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alternovum Ausgabe 2/2019

Zeit: DIE Herausforderung in der Pflege

Ein Beitrag von Birgit Northoff. - Sie leitet im KWA Albstift Aalen den Pflegedienst.

Aalen, 28. August 2019

Schlagzeilen und TV-Sendungen über Fachkräftemangel, Pflegenotstand, schlechte Arbeitsbedingungen und geringe Bezahlung sind nicht sonderlich hilfreich, wenn es darum geht, mehr Personal für die Pflege zu gewinnen. Geschweige denn, junge Menschen zur Ausbildung für diesen schönen Beruf zu animieren. Für uns im KWA Albstift Aalen war deshalb klar, dass wir etwas für das Image der Pflege tun müssen, indem wir Bedingungen, die wir selbst ändern können, bewusst verändern. 

In Baden-Württemberg gab es durch ein Schiedsstellenurteil die Möglichkeit, für Qualität in der Pflege einen erhöhten Pflegesatz zu verhandeln. Unser langjähriger Hausleiter Manfred Zwick – der inzwischen in die KWA Geschäftsleitung gewechselt ist – setzte dies um.

Mehr Personal führt jedoch nicht unmittelbar zu mehr Qualität und besseren Arbeitsbedingungen. Dies wurde uns ziemlich schnell bewusst. Also begannen wir, mithilfe von Arbeitsanalysen, Arbeit zu bewerten. Wer macht was, wann und warum zu welcher Zeit. Alles wurde hinterfragt.

Gleichzeitig hatten wir das Glück, dass wir neue Pflegekräfte für unser Haus gewinnen konnten, sodass unser erhöhter Bedarf an Personal gedeckt war. Wobei das „Glück“ kein Zufall war. Die Reputation unseres Hauses und Mitarbeiter, die aktiv in ihrem Bekanntenkreis warben, halfen bei der Stellenbesetzung. Selbst von den 13 000 neuen Stellen, welche Gesundheitsminister Jens Spahn geschaffen hat, konnten wir im Februar dieses Jahres 1,5 Stellen zusätzlich geltend machen und auch besetzen. 

Der nächste Schritt war die Arbeitszeitanalyse. Tatsächliche Pflegezeit, Organisationszeiten für Führungskräfte oder Bezugspflegekräfte, Dokumentationszeiten etcetera wurden berechnet. Bei der Berechnung wurde auch administrative Zeit bewertet, welche für besondere Aufgaben wie Praxisanleitung, Wundmanagement, Palliative Care, Gerontopsychiatrie, Kontinenz-Beratung und anderes mehr gebraucht wird.

Auf dieser Basis konnten Arbeitszeiten sowie die Zeitbemessung für die verschiedenen Aufgaben angepasst werden. Mit dem Resultat, dass nun mehr freie Tage für die Mitarbeiter zur Verfügung stehen.

Nettodienstplanung und das Arbeitszeitkonto der Mitarbeiter stellen sicher, dass die Kollegen, über das ganze Jahr betrachtet, wenig Überzeit arbeiten müssen. Schön ist, dass wir mit der Vielfalt der Dienstzeiten auch „Mama-Dienste“, die sich am Schulalltag orientieren, einrichten können. Wenn ich heute mit den Kollegen rede, erlebe ich sie deutlich entspannter und auch zufriedener als vor einem Jahr. 

Das Beste ist, dass wir im Rahmen der Veränderungen neue Tätigkeitsfelder einrichten konnten, welche für deutlich mehr Entlastung im Arbeitsalltag sorgen.

Unsere neuen Bewohner sowie Gäste der Kurzzeitpflege werden von einer Fachkraft für Einzugsmanagement begrüßt, welche die Erstdokumentation und Angehörigengespräche führt und nach vier Wochen den Kontakt zur Bezugspflegefachkraft herstellt. Dies führt zu hoher Zufriedenheit bei den Bewohnern und Angehörigen.

Da das Thema Demenz uns im Wohnstift, im Pflegestift und in der Tagespflege vor immer neue Herausforderungen stellt, kam uns außerdem die Idee, unseren Mitarbeiter Sven Söllner, der bis dahin als gerontopsychiatrische Fachkraft Wohnbereichsleiter im Pflegebereich für Menschen mit Demenz war, als Demenzspezialist für besondere Aufgaben freizustellen.

Er kümmert sich nun um Fortbildungen, Angehörigen- und Mitarbeitergespräche, gibt Hilfestellung bei herausforderndem Verhalten und sorgt für gute Qualität im Umgang mit den Bewohnern. Unser größtes Ziel war, die zur Verfügung stehende Zeit sinnvoll einzusetzen. Daher freue ich mich jeden Tag, unsere Mitarbeiter auch mal bei Spaziergängen mit den Bewohnern beobachten zu können. 

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