden kann. Das stifte Nutzen, allerdings bestehe die Gefahr, dass der Roboter Arbeitsplätze vernichtet. Andererseits sei die Frage, ob ein robotischer Begleiter dazu beitragen kann, dass ein Mensch länger in der vertrauten Umgebung bleiben kann.

Doch zurück zu AAL: Es gebe viele Projekte in Deutschland, aber wenig empirisch fundierte Wirkungsforschung. SIBIS hat sich deshalb 90 Wohnungen mit Ambient Assisted Living angeschaut, Bewohner sowie Beteiligte der Wohnungsbaugesellschaften befragt. Die Erkenntnis: „Der größte Vorteil für die Menschen ist nicht die Technik.“ Es gehe ihnen um Barrierearmut und um gute Infrastrukturanbindung. Dann erst kommt die Technik, wobei Sicherheit im Vordergrund steht. Komfort komme erst an dritter Stelle – mit Licht- oder Temperatursteuerung beispielsweise. Dabei möchten die Bewohner die Möglichkeit haben, Technik abzuschalten. „Wenn ich Besuch habe, hat die Aktivitätskontrolle keinen Platz“, führte Meyer aus. Wenn Abschalten von Technik nicht möglich ist, sei keine Akzeptanz zu erzielen. Und: „Was zusätzlich gewünscht wird, ist Betreuung und Dienstleistung. Technik alleine reicht nicht aus.“

Als „Vision 2030" stellte die Referentin ein Modell vor, wonach die Wohnung ihre Mieter behütet – eine Umdeutung der Sorgekultur. Im Zentrum sollen Gesundheit und Wohlbefinden stehen, sowie Prävention, Therapie und Reha. Wir sind rundum von intelligenter Technologie umgeben und von robotischen Assistenten – so die Vision.

 

Lesetipp: Technische Assistenz für das Wohnen, auf der Website von SIBIS – Institut für Sozialforschung

 

sh

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